Schwere Krebserkrankung ist kein Hinweis auf Testierunfähigkeit

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Allein eine Krebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium bietet noch keinen Anlass, an der Testierfähigkeit des Erblassers zu zweifeln. Das Gericht muss daher auch kein psychiatrisches Gutachten einholen. Anders liegt der Fall nur, wenn weitere Umstände wie zum Beispiel Verwirrtheit oder Demenz hinzukommen.

Der Erblasser hatte noch kurz vor seinem Tod - nur sieben Tage zuvor - ein notarielles Testament errichtet. In diesem setzte er seine Lebensgefährtin zur Alleinerbin und deren Tochter zur Ersatzerbin ein. Seine Schwestern schloss er von der Erbfolge aus.

Nach seinem Tod beantragte die Lebensgefährtin einen Alleinerbschein. Dagegen wehrten sich seine Schwestern. Sie behaupteten, der Erblasser sei aufgrund seiner fortgeschrittenen Krebserkrankung und aufgrund der starken Medikamente nicht mehr testierfähig gewesen. Daher sei das Testament unwirksam.

Das Oberlandesgericht Bamberg hatte keine Zweifel an der Testierfähigkeit des Erblassers. Das Testament ist daher wirksam. Es entschied weiter, so lange es keine Anhaltspunkte für eine Testierunfähigkeit gibt, ist auch die Einholung eines Sachverständigengutachtens nicht vonnöten.

Der Erblasser war zwar aufgrund seiner Krebserkrankung stark geschwächt. Er befand er sich sicherlich auch in einem psychischen Ausnahmezustand, immerhin hatte er den Tod vor Augen. Das gilt allerdings für jeden Sterbenskranken und genügt nicht, an der Testierfähigkeit zu zweifeln.

Er war weder verwirrt, noch zeigte er Anzeichen von Demenz oder sonstiges Nachlassen seiner geistigen Fähigkeiten. Auch die Medikamente, die der Erblasser einnehmen musste, hinderten ihn nicht am klaren Denken. Vielmehr war er zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung durchaus noch in der Lage, die Auswirkungen seines Testaments abzusehen und sich ein Urteil über die Wirkungen auf die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Betroffenen zu bilden.

Auch der beurkundende Notar bestätigte den guten geistigen Zustand der Testierenden. Diesen Eindruck hatte er durch ein längeres Gespräch vor der Beurkundung gewonnen (OLG Bamberg, Beschluss vom 18.6.2012, 6 W 20/12, NJW-RR 2012 S. 1289).

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