Bei unbekanntem Nachlassumfang Erbschaft besser nicht voreilig ausschlagen

 - 

Als gesetzlicher oder testamentarischer Erbe sollte man nie das Erbe ausschlagen, bevor man sich über den wahren Umfang des Nachlasses informiert hat.

Manch ein Erblasser ist vermögender, als er sich gibt. Ein Zurück von der Ausschlagungserklärung wegen Irrtums ist nicht ohne Weiteres möglich.

Eine Frau hatte ihren Sohn testamentarisch zum Alleinerben eingesetzt. Nachdem sie tot in ihrer Wohnung aufgefunden worden war, informierte die Polizei den Sohn telefonisch, dass sich auf Girokonto der Mutter ein größerer Geldbetrag befinde. Einzelheiten wurden nicht genannt. Der Sohn schlug die Erbschaft aus.

Kurze Zeit darauf erfuhr er, dass das Vermögen mindestens 20.000 Euro betrug, woraufhin er die Ausschlagungserklärung anfocht. Begründung: Die Mutter habe ihm gegenüber zu Lebzeiten geklagt, kein Vermögen zu besitzen. Er sei deshalb von einem eher überschuldeten Nachlass ausgegangen.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Nettonachlass sogar rund 130.000 Euro betrug.

"Pech für den Sohn", entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf. Ein Anfechtungsgrund ist zwar grundsätzlich gegeben, wenn ein Erbe glaubt, der Erblasser hinterlasse nur Schulden. Aber ein Irrtum über den Umfang des Nachlasses berechtigt nicht zur Anfechtung.

Wer eine Erbschaft für finanziell uninteressant hält, kann nicht mehr anfechten, wenn sich später das Gegenteil herausstellt. Das Gericht warf dem Sohn vor, sich trotz des ersten polizeilichen Hinweises nicht richtig informiert zu haben (OLG Düsseldorf, Beschluss vom 5.9.2008, 3 Wx 123/08, NJW-RR 2009 S.12).

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.