Ein Nachlasspfleger hat hinreichende Erbenermittlungsmaßnahmen durchzuführen

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Wenn ein Nachlasspfleger für die Ermittlung der Erben bestellt worden ist, hat er selbst alle erforderlichen Ermittlungsmaßnahmen zu durchzuführen. Erst wenn diese erfolglos verlaufen, kann er einen gewerblichen Erbenermittler einschalten.

Der Erblasser war zwei Mal verheiratet. Die Ehen wurden jeweils geschieden. Er hatte eine Tochter aus erster Ehe. Jedoch hatte der Erblasser vor seinem Tod weder zu seinen Ex-Ehefrauen noch zu seiner Tochter Kontakt. Das Nachlassgericht ordnete Nachlasspflegschaft an. Ein Rechtsanwalt wurde zum Nachlasspfleger eingesetzt mit dem Aufgabenkreis "Sicherung und Verwaltung des Nachlasses sowie Ermittlung der Erben". Der Rechtsanwalt machte lediglich eine Anfrage beim Landeseinwohnermeldeamt, welche jedoch keine Informationen zu dem Verbleib der beiden Ehefrauen oder der Tochter brachten. Weitere Recherchemaßnahmen unterließ der Nachlasspfleger. Er beauftragte stattdessen eine schweizer Erbenermittlung. Diese machte die Tochter ausfindig. Die Tochter hat daraufhin das Honorar des Erbenermittlers bezahlt. Dieses Geld wollte die Tochter nun vom Nachlasspfleger erstattet bekommen.

Die Richter am Landgericht Berlin sprachen der Tochter diesen Anspruch zu. Die Einschaltung des gewerblichen Erbenermittlers war zu diesem frühen Zeitpunkt pflichtwidrig. Der Nachlasspfleger hätte entsprechend seines Aufgabenkreises alle erforderlichen und zumutbaren Maßnahmen durchführen müssen. Zumindest hätte er bei den eheschließenden Standesämtern anfragen müssen, um so an weitere Informationen zu gelangen. Diese Maßnahmen hat er unterlassen. Das Honorar des Erbenermittlers ist kausal entstandener Schaden aus dem pflichtwidrigen Unterlassen. Der Nachlasspfleger hat der Tochter das bereits bezahlte Honorar zu erstatten, LG Berlin, Urteil vom 14.9.2011 - 23 O 613/10.

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