Bestattungspflicht auch bei zerrüttetem Eltern-Kind-Verhältnis

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Auch wenn ein Kind wegen Fehlverhaltens seiner Eltern von der Unterhaltspflicht befreit ist (vgl. § 1611 BGB), ist es in der Regel dazu verpflichtet, für die Bestattung seiner Eltern aufzukommen.

Die Eltern hatten sich getrennt, als der Sohn drei Jahre alt war. Der Mutter wurde das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Zunächst gab es noch Kontakte zwischen Vater und Sohn. Da der Vater seinen Sohn aber nicht kindgerecht behandelte und ihm sogar Bier zu trinken gab, wurde der Umgang zwischen Vater und Sohn eingestellt. Unterhalt hat der Vater seinem Sohn nie gezahlt.

Erst nach dem Tod und der Einäscherung des Vaters gelang es der Gemeindeverwaltung, mit dem Sohn Kontakt aufzunehmen. Dieser weigerte sich, für die Bestattung der Urne Sorge zu tragen. Zwischen ihm und seinem Vater habe es keine Eltern-Kind-Beziehung gegeben. Aufgrund seines Verhaltens habe der Vater auch kein Recht auf Unterhalt. Nachdem der Vater durch kommunale Dienste beigesetzt worden war, da der Sohn die Totenfürsorge insgesamt abgelehnt hatte, sollte die Schwester des Verstorbenen zu gleichen Teilen mit ihren Geschwistern für die Einäscherung und Bestattung aufkommen. Hiergegen wandte sich die Schwester.

Das Verwaltungsgericht Lüneburg gab ihr Recht. Die Totenfürsorge und damit auch die Bestattung obliegt dem Sohn als nächstem Verwandten. Nach dem Gesetz selbst gibt es keine Ausnahmen von der Bestattungspflicht. Daher kann sie nur in ganz besonderen Ausnahmesituationen (z.B. schwere Straftaten gegen den Angehörigen) entfallen. Es müssen so schwerwiegende Gründe vorliegen, dass es für den Angehörigen unzumutbar ist, für die Beisetzung des Verstorbenen zu sorgen.

Die Gründe, die die Unterhaltspflicht wegen grober Unbilligkeit entfallen lassen (§ 1611 BGB) sind hier nicht per se ausreichend. Denn bei der Bestattungspflicht handelt es sich um eine einmalige Pflicht und auch die Kosten sind vorhersehbar und berechenbar. Dagegen erstreckt sich die Unterhaltspflicht über einen längeren Zeitraum und ist mit wiederkehrenden Kosten verbunden. Auch wenn es sicherlich gegen die elterlichen Pflichten verstößt, einem Kleinkind Bier zu verabreichen, liegt hierin zwar eine Körperverletzung aber keine schwere Straftat. Trotz des zerrütteten Eltern-Kind-Verhältnisses, trotz des mangelnden Kontaktes zwischen Vater und Sohn über Jahre, ist es dem Sohn nicht völlig unzumutbar, für die Bestattung seines Vaters zu sorgen (VG Lüneburg, Urteil vom 16.12.2014, 5 A 146/14 ).

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