Kein Nachschlag bei Erbverzicht, wenn Erblasser später noch Vermögen erwirbt

 - 

Wer auf sein Erbe verzichten will, weil ihn der Erblasser schon zu Lebzeiten abfinden möchte, sollte sich das Ganze noch mal gut überlegen. Auch wenn eine vorzeitige Vermögensübertragung oft attraktiv ist, der Verzicht ist grundsätzlich endgültig. Das verlangt schon die Rechtssicherheit.

Eine 53 Jahre alte Frau hatte im Jahre 1972 ihrer Tochter ein Hausgrundstück übertragen. Der Bruder erhielt ein anderes Grundstück. Damit war das Vermögen der Frau erschöpft. Die Tochter hatte deshalb keine Bedenken, einen notariellen Erbverzicht zu erklären.

Bis zu ihrem Tode hatte die Mutter allerdings neues Vermögen erworben. Sie durfte ein Haus im Wert von ca. 150.000 Euro  und Ackergrundstücke im Wert von ca. 20.000 Euro ihr Eigen nennen. Dieses Vermögen vererbte sie ihrem Sohn.

Damit wollte sich die Tochter nicht abfinden. Sie war der Meinung, der seinerzeit erklärte Erbverzicht beschränke sich auf das damalige Vermögen. Sie verklagte ihren Bruder auf Auszahlung ihres vermeintlichen Pflichtteils in Höhe von 42.500 Euro.

Das Landgericht Coburg wies die Klage ab. Dass die Mutter noch einmal zu Vermögen gekommen war, war angesichts ihres Alters bei der  ersten Vermögensübertragung weder ungewöhnlich noch unvorhersehbar. Das Risiko eines Erbverzichts in Verbindung mit einer Abfindung liegt in solchen Fällen beim Verzichtenden. Damit ging die Tochter leer aus (LG Coburg, Urteil vom 3.9.2008, 21 O 395/0).

 


Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.