Berliner Testament als Erbeinsetzung reicht nicht

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Die Formulierungen in einem Testament "Erbschaft gemäß Berliner Testament" und "einschließlich Wiederverheiratungsklausel" reichen für die Errichtung eines wirksamen Testaments nicht aus, wenn der wirkliche Wille des Erblassers nicht durch tatsächliche Umstände ermittelt werden kann.

Ein Ehemann testierte vor seinem Ableben:

"Mein Testament

Nach meinem Ableben soll die Erbschaft gemäß dem Berliner Testament erfolgen einschließlich der Wiederverheiratungsklausel."

Nach seinem Tod beantragte die Ehefrau einen Erbschein, da sie die Ansicht vertrat, sie sei Alleinerbin geworden. Die zwei Kinder des Verstorbenen waren jedoch der Ansicht, dass das Testament unwirksam sei und sie daher nach der gesetzlichen Erbfolge jeweils zu ¼ und die Ehefrau (nur) zu ½ Erben geworden seien.

Die Richter am Oberlandesgericht Hamm gaben den Kindern Recht. Das Testament ist so vage formuliert, dass nicht ermittelt werden kann, was der Erblasser wirklich wollte. Bei der Auslegung eines Testaments ist der wirkliche Wille des Erblassers zu erforschen – ausgehend vom Wortlaut des Testaments.

Der Erblasser wollte hier ein Berliner Testament mit einer Wiederverheiratungsklausel errichten. Was er im Einzelnen damit regeln wollte, lässt sich jedoch weder aus dem Testament noch aus anderen Umständen feststellen.

Ein Berliner Testament kann nur als gemeinschaftliches Testament zweier Ehegatten erstellt werden. Der Erblasser hat es jedoch allein errichtet. Außerdem gibt es mehrere Möglichkeiten ein Berliner Testament auszugestalten, beispielsweise mit Vor- und Nacherbschaft oder mit Voll- und Schlusserbeneinsetzung. Hier wird jedoch nicht deutlich, was der Erblasser anordnen wollte. Auch eine sogenannte Wiederverheiratungsklausel kann ganz unterschiedlich ausgestaltet werden.

Letztlich ist das Testament unwirksam, weil der wirkliche Wille des Erblassers nicht ermittelt werden kann. Deshalb wird der Erblasser nach der gesetzlichen Erbfolge beerbt, sodass die Kinder zu je ¼ und die Ehefrau zu ½ Erben geworden sind (OLG Hamm, Beschluss vom 22.7.2014, 15 W 98/14 ).

Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, sich mit der Formulierung seines Testaments eingehend zu beschäftigen und möglicherweise auch Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen, damit die Erbfolge auch nach Ihren Wünschen geregelt ist!

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