Testament verschwunden - was nun?

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Nach dem Tode ihrer verwitweten Mutter hatten die beiden Kinder zunächst einen Erbschein beantragt und aufgrund gesetz­licher Erbfolge erhalten. Einige Monate später beantragte eines der Kinder, den Erbschein einzuziehen. Begründung: Es läge ein Testament zu seinen Gunsten vor, wonach er Alleinerbe geworden sei.

Inzwischen hatte nämlich der Antragsteller erfahren, dass die Mutter sich von einem ihr bekannten Bürovorsteher eines Notariats einen maschinenschriftlichen Testamentsentwurf hatte fertigen lassen. Der Entwurf sei undatiert und nicht unterschrieben gewesen. Er hätte den Vermerk getragen "muss handschrift­lich errichtet werden". Die hierzu befragten Zeugen konnten allerdings nicht bestätigen, dass die Versorbene den Entwurf in ein handschriftliches Testament umsetzen wollte oder gar umgesetzt hat. Deshalb konnte letztlich die Existenz eines derartigen Testamentes nicht nachgewiesen werden.

Dennoch stellte das Bayerische Oberste Landesgericht fest, dass auch ein unauffindbares Testament grundsätzlich wirksam ist. Voraussetzung ist, dass die Ur­kunde ohne Willen und Zutun des Erblassers vernichtet, verloren gegangen oder sonst nicht mehr auffindbar ist. In einem solchen Fall muss die Errichtung und der Inhalt des Testaments bewiesen werden. Hierzu können zum Beispiel Zeugen befragt werden. Die Beweislast trägt auf jeden Fall derjenige, der einen Anspruch auf das nicht vorhandene Testament stützt.
BayObLG, Beschluss v. 1. 4. 2004, Az. 1 Z BR 13/04

Grundlagenwissen finden Sie in Gruppe 5 d "Eintritt des Erbfalls" in den "Rechtstipps".
 

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