Wie urteilen die Gerichte bei Sportunfällen?

Sport gehört mit zu den wichtigsten Freizeitaktivitäten der Deutschen. Angeregt durch die Leistungen der Profisportler, tummeln sich immer mehr Freizeitsportler aktiv auf den vielfältigen Spielfeldern. Sie kommen sich auf Fußball-, Tennis-, Golf- oder anderen Sportanlagen, vor allen Dingen auch auf den Skipisten, ins Gehege.

Dass es dann in zunehmendem Maße zu Kollisionen und daraus resultierenden erheblichen Verletzungen kommt, ist nicht verwunderlich. Der gut gemeinte Abschiedsspruch für den Skiurlauber Hals- und Beinbruch kann schnell schmerzhafte Wirklichkeit werden. Selbst eine Tennispartnerschaft kann empfindlich gestört werden, wenn nach Spielschluss der aus Jux ins Feld geschlagene Ball den anderen am Auge trifft.

Das Nachspiel vor Gericht bildet dann häufig den Abschluss dessen, was eigentlich erholsamer Ausgleich und Spaß werden sollte. Derartige Gefechte vor Gericht sind in der Regel für die Beteiligten unerfreulich. Denn die Rechtslage ist häufig kompliziert und die Beweislage schwierig. Der Ausgang von solchen Prozessen ist deshalb nur schwer voraussehbar.

Dieser Beitrag soll Ihnen hauptsächlich aufzeigen, was beim Freizeitsport passieren kann und wie die Gerichte Sportunfälle beurteilt haben. Außerdem soll er die Freizeitsportler unter den Lesern anregen, sich zukünftig beim Sport problembewusster und umsichtiger zu verhalten.

Aus der Vielzahl von Urteilen, die Sportunfälle betreffen, wurden diejenigen ausgewählt, die die Haftung der Sportler untereinander und – wegen der Häufigkeit von Schadensfällen – die Tierhalterhaftung beim Pferdesport betreffen.

1. Grundsätzliches zur Haftung bei Sportunfällen

1.1 Wo die Haftung gesetzlich geregelt ist

Das deutsche Recht kennt keine speziellen gesetzlichen Bestimmungen, die auf die Sporthaftung zugeschnitten sind. Deshalb werden Schadensersatzansprüche hauptsächlich über die gesetzlichen Vorschriften der sogenannten unerlaubten Handlungen der §§ 823 ff. BGB abgewickelt.

Danach kommt ein Schadensersatz infolge eines Sportunfalls dann in Betracht, wenn rechtswidrig und schuldhaft eines der in § 823 Abs. 1 BGB genannten Rechtsgüter (Leben, Körper, Gesundheit, Eigentum) oder ein Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB (z.B. eine Strafnorm) verletzt worden ist.

1.2 Der Schädiger haftet nicht für alle Schäden

Wer andere schädigt, haftet nur für die Schäden, die durch seine Verletzungshandlung kausal hervorgerufen wurden. Das heißt, dass zwischen dem schädigenden Ereignis und dem eingetretenen Schaden ein ursächlicher Zusammenhang bestehen muss. Hierbei werden als ursächlich nur solche Verletzungshandlungen angesehen, die nach der Lebenserfahrung im Allgemeinen geeignet sind, die Verletzung des betreffenden Rechtsgutes herbeizuführen.

Beispiel:

Sie werden in Ihrem Skiurlaub von einem Pistenrowdy umgefahren und ziehen sich dabei einen schweren Beinbruch zu. Beim Abtransport fallen Sie von der Trage und verletzen sich am Kopf. Der Pistenrowdy haftet nur für die Schäden, die den Beinbruch betreffen. Für die Kopfverletzung war seine Pistenraserei nicht kausal im genannten Sinne.

1.3 Wann auch ohne Verschulden gehaftet werden kann

Sportunfälle sind aber auch denkbar in Fällen, in denen dem Verursacher kein Schuldvorwurf gemacht werden kann, obwohl erhebliche Verletzungen bei unbeteiligten Dritten entstehen, wie zum Beispiel beim Reit-, Auto-, Motorrad- oder Luftsport. Für diese Fälle sieht das Gesetz verschuldensunabhängig die sogenannte Gefährdungshaftung vor.

Ein typisches Beispiel dafür ist die Tierhalterhaftung des § 833 BGB. Bei der Tierhalterhaftung geht man davon aus, dass durch die Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens Gefahren entstehen können. Daraus resultierende Verletzungen Dritter müssen durch den verantwortlichen Tierhalter ersetzt werden, ohne dass diesen ein Verschulden treffen muss.

Handelt es sich allerdings um Haustiere oder Nutztiere (zum Beispiel Zuchthengste oder Pferde, die vermietet werden), so sieht das Gesetz die Möglichkeit vor, dass der Tierhalter die gesetzliche Schuldvermutung widerlegt. Er muss dann beweisen, dass er bei der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beachtet hat (vgl. dazu im Einzelnen die Rechtsprechung zum Reit- und Pferdesport).

1.4 Unter Sportlern üblich: Haftungsausschlüsse

Schadensersatzansprüche des Verletzten können ausgeschlossen werden durch Haftungsausschlüsse.

Ausdrückliche Haftungsausschlüsse

Teilnehmer von Auto- und Motorradrennen, Bob- und Schlittenwettbewerben geben üblicherweise vor ihrer Beteiligung schriftliche Erklärungen ab, im Falle von Unfällen mit Personen- oder Sachschäden untereinander keine Schadensersatzansprüche zu stellen.

Derartige ausdrücklich vereinbarte Haftungsausschlüsse sind grundsätzlich wirksam, soweit sie nicht sittenwidrig sind oder gegen den gesetzlichen Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) verstoßen.

Solche Haftungsausschlüsse werden allerdings im Zweifel dahin gehend ausgelegt, dass die Haftung nicht ausgeschlossen ist, soweit ein vorhandener Versicherungsschutz dem verletzten Sportler zugutekommen soll.

Stillschweigende Haftungsausschlüsse

Von einem stillschweigenden Haftungsausschluss bzw. vom Handeln auf eigene Gefahr spricht man dann, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Sportteilnehmer sich bewusst einer Gefahr aussetzt und hierbei verletzt wird.

Beispiel:

Ein geübter Reiter will dem Tierhalter seine bessere Reitkunst beweisen und wird dabei vom Pferd geworfen. Hier entfällt eine Haftung des Tierhalters, wenn er vorwiegend im eigenen Interesse und in Kenntnis der besonderen Tiergefahr handelt (vgl. BGH, Urteil vom 13.11.1973, NJW 1974 S. 234).

1.5 Wenn den Geschädigten ein Mitverschulden trifft

Der Schadensersatzanspruch des Verletzten kann gemindert werden, wenn ihn ein Mitverschulden trifft.

Beispiel:

Es kommt zu einem Skiunfall, weil sowohl der Schädiger sich nicht an die Spielregeln (hier: Skiregeln) hält, wie auch die Fahrweise des Geschädigten nicht den Spielregeln entsprach. Dann wird je nach Verschuldensanteil des Geschädigten sein Schadensersatzanspruch gegen den Schädiger nach § 254 BGB gemindert.

2. Warum die Gerichte zwischen Parallel-Sport und Wettkampf-Sport unterscheiden

Unter haftungsrechtlichen Gesichtspunkten lassen sich die Sportarten unterscheiden in

  • die neben- und miteinander betriebenen Parallel-Sportarten (zum Beispiel Eislauf, Golf, Skifahren usw.) und

  • die gegeneinander betriebenen Wettkampf-Sportarten (zum Beispiel Basketball, Federball, Fußball usw.).

Würde man diese beiden Sportartgruppen haftungsrechtlich gleich behandeln, so wären die Konsequenzen unbefriedigend.

Beispiel:

Verletzt durch seine unachtsame und rasante Pistenfahrt ein Skifahrer andere Skiläufer, so handelt er im Sinne des § 823 BGB allein dadurch schon rechtswidrig, dass er durch sein schuldhaftes (vorsätzliches oder fahrlässiges) Verhalten einen Schaden verursacht hat.

Würde man dieselbe Schlussfolgerung auch für kämpferische Sportarten (wie z.B. Fußball, Handball, Basketball usw.) ziehen, würde man deren Kampfcharakter ignorieren. Praktisch wären dann solche Sportarten wohl kaum noch durchführbar. Denn nahezu jedes Fußballspiel würde dann aufgrund der spielbedingten Verletzungen eine Fülle von Haftungsstreitigkeiten nach sich ziehen.

2.1 Parallel-Sport

Beim Parallel-Sport bzw. Sport nebeneinander kommt es dem Einzelnen im Wesentlichen darauf an, sich selbst sportlich zu betätigen. Berührungen mit anderen Personen sind bei dieser Sportausübung (z.B. beim Skilauf, Schlittschuhlauf, Schwimmen, bei Leichtathletik, Golf usw.) weder notwendig noch erwünscht.

Kommt es bei diesen Sportarten zu einem Unfall, liegt ein Verschulden des Unfallverursachers dann vor, wenn er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat.

Anhaltspunkte dafür, was verkehrserforderlich ist, befinden sich in vielen Regelwerken der Sportverbände (z.B. die FIS-Verhaltensregeln für den Skiläufer, die allgemeinen Leichtathletik-Bestimmungen oder die Regeln des Royal and Ancient Club of St. Andrews für Golfspieler).

Auch wenn diese Regeln allenfalls für Verbandsangehörige verbindlich sind, stellen sie doch Kriterien zur Verfügung, nach denen sich im Schadensfall beurteilen lässt, ob eine Verletzung auf einem pflichtwidrigen Verhalten eines anderen Sportlers beruhte.

Bevor Sie sich beispielsweise ins Getümmel des Alpinski begeben, sollten Sie sich (das gilt besonders für mutige Anfänger) mit den FIS-Regeln vertraut machen. Unabhängig von Ihrem Fahrvermögen werden Sie sich dann dort etwas sicherer fühlen.

Verursacht jemand bei Parallel-Sportarten unvorsichtigerweise einen Unfall, so ist bereits aufgrund des Schadenseintritts die Rechtswidrigkeit indiziert.

Anders verhält es sich allerdings bei Sportarten, die zwar auch parallel ausgeführt werden, jedoch als besonders gefährlich gelten. Hier wird von der Rechtsprechung teilweise eine sogenannte rechtfertigende Einwilligung des Verletzten angenommen.

Beispiel:

Wer sich beispielsweise an einer waghalsigen Felskletterei beteiligt, gibt bereits durch seine Beteiligung daran seine Einwilligung in dabei später erlittene Verletzungen. Oder es wird ein Haftungsausschluss bejaht (vgl. das Urteil des OLG Celle Motorsport ).

2.2 Wettkampf-Sport

Bei den kampforientierten Sportarten, bei denen es im Wesentlichen darum geht, den Gegner zu schlagen bzw. dessen Widerstand zu überwinden, sind Verletzungen zwar nicht gewollt, gleichwohl aber häufig die Folge.

Dies gilt besonders für Sportarten, bei denen körperliche Kontakte angestrebt werden (z.B. Boxen, Ringen, Judo, Fechten usw.).

Dasselbe gilt auch für Sportarten, bei denen körperliche Kontakte zwar nicht angestrebt werden, jedoch praktisch unausweichlich sind (wie z.B. beim Fußball, Handball, Basketball, Squash, Hockey usw.).

Oder es handelt sich um Sportarten, bei denen normalerweise kein körperlicher Kontakt stattfindet, Unfälle jedoch durch hin- und hergeschlagene Bälle (z.B. Volleyball, Faustball, Tennis, Federball usw.) entstehen können.

Bei all diesen kampforientierten Sportarten setzen sich die Beteiligten mehr oder weniger bewusst einem gewissen Verletzungsrisiko aus, vor allem wenn es sich noch um untrainierte Freizeitsportler handelt. Deshalb haftet ein Sportler, der beispielsweise beim Fußballspiel einen anderen verletzt hat, erst dann, wenn er eine grobe (grob fahrlässige) und vor allem vorsätzliche Regelwidrigkeit begangen hat.

Bei den Verhaltensanforderungen für die jeweilige Sportart kommt besonders den Verbands- und Spielregeln eine gewisse Bedeutung zu.

Beispiel:

So hat der Bundesgerichtshof die Fußballregeln des Deutschen Fußballbundes als wichtige Beurteilungshilfe angesehen, was noch als spielordnungsgemäßes Verhalten anzusehen ist und wo nach dem Willen der Spieler die Grenze des Erlaubten überschritten wird (BGH, Urteil vom 5.11.1974, VI ZR 100/73, NJW 1975 S. 109).

Beachten Sie, dass die Verbandsregeln nur für die jeweiligen Verbandsangehörigen verbindlich sind. Wenn Sie in Ihrer Freizeit mit Bekannten regelmäßig Fußball spielen, können Sie sich eventuelle Haftungsprobleme dadurch erleichtern, dass Sie sich vor Spielbeginn gemeinsam darauf einigen, dass für Ihr Bolzen die Verbandsregeln des Deutschen Fußballbundes gelten sollen. Dann ist aber auch notwendig, dass Sie diese Regeln kennen! (Vgl. dazu Fußball –Was gilt beim Bolzen oder beim Training einer Stammtisch-Fußballmannschaft?)

3. Welche Schäden bekommen Sie im Schadensfall ersetzt?

Grundsätzlich sind alle Schäden zu ersetzen, die dem bei einem Sportunfall Verletzten entstanden sind. Hierzu zählen insbesondere:

  • Personenschäden (Arzt- und Krankenhauskosten, Berufsschäden wie zum Beispiel wegen Invalidität, Hinterbliebenenversorgung u.a.),

  • Sachschäden (z.B. beschädigte Kleidungsstücke)

  • Schmerzensgeld.

4. Wie können Sie sich versichern?

4.1 Die Haftpflichtversicherung, wenn Sie der Schädiger sind

Es kann ausgesprochen teuer werden, wenn Sie jemanden beim Sport verletzen. Eine private Haftpflichtversicherung, die auch grundsätzlich Schadensersatz aus Sportunfällen übernimmt, kann Sie hierbei vor einem finanziellen Ruin schützen.

Klären Sie in jedem Fall anhand Ihres Versicherungsvertrages, notfalls direkt mit Ihrem Versicherer, ob Schäden, die in der von Ihnen betriebenen Sportart auftreten können, tatsächlich abgedeckt sind.

Falls Sie noch nicht versichert sind, sollten Sie die Unterschiede bei den Versicherern, die gerade auch den Einschluss von bestimmten Sportrisiken (zum Beispiel Wassersport, insbesondere Surfen) betreffen, beachten.

Beachten Sie mögliche Haftungsausschlüsse

Nach § 4 Abs. 1 Ziff. 4 AHB sind Haftpflichtansprüche aus Schäden infolge der Teilnahme an Pferde-, Rad- oder Kraftfahrzeug-Rennen, Box- oder Ringkämpfen sowie den Vorbereitungen hierzu (Training) ausgeschlossen.

Auch die mit einem besonderen Risiko verbundenen Sportarten sind in der privaten Haftpflichtversicherung nicht gedeckt. Dies gilt zum Beispiel für Fallschirmspringen, Drachenfliegen usw.

Besondere Haftpflichtversicherungen werden allerdings angeboten, zum Beispiel in Form einer Skiversicherung oder einer Wassersport-Versicherung.

Da eine Privathaftpflichtversicherung den Versicherten nur in seiner Eigenschaft als Privatperson schützt, sind Schäden, die ein Profisportler verursacht, nicht versichert.

Was für Pferdehalter gilt

Für Pferdehalter empfiehlt sich unbedingt der Abschluss einer Tierhalter-Haftpflichtversicherung. Die zum Thema Reit- und Pferdesport aufgeführten Urteile machen dies deutlich.

Sind Sie über Ihren Sportverein versichert?

Die Landes-Sportverbände haben für ihre Mitglieder spezielle Sportversicherungsverträge abgeschlossen. Mitglieder von Sportvereinen sind deshalb gut beraten, sich über die versicherten Risiken im Einzelnen bei ihren Vereinsvorständen zu erkundigen. Derartige Versicherungen gehen zwar über den üblichen Versicherungsumfang privater Versicherungen hinaus. Sie ersetzen jedoch keine private Haftpflichtversicherung, da nur diese für Schadensersatzansprüche von Vereinsmitgliedern untereinander aufkommt.

4.2 Wie können Sie Ihr finanzielles Risiko als potenzieller Verletzter mindern?

Nach einem Sportunfall übernimmt zunächst die gesetzliche oder private Krankenkasse unabhängig von der Haftungsfrage die Kosten einer notwendigen Heilbehandlung. Die Krankenkasse wird aber dann Ersatz der Kosten vom Schädiger verlangen, wenn dieser haftet.

Gefährden Sie Ihren Krankenversicherungsschutz nicht dadurch, dass Sie voreilig mit dem Schädiger einen Vergleich schließen und Ärger mit Ihrer Krankenversicherung bekommen! Vielmehr sollten Sie den Streit um die Heilbehandlungskosten Ihrer Krankenversicherung überlassen.

Wenn auch zunächst beruhigend ist, dass die Krankenkassen bei Sportunfällen einspringen, so sind hierdurch jedoch nicht die Schäden gedeckt, die über die Heilbehandlung hinausgehen. Diese lassen sich oft nicht auf den Schädiger abwälzen, weil ihm im konkreten Fall ein Verschulden nicht nachgewiesen werden kann.

Wollen Sie sich auch gegen derartige Risiken versichern, informieren Sie sich am besten eingehend über den Schutz durch

  • eine private Unfallversicherung

  • eine Berufsunfähigkeitsversicherung

  • eine Rechtsschutzversicherung.

Wägen Sie jedoch sorgfältig Ihre Verletzungsrisiken und die Kosten einer solchen Versicherung gegeneinander ab, bevor Sie sich auf einen Versicherungsabschluss einlassen!

5. Übersicht: Interessante Urteile zu Sportunfällen

Die nachfolgend aufgeführten Gerichtsurteile sind entsprechend der unterschiedlichen Haftungsanforderungen nach Parallel-Sport und Wettkampf-Sport aufgeteilt. Die sich aus den genannten Entscheidungen ergebenden Grundsätze lassen sich auf andere Sportarten übertragen, soweit sie nicht in der Übersicht aufgeführt sind.

5.1 Parallel-Sport

Eislauf
  • Jeder Schlittschuhläufer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer gefährdet, geschädigt oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert oder beschädigt wird. Ein Schlittschuhläufer, der diesen Grundsätzen widerspricht, macht sich schadensersatzpflichtig. Deshalb haftet der Läufer, der einen anderen mit zu geringem Abstand überholt und dadurch zu Fall bringt.

    Allerdings spricht der Umstand, dass jemand einen anderen beim Schlittschuhlaufen überholt, nicht nach den Grundsätzen des Beweises des ersten Anscheins für ein Verschulden des überholenden Schlittschuhläufers. Denn es sind durchaus Fallgestaltungen möglich, nach denen vorausfahrende Schlittschuhläufer plötzlich erheblich von der Laufrichtung abweichen, ohne sich zuvor nach hinten orientiert zu haben. Deshalb trifft den Geschädigten die volle Beweislast.
    BGH, Urteil vom 13.7.1982, NJW 1982 S. 2555

  • Der von einem Eisläufer beim Überholen eingehaltene Abstand von nur einem Meter ist im Hinblick auf die dem Eislauf typischen Pendelbewegungen zu gering.
    BGH, Beschluss vom 11.6.1981, VersR 1981 S. 853

  • An die Sorgfaltspflicht eines Eisläufers sind nicht die gleichen Anforderungen zu stellen wie an die eines Teilnehmers am öffentlichen Straßenverkehr. So ist es weder Missbrauch noch Unsitte gewisser Eisläufer, rückwärtszulaufen, sondern das Rückwärtslaufen mache einen wesentlichen Teil der Schönheit des Eislaufens und der Freude des Menschen daran aus. Vergewissert sich ein rückwärtslaufender Eisläufer ab und zu durch Kopfdrehen, ob seine Fahrbahn frei ist, so handelt er deshalb nicht fahrlässig.
    AG Mannheim, Urteil vom 4.12.1951, VersR 1952 S. 440

Golf
  • Ein Golfspieler, der grundsätzlich seinen Ball nur spielen darf, wenn er sicher sein kann, dass er andere nicht gefährdet, muss mit der Gefahr einer irregulären Flugbahn insbesondere dann rechnen, wenn der Ball in einem Rough liegt und er selbst noch Anfänger ist.
    OLG Nürnberg, Urteil vom 12.7.1990, 2 U 816/90, NJW-RR 1990 S. 1503

    Mitspieler, die sich noch nicht hinter seiner Abschlagslinie befinden, muss er vor dem Spielen des Balls warnen.

  • Das Landgericht Lübeck hat das Verschulden eines Golfspielers bejaht, dessen verzogener Ball einen Helfer auf der Nebenbahn verletzte. Er habe es nämlich versäumt, den Warnruf Fore abzugeben. Allerdings wurde auch ein Mitverschulden des Helfers angenommen, der die Gefährlichkeit eines abirrenden Balles kannte.
    LG Lübeck, Urteil vom 15.8.1962, 2 O 109/61 (n. v.)

  • Bei einem Rechtsstreit vor dem Landgericht Mannheim im Jahr 1989, der von den Parteien durch Abschluss eines Vergleichs beendet worden war, ging es darum, dass ein Einzelspieler unbemerkt eine Gruppe von Golfern überholt hatte. Als nun einer der Spieler den Ball ins Rough schoss, also den Bereich mit hohem Gras und Büschen zwischen den Fairways (Spielbahnen), befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade dort der überholende Spieler. Er wurde von dem Ball so unglücklich getroffen, dass er auf einem Auge erblindete.

    Das Gericht vertrat hierzu grundsätzlich die Auffassung, dass der Schädiger den hier notwendigen Warnruf Fore versäumt hatte und deshalb für den gesamten Schaden hätte aufkommen müssen.
    vgl. Alfred Storch, Rechtliche Behandlung von Sportverletzungen beim Golfspiel, VersR 1989 S. 1131

Minigolf
  • Beim Minigolf darf der Spieler den Ball nur spielen, wenn er im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Kontrolle des Schlages sicher sein kann, andere nicht zu gefährden. Er muss sich vor dem Abschlag vergewissern, dass sich niemand zu nah aufhält und durch den Schläger oder den Ball getroffen werden kann.

    Wenn ein 11-jähriges Kind aus Spieleifer und Überaktivität, wie sie Kindern dieses Alters noch eigen sind, beim Minigolf heftiger mit dem Schläger nach dem Ball schlägt, als es seine altersentsprechende Beherrschung des Bewegungsablaufs zulässt, und von der Wucht des Schlages mitgerissen einen Mitspieler verletzt, so haftet es nicht. Denn hier liegt subjektiv kein fahrlässiges Verhalten vor.
    OLG Düsseldorf, Urteil vom 3.4.1998, 22 U 192/97, NJW-RR 1999 S. 608

  • Wer als Anfänger mit dem Minigolfschläger einen Bogenschlag ausführt, muss sich zuvor vergewissern, dass er hierdurch keine anderen Personen verletzt. Auch beim Minigolf gibt es Bahnen, bei denen ein Schlag mit Wucht ausgeführt werden muss. Dann aber ist besondere Vorsicht geboten. Dies gilt aber nicht nur für den Schläger, sondern auch für andere Personen, die sich in der Nähe aufhalten und sich trotz der erkennbaren Gefahrenlage nicht außerhalb der Schlägerreichweite begeben.
    OLG München, Urteil vom 30.4.1987, ZfS 1987 S. 194

Motorsport
  • Bei Sportunfällen ist die Haftung der am Unfall beteiligten Sportler auch bei fahrlässigem Verhalten ausgeschlossen, wenn es sich um einen gefährlichen Sport handelt, die Beteiligten sich zur gemeinsamen sportlichen Betätigung verabreden, jeder in gleicher Weise fahrlässig handelt sowie die Gefahrensituation verursacht und der in Anspruch Genommene nicht den Schutz einer Haftpflichtversicherung genießt.

    In dem vorliegenden Fall waren zwei Gelände-Motorradfahrer beim Ein- bzw. Ausfahren aus einer Sandgrube kollidiert. Bei dieser Art von Sportunfällen hat das OLG Celle eine Haftungsfreistellung angenommen. Es sei ein Verstoß gegen den Grundsatz von Treu und Glauben, wenn der jeweils Verletzte versucht, seinen Schaden auf den anderen abzuwälzen, der genauso gut ihn hätte treffen können.
    OLG Celle, Urteil vom 2.4.1980, VersR 1980 S. 874

  • Die formularmäßig vereinbarte Haftungsbeschränkung, durch die ein Hobby-Rennfahrer auf Schadensersatzansprüche gegen andere Rennteilnehmer verzichtet, soweit sie nicht auf vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Schadensverursachung beruht, ist wirksam.

    Zieht der vorausfahrende Rennwagen (hier: Oldtimer-Rennen) eingangs einer Rechtskurve von links außen nach rechts innen (Ideallinie), und orientiert er sich dabei nicht hinreichend über den rückwärtigen Verkehr, so ist allenfalls der Vorwurf einfacher Fahrlässigkeit begründet, wenn es sich um ein die Qualifikation für das Hauptrennen entscheidendes Zeittraining mit hohen Geschwindigkeiten und schwierigen äußeren Bedingungen handelt. Die Vorschriften des ONS-Reglements für Rundstreckenrennen ändern daran nichts.
    OLG Hamm, Urteil vom 2.10.1997, 6 U 147/96, NJWE-VHR 1998 S. 202

  • Die von einem Automobilklub veranstaltete Zuverlässigkeitsfahrt gilt nicht als gefährliche Sportart. Denn bei derartigen Veranstaltungen wird entsprechend den Veranstaltungsbedingungen besonderer Wert auf die Verkehrssicherheit gelegt. Verursacht ein Fahrer dabei fahrlässig einen Unfall, bei dem sein Beifahrer verletzt wird, haftet er in vollem Umfang.
    BGH, Urteil vom 5.3.1963, NJW 1963 S. 1099

Radsport
  • Das OLG Celle hat den Schadensersatz- und Schmerzensgeldanspruch eines Radrennfahrers bejaht, der von dem vorausfahrenden Radrennfahrer, den er überholen wollte, zu Fall gebracht worden war. Der vorausfahrende Radfahrer war sogenannte Wellen gefahren, indem er jeweils sein Rad um einige Meter nach rechts hinüberzog. Mit der dritten Welle hatte er den Geschädigten zu Fall gebracht, der mit seinem Vorderrad bereits in Höhe des Tretlagers des Rades des Schädigers war. Das OLG Celle sah in diesem Verhalten einen groben Regelverstoß.
    OLG Celle, Urteil vom 7.11.1984, 9 U 17/84 (n. v.)

  • Ein besonderes Gefährdungsrisiko hat das LG Heilbronn für die Teilnahme an einer Radfernfahrt bejaht. Hierbei fahren die Teilnehmer nämlich über größere Strecken im Pulk, fahren also dicht neben- und hintereinander. Plötzliche, auch ruckhaft ausgeführte Positionswechsel seien beim Fahren sportlicher Radfahrer im Pulk nichts Außergewöhnliches, sondern die Regel.

    Bringt jemand einen anderen durch eine, wenn auch leicht fahrlässig ausgeführte, Ausweichbewegung zu Fall, so liegt dieses Verhalten noch innerhalb der durch die gemeinsame Selbstgefährdung gezogenen Grenzen und führt deshalb nicht zur Haftung.
    LG Heilbronn, Urteil vom 4.9.1989, VersR 1990 S. 1286

Reit- und Pferdesport

Entsprechend der Natur der Sache betreffen die hierzu ergangenen Entscheidungen vor allem die Tierhalterhaftung des § 833 BGB. Denn häufiger sind die Schäden, die durch die Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens entstehen und die typischerweise von der Tierhalterhaftung des § 833 BGB erfasst werden sollen.

Seltener sind die Fälle, dass ein Pferd dem Willen seines Lenkers gehorcht, ein Schaden auf einen Reitfehler zurückzuführen ist und der Reiter dann nach § 823 BGB haftet.

Zur Haltereigenschaft des § 833 BGB
  • Derjenige, der sein Tier – auch längerfristig – einem anderen in Verwahrung gibt, behält seine Tierhaltereigenschaft und haftet für die durch das Tier verursachten Schäden.
    BGH, Urteil vom 14.7.1977, NJW 1977 S. 2158

  • Die Haftung des Tierhalters bleibt selbst dann bestehen, wenn er sein Pferd bei einem Dritten untergestellt hat, dieser das Pferd eigenmächtig zu einer Reitstunde einsetzt und jemand durch das Tier verletzt wird.

    Der BGH geht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass die Tierhaltereigenschaft auch bei länger dauernder Überlassung des Tieres an einen Dritten erhalten bleibt, wenn der Tierhalter weiterhin für die Kosten der Tierhaltung aufkommt, den allgemeinen Wert und Nutzen des Tieres für sich in Anspruch nimmt und das Risiko seines Verlustes trägt.
    BGH, Urteil vom 19.1.1988, NJW-RR 1988 S. 655

Verletzung des Reiters und Tierhalterhaftung
  • Eine spezifische Tiergefahr kann für einen Reitunfall auch dann ursächlich geworden sein, wenn der Unfall nicht unmittelbar durch das tierische Verhalten, sondern dadurch herbeigeführt worden ist, dass der Reiter aufgrund einer durch das tierische Verhalten hervorgerufenen und anhaltenden Verunsicherung vom Pferd fällt.

    Das Pferd war plötzlich ausgebrochen, losgaloppiert und sodann in einer Hallenecke abrupt stehen geblieben. Die minderjährige Reitschülerin hatte versucht, das Pferd durch Schenkeldruck und das Anziehen der Zügel unter Kontrolle zu bringen, was ihr aber nicht gelang. Durch das plötzliche Stehenbleiben aus dem Galopp heraus stürzte die Reiterin auf den Boden der Reithalle und zog sich dabei eine Fraktur des fünften Lendenwirbels mit der konkreten Gefahr einer Querschnittslähmung zu.
    BGH, Urteil vom 6.7.1999, VI ZR 170-98, NJW 1999 S. 3119

  • Zu den Aufsichts- und Organisationspflichten des Veranstalters und des Lehrers beim Voltigierunterricht gehört es, Kinder, die gerade nicht am Voltigierpferd üben, gesondert beaufsichtigen zu lassen, damit sie sich nicht unbemerkt entfernen und den Gefahren des allgemeinen Reitbetriebs aussetzen können.

    Im vorliegenden Fall hatte sich ein 7-jähriger Junge aus der Voltigiergruppe entfernt und war von einem Pferd verletzt worden.
    OLG Celle, Urteil vom 8.2.1995, 20 U 55/94, r + s 1997 S. 17

  • Ein Pferdehalter, der ein knapp 13-jähriges Kind zum Reiten auf einem schwer zu beherrschenden Pferd veranlasst, setzt sich dem Vorwurf der Fahrlässigkeit aus.

    So hat das OLG Karlsruhe eine Pferdehalterin zu Schadensersatz und Schmerzensgeld verurteilt, da diese eine 13-jährige Reiterin durch Zureden bewogen hatte, das Pferd, von dem sie wusste, dass es sich um ein äußerst schwieriges Pferd handelte, ohne Longenhilfe zu reiten.

    Das Mädchen wurde vom Pferd geschleudert, prallte auf das Betonpflaster und zog sich dabei einen Oberschenkelhalsbruch zu.
    OLG Karlsruhe, Urteil vom 20.9.1990, VersR 1991 S. 1261

  • Beruht ein Reiterunfall darauf, dass ein Pferd infolge einer Verletzung oder übermäßiger Belastung niederstürzt, kommt eine Tierhalterhaftung nicht in Betracht.

    So war im entschiedenen Fall beim Turnierspringen das Pferd bei einem Steilsprung gestürzt, vollführte während des Sturzes einen Kopfstand und fiel sodann auf die am Boden liegende 12-jährige Reiterin, die dadurch eine Querschnittslähmung erlitt.
    OLG Braunschweig, Urteil vom 20.11.1981, VersR 1983 S. 347

  • Der Schadensersatzanspruch des geschädigten Reiters kann gemindert werden, wenn ihn ein Mitverschulden trifft.

    So hat das OLG Düsseldorf ein 50 %iges Mitverschulden der 14-jährigen Reiterin angenommen, die bei einem Ausritt vom Pferd gefallen war und sich erhebliche Kopfverletzungen zugezogen hatte. Dem Mädchen wurde insofern vorgeworfen, keine Schutzkappe getragen zu haben. Denn normalerweise könnten solche Verletzungen beim Sturz von einem Pferd vermieden werden, wenn der Reiter eine gut sitzende Schutzkappe trägt.
    OLG Düsseldorf, Urteil vom 16.11.1982, VersR 1983 S. 1039

  • Wer sich ohne sozialen Zwang einer Tiergefahr aussetzt, kann sich auf die Gefährdungshaftung eines Tierhalters nicht berufen.

    Diese Auffassung vertrat das OLG Frankfurt in einem Fall, bei dem eine Reiterin sich anderen Reitern zum gemeinsamen Ausritt angeschlossen hatte. Während des Ausreitens schlug das vorausreitende Pferd nach hinten aus und zertrümmerte den Unterschenkelknochen der Reiterin. Das OLG Frankfurt verneinte hier einen Schadensersatzanspruch, da die Reiterin, die an einer solchen Veranstaltung teilnähme, mit entsprechenden Schädigungen rechnen müsse und somit auf eigene Gefahr handele.
    OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 9.3.1976, VersR 1976 S. 1138

Schädigung unbeteiligter Dritter

  • Voraussetzung der Tierhalterhaftung ist, dass der Schaden durch ein willkürliches selbstständiges Verhalten des Tieres herbeigeführt worden ist (z.B. wenn es beißt, schlägt, hochgeht oder Seitensprünge macht). Handelt das Pferd aber entsprechend der Leitung des Reiters und begeht dieser einen Reit- oder sonstigen Verhaltensfehler, so kommt die Tierhalterhaftung nicht in Betracht. Im entschiedenen Fall war eine Radfahrerin bei dem Überholversuch eines von einem Minderjährigen gerittenen Ponys zu Fall gekommen.
    OLG Düsseldorf, Urteil vom 26.8.1969, VersR 1970 S. 331

  • Wer ein erkennbar eigenwilliges Verhalten eines Pferdes auf einer Reitbahn als Zuschauer von einer besonders gefährdeten Stelle aus verfolgt, setzt sich im Falle einer Schädigung dem Vorwurf des Mitverschuldens aus.

    Im vorliegenden Fall war ein Pferd, vom Reiter nicht mehr kontrollierbar, über ein Hindernis gesprungen. Die dadurch weggeschleuderte Hindernisstange traf einen Zuschauer am Bein und führte zu erheblichen Verletzungen. Dem unvorsichtigen Zuschauer, der sich lediglich 2 1/2 m hinter dem Hindernis aufgehalten hatte, billigte der BGH zwar einen Schadensersatz aus Tierhalterhaftung zu, kürzte ihn aber um 1/3 aus dem Gesichtspunkt des Mitverschuldens.
    BGH, Urteil vom 12.7.1966, VersR 1966 S. 1073

Segeln
  • Die Rechtsprechung zur Haftungsfreistellung bei Kampfsportarten ist auf eine Kollision während eines Segelwettkampfs (hier: OK-Jollen-Fanglistenregatta) nicht anwendbar. Auch wenn zwischen den Teilnehmern einer Segelregatta ein echter Wettkampf vorliegt, sei ein Vergleich mit anderen Kampfsportarten, bei denen Sportregeln körperlichen Kontakt mit dem Gegner bzw. dessen Sportgerät zulassen (z.B. Fußball, Handball oder Fechten), nicht zulässig.

    Führt deshalb ein Fahrfehler zu einer Kollision und zu einem Schaden, so haftet derjenige, der den Schaden fahrlässig verursacht hat, in vollem Umfang.
    OLG Hamm, Urteil vom 16.1.1990, NJW-RR 1990 S. 925

  • Ein Segelboot ist wegen seiner Abhängigkeit von den Windverhältnissen schwerer zu manövrieren als ein durch mechanische Kraft angetriebenes Wasserfahrzeug. Deshalb muss ein Segler von vornherein darauf bedacht sein, seinen Kurs so einzurichten, dass ein Zusammenstoß mit anderen Wasserfahrzeugen auch dann nicht möglich ist, wenn diese entgegen seiner Erwartung ihren Kurs nicht ändern.

    So verurteilte das Kammergericht Berlin einen Segler zum Schadensersatz, der ein Ruderboot (Riemenzweier ohne Steuermann) gerammt und zum Sinken gebracht hatte. Allerdings hat das Kammergericht Berlin ein 50-prozentiges Mitverschulden der Ruderer angenommen, die es versäumt hätten, sich entsprechend den Gegebenheiten umzuschauen und zu orientieren, ob in ihrer Fahrtrichtung Hindernisse aufgetaucht wären.
    Kammergericht Berlin, Urteil vom 22.5.1969, VersR 1969 S. 1018

  • Wer als Segelbootfahrer die Wetterlage und weitere schwierige Umstände falsch einschätzt und ein schwieriges Segelmanöver ausführt, das unter diesen Bedingungen nicht hätte ausgeführt werden dürfen, haftet für den daraus resultierenden Schaden. In dem entschiedenen Fall führte das Verhalten zur Kollision mit einem anderen Boot, wobei ein Insasse ertrank.
    Kammergericht Berlin, Urteil vom 5.6.1955, 12 U 2268/54 (n. v.)

Skisport
  • Gerade Skilaufanfänger, die rasche Richtungsänderungen noch nicht mit der im Ernstfall gebotenen Exaktheit des Schwungs beherrschen, müssen ihre Fahrweise den konkreten Pistenverhältnissen anpassen und deshalb Vereisungen besonders Rechnung tragen.

    Die FIS-Regeln über das Traversieren von Skipisten gelten dann nicht, wenn die Piste für alle Skiläufer dadurch erkennbar endet, dass der Skilift angefahren oder die Piste verlassen werden muss; denn in dieser Situation ist es für alle Skiläufer denknotwendig, dass Querungen zum Skilift auf der gesamten Breite der Piste vorkommen müssen.

    Im vorliegenden Fall war eine Skifahrerin am Ende einer vereisten Piste auf dem Weg zum Skilift von einem Skifahrer angefahren worden, der in Schussfahrt daherkam und wegen der Vereisung nicht mehr bremsen bzw. ausweichen konnte.
    LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 25.10.1994, 13 S 1729/94, NJW-RR 1995 S. 1307

  • Der Skifahrer hat sich auf befahrenen Abfahrten grundsätzlich so zu verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt. Jeder Skifahrer – sofern anderenfalls die Möglichkeit der Verletzung Dritter besteht – darf nur kontrolliert fahren, das heißt, er muss die Geschwindigkeit seinem Können, den Schwierigkeiten des Geländes, der Schneebeschaffenheit und dem Vorhandensein anderer Personen anpassen.

    Daraus folgt: Jeder Skifahrer muss das vor ihm liegende Gelände und darin befindliche und auftauchende Skiläufer auf deren Bewegung beobachten. Die sich daraus ergebenden möglichen Hindernisse muss er einkalkulieren und seine Geschwindigkeit danach einrichten, um rechtzeitig und richtig auf deren Annäherung in seiner Abfahrtsstrecke reagieren und gegebenenfalls ausweichen, äußerstenfalls aber noch anhalten zu können.

    Diese Grundsätze stellte der BGH anlässlich des Zusammenstoßes von zwei Skifahrern beim Abfahrtslauf auf dem Zeller Hang im Feldberggebiet auf.
    BGH, Urteil vom 11.1.1972, NJW 1972 S. 627

  • Fährt ein Gruppenleiter auf einen voranfahrenden Teilnehmer, der einen Hang in weiten Schwüngen hinunterfährt, in kürzeren Schwüngen auf, um sich wieder an die Spitze der Gruppe zu begeben, und verletzt er sich beim notwendigen Ausweichen im Tiefschnee, steht ihm kein Schadensersatzanspruch zu.

    Das OLG Koblenz sah für den vorausfahrenden Skiläufer keine Verpflichtung, sich vor jedem Schwung nach hinten zu versichern, ob ihn ein anderer in schnellerer Fahrt ankommender Skiläufer überholen wollte.
    OLG Koblenz, Urteil vom 3.1.1974, VersR 1976 S. 692

  • Ähnlich ein Urteil des OLG Nürnberg: Kollidiert ein sehr guter Skiläufer mit einem voranfahrenden Vierzehnjährigen, der den Übungshang in weiten Schwüngen abfährt, so steht dem versierten Skiläufer kein Schadensersatzanspruch zu.
    OLG Nürnberg, Urteil vom 30.5.1985, VersR 1986 S. 1219

  • Anders verhält es sich, wenn ein Skifahrer eine übersichtliche, freie Abfahrtspiste mit hoher Geschwindigkeit befährt und mit einem plötzlich auftauchenden, diese Piste querenden (traversierenden) Skiläufer zusammentrifft.

    In diesem Fall trifft den traversierenden Skifahrer das alleinige Verschulden an dem Zusammenstoß. Denn er hätte sich zuvor nach oben und unten vergewissern müssen, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.
    OLG München, Urteil vom 12.11.1980, VersR 1982 S. 198

  • Wer als Skifahrer eine Gefahrenlage schafft, hat alles ihm Mögliche zu tun, um diese wieder zu beheben. Verletzt er hierbei die erforderliche und zumutbare Sorgfalt, so haftet er für die daraus entstehenden Schäden.

    Bei einem besonders tragischen Vorfall war ein Skifahrer auf einem vereisten Steilhang gestürzt und gegen eine Skiläuferin gerutscht, die sich auf einer schmalen Traverse aufhielt und durch ihn zu Fall kam. Um nicht den vereisten Steilhang hinabzurutschen, bat die Läuferin ihn, zunächst die Bindung ihrer Skier, die mit denen des anderen verhakt waren, zu lösen.

    Der Skifahrer kam dieser Bitte jedoch nicht nach, sondern versuchte zunächst, seine eigenen Skier zu lösen. Hierdurch verlor die Skifahrerin den Halt, rutschte den vereisten Hang hinunter, prallte mit dem Nacken gegen einen Baum und verletzte sich so schwer, dass sie eine Querschnittslähmung davontrug.
    OLG Karlsruhe, Urteil vom 26.6.1975, VersR 1977 S. 869

  • Bei einem Skiunfall zwischen Deutschen in Österreich sind die Verhaltensnormen (z.B. FIS-Regeln oder die Eigenregeln des Skilaufs entsprechend den Empfehlungen des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht) nach dem Recht des Handlungsorts zu beurteilen. Die daraus abgeleiteten außervertraglichen Schadensersatzansprüche richten sich nach § 1 Abs. 1 der Rechtsanwendungsverordnung nach deutschem Recht.

    Im konkreten Fall waren zwei Läufer mit etwa gleicher Geschwindigkeit eine Abfahrt heruntergefahren und hatten sich einander im spitzen Winkel genähert. Deshalb waren sie gleichermaßen verpflichtet, als sie einander gefährlich nahe kamen, jeweils abzuschwingen.
    OLG München, Urteil vom 10.2.1976, NJW 1977 S. 502

Snowboarden
  • Die Regeln des internationalen Skiverbandes (FIS) stellen Gewohnheitsrecht dar und gelten auch für Snowboardfahrer.

    Wird ein Skifahrer durch einen Snowboardfahrer an der hinteren Körperhälfte verletzt, streitet für ihn der Beweis des ersten Anscheins, dass der Snowboardfahrer den Vorrang des vorausfahrenden Skifahrers nicht beachtet hat.

    Entsteht die Verletzung aber bei einem Zusammenprall im spitzen Winkel während eines fast abgeschlossenen Überholvorgangs, ist dieser erste Anschein erschüttert.
    OLG Brandenburg, Urteil vom 10.1.2006, 6 U 64/05, NJW 2006 S. 1458

  • Kollidiert ein Snowboardfahrer mit einem Skifahrer, ist zu dessen Lasten (60:40) im Verhältnis zum Skifahrer zu berücksichtigen, dass ein Snowboard im Vergleich zu regulären Skiern schwerer ist, dadurch wegen einer höheren Aufpralldynamik bei Kollisionen höhere Verletzungsrisiken birgt, gleichzeitig schwerer zu steuern und bei jedem zweiten Schwung (backside turn) ein toter Winkel zu berücksichtigen ist.
    LG Bonn, Urteil vom 21.3.2005, 1 O 484/04, NJW 2005 S. 1873

Tanzen
  • Auch wenn manchmal, zum Beispiel bei Schützenfesten, das Gerangel auf überfüllten Tanzflächen den Eindruck vermittelt, es handele sich hierbei um einen Kampfsport, sind die von der Rechtsprechung für Sportveranstaltungen entwickelten Grundsätze über die Inkaufnahme unvermeidbarer Risiken bei regelrechter Ausübung dieser Sportart auf Tanzveranstaltungen aus gesellschaftlichen Anlässen nicht übertragbar.

    Daraus folgt, dass Verletzungen, die bei solchen Tanzveranstaltungen durch andere Tänzer verursacht werden, nicht haftungsausschließend in Kauf genommen werden. Denn beim Paartanzen vollziehen sich Bewegungsabläufe, bei denen es in der Regel nicht zur Berührung zwischen den Paaren kommt.

    Kommt es – insbesondere bei voll besetzter Tanzfläche – zu unvermeidbaren Kollisionen, so haftet nicht automatisch nach den Grundsätzen des Anscheinsbeweises derjenige Tänzer, der dem anderen auf den Fuß getreten und hierdurch die Verletzung beigebracht hat. Vielmehr muss in einem solchen Fall der Geschädigte den konkreten Beweis dafür antreten, dass die wilde Tänzerin mit ihrem Partner wild und ausgelassen getanzt, hierbei andere Paare angerempelt und gestoßen und schließlich dem Verletzten mit spitzem Absatz auf den Fuß getreten habe.
    OLG Hamm, Urteil vom 2.5.1988, VersR 1988 S. 1295

5.2 Wettkampf-Sport

Basketball
  • Wird ein angreifender Basketballspieler von seinem Gegner so stark angesprungen, dass er zu Boden fällt und sich verletzt, so entfällt trotz der Regelwidrigkeit des Verhaltens das Verschulden des Gegners, wenn es sich um ein normales Foul handelt. Zwar sei das Basketballspiel – anders als das Fußball- oder Eishockeyspiel – kein gefährliches Kampfspiel. Denn der Kerngedanke des Basketballspiels liege im körperlosen Spiel, bei dem jede als Foul zu ahndende körperliche Berührung des Gegners grundsätzlich zu vermeiden ist.

    Gleichwohl behält es aber seinen Charakter als Kampfspiel, bei dem es beim Kampf um den Ball zu unbeabsichtigten körperlichen Berührungen kommen kann. Darum wird in der Spielpraxis ein solcher körperlicher Kontakt nicht schon stets als Foul geahndet. Wenn also ein normales Foul vorliegt, wie es beim Basketball alltäglich sei, so kann nicht jede geringfügige Verletzung einer Spielregel bereits als fahrlässiges Verhalten gewertet werden.
    BGH, Urteil vom 16.3.1976, NJW 1976 S. 2161

  • Kommt es beim Basketball durch eine gewisse Regelverletzung zu einer Verletzung, so entfällt gleichwohl die Haftung des Verursachers, wenn der Regelverstoß nur geringfügig ist und dieser Verstoß geschehen ist etwa aus Sporteifer, Unüberlegtheit, technischem Versagen, Übermüdung oder aus ähnlichen Gründen.

    Nur dann, wenn der Geschädigte beweisen kann, dass bei der Aktion des Gegenspielers keinerlei Aussicht bestand, den Ball zu spielen, kommt eine Haftung in Betracht.
    OLG Koblenz, Urteil vom 8.2.1991, ZfS 1991 S. 226

  • Wirft ein Spieler beim Basketballspiel den Ball nach rückwärts über den Kopf und wird hierdurch die Brille eines anderen Spielers beschädigt, besteht kein Anspruch auf Schadensersatz. Denn in einem solchen Fall liegt weder ein Regelverstoß vor, noch wird man beweisen können, dass es sich hierbei um eine unkontrollierte Ballaktion gehandelt habe.
    AG Augsburg, Urteil vom 20.11.1986, ZfS 1987 S. 130

Eishockey
  • Jeder Teilnehmer an einem gefährlichen Wettkampfspiel nimmt diejenigen Verletzungen in Kauf, die auch bei regelgerechtem Spiel nach den anerkannten Regeln der jeweiligen Sportart nicht zu vermeiden sind. Von einer Haftung für – auch schwerste – Verletzungen ist der Spieler also bei regelgerechtem Spiel voll freigestellt. Darüber hinaus kann eine Haftung auch bei geringfügigen Regelverstößen ausscheiden.

    Ein geringfügiger Regelverstoß liegt allerdings nicht mehr vor, wenn ein Eishockeyspieler mit voller Fahrt aus einer Entfernung von 5 m in seinen Gegner hineinrennt und den nur etwa 1 m vor der Bande Stehenden mit dem Körper derart checkt, dass dieser gegen die Bande geworfen wird.
    OLG München, Urteil vom 22.3.1989, VersR 1989 S. 598

Federball
  • Schmettert ein Federballspieler seinem Gegner den Federball aufs Auge, liegt kein Verschulden vor, wenn es sich um einen üblichen Schlag handelt und jeder die Spielart des anderen kannte. Außerdem wird durch die Teilnahme am Federballspiel das Verletzungsrisiko übernommen.
    LG Traunstein, Urteil vom 19.10.1966, 1 O 12/66 (n. v.)

Fußball
Zum Verschulden
  • Bei Sportarten mit nicht unerheblichem Gefahrenpotenzial nehmen Sportler grundsätzlich Verletzungen in Kauf, die auch bei regelgerechtem Spiel nicht zu vermeiden sind. Bei geringfügigen Regelverletzungen, etwa bei übereifrigem Einsatz, scheidet damit eine Haftung regelmäßig aus.

    Wenn allerdings die gebotene Härte und damit die Grenze zur Unfairness – wie hier bei einer Blutgrätsche überschritten wird, besteht eine Haftung auf Schadensersatz.
    OLG Hamm, Beschluss vom 4.7.2005, 34 U 81/05, NJW-RR 2005 S. 1477

  • Ein schuldhafter Verstoß gegen die Regel XII des Deutschen Fußball-Bundes und damit eine zum Schadensersatz und Schmerzensgeld verpflichtende Körperverletzung ist anzunehmen, wenn ein Abwehrspieler von schräg hinten in die Beine eines den Ball führenden, auf das Tor zustürmenden Gegners grätscht, ohne eine realistische Chance zu haben, den Ball spielen zu können ( Notbremse ).
    OLG Hamm, Urteil vom 23.3.1998, 13 U 187/97, r+s 1998 S. 240

  • Zur Frage, wann einen Fußballspieler trotz Spielens in gefährlicher Weise (Verstoß gegen Regel 12/II Nr. 1 der Regeln des Deutschen Fußballbundes) ein Verschulden trifft, hat der BGH ausgeführt: Liegt das Verhalten eines Fußballspielers im Grenzbereich zwischen der einem solchen Kampfspiel eigenen und gebotenen Härte und der unzulässigen Unfairness, dann handelt es sich nicht nur objektiv um einen geringen Verstoß. Vielmehr wird in einem solchen Fall auch ein Verschulden des Verletzers verneint werden müssen.

    Im entschiedenen Fall wurde die Schadensersatzforderung eines Spielers zurückgewiesen, der durch das Hineingrätschen eines Mitspielers verletzt worden war. Das Hineingrätschen sei eine allgemein anerkannte Abwehrmethode, die dann nicht zu beanstanden ist, wenn der Angriff dem Ball und nicht dem Gegenspieler gilt, auch wenn dieser dabei zu Boden geht.
    BGH, Urteil vom 10.2.1976, NJW 1976 S. 957

  • Attackiert ein Spieler seinen Gegenspieler in äußerst unfairer Spielweise, ohne dabei die Chance zu haben, den Ball zu treffen oder abzuwehren, handelt er grob fahrlässig.

    Im entschiedenen Fall hatte ein Torwart ein grobes Foul begangen, indem er in der Art eines Weitspringers mit vorgestreckten Beinen in Kniehöhe gegen das Standbein eines auf das Tor zulaufenden Stürmers sprang und ihm Schien- und Wadenbein brach.
    OLG München, Urteil vom 13.4.1976, VersR 1977 S. 844

  • Das Revanchefoul ist ein klassischer Fall für ein Verschulden. So wurde ein Fußballspieler zum Schadensersatz verurteilt, der absichtlich mit seinem Ellbogen das Gesicht seines Gegners traf.
    OLG Hamm, Urteil vom 24.4.1985, MDR 1985 S. 847

Zur Rechtswidrigkeit
  • In einem Kampfspiel wie dem Fußball ist jeder Spieler sowohl potenzieller Verletzer als auch potenzieller Verletzter. Dieser Wettkampf bringt auch bei Einhaltung der Spielregeln zwangsläufig die Gefahr, verletzt zu werden. Deshalb wäre es für jeden Spieler unzumutbar, bei spielordnungsgemäß zugefügten Verletzungen das Risiko des Schadensersatzes zu tragen. Deshalb entfällt bei regelgerechtem Spiel die Haftung für Schäden.
    BGH, Urteil vom 5.11.1974, NJW 1975 S. 109

Beweisprobleme des Verletzten
  • Der Teilnehmer an einem Fußballspiel nimmt grundsätzlich Verletzungen, die selbst bei regelgerechtem Spiel nicht zu vermeiden sind, in Kauf. Daher setzt ein Schadensersatzanspruch gegen einen Mitspieler den Nachweis voraus, dass dieser sich nicht regelgerecht verhalten hat.
    BGH, Urteil vom 5.11.1974, NJW 1975 S. 109

  • Die Beurteilung einer Aktion auf dem Fußballfeld durch den Schiedsrichter ist nicht zwingend für die Haftungsfrage. So hat beispielsweise dazu das LG Stuttgart entschieden:

    Wird ein Fußballspieler durch eine Aktion eines Gegenspielers verletzt, kann weder aus dem Zeigen der Gelben Karte noch aus dem Nichtzeigen der Roten Karte durch den Schiedsrichter der Schluss gezogen werden, dass ein zivilrechtliche Schadensersatzansprüche auslösendes Verhalten vorliegt bzw. nicht vorliegt.
    LG Stuttgart, Urteil vom 17.5.1988, NJW-RR 1988 S. 1241

Was gilt beim Bolzen oder beim Training einer Stammtisch-Fußballmannschaft?

Die für den Bereich des organisierten Wettkampf-Sports entwickelten Rechtsgrundsätze zur Behandlung von Sportunfällen können auch bei sportlicher Freizeitbetätigung von Bedeutung sein.

Die Regeln des Deutschen Fußballbundes werden von den Gerichten in der Regel auch im Hobby- und Freizeitsport zugrunde gelegt.

  • Ein Fußballspieler haftet nicht für Verletzungen, die er beim Austragen eines Wettkampfes einem anderen Spieler zufügt, sofern seine Spielweise im Rahmen der Regeln liegt, nach denen beide Mannschaften das Spiel angetreten haben. Derartige Verletzungen werden von jedem Teilnehmer in Kauf genommen, sodass wegen des Handelns auf eigene Gefahr entweder bereits die Tatbestandsmäßigkeit oder zumindest die Rechtswidrigkeit des Deliktstatbestandes nach § 823 I BGB ausgeschlossen ist.

    Was als regelgerechtes und was als regelwidriges Verhalten anzusehen ist, richtet sich nach den Spielregeln des Deutschen Fußballbundes, die auch für privat ausgetragene Fußballspiele gelten.
    OLG Hamm, Urteil vom 20.1.1992, 13 U 166/91, NJW-RR 1992 S. 856

  • Bei einem Fußballspiel unter Kindern und Jugendlichen ist das Grätschen nach einem Ball für sich genommen weder ein unkontrollierter noch übermäßiger Einsatz. Die Grenze zur sportlichen Unfairness wird hierdurch nicht überschritten, sodass mangels Verschuldens eine Haftung entfällt.

    Verletzt ein Jugendlicher (16 Jahre) ein Kind (9 Jahre) beim Kampf um den Ball, so können die sich aus dem Unterschied von Alter, Größe und Gewicht ergebenden Vorteile nur dann ein Verschulden begründen, wenn sie zu unfairen Zwecken eingesetzt werden.
    OLG Hamm, Urteil vom 22.10.1997, 13 U 62/97, NJWE-VHR 1998 S. 141

  • Das LG Nürnberg-Fürth beschreibt das Kicken oder Bolzen als eine dem Fußballspiel nachempfundene kämpferische Sportart, bei der der Ball dem Gegner unter Einsatz körperlicher Mittel abgenommen wird.

    Wird dabei durch entsprechenden körperlichen Einsatz (Rempeln) ein Mitspieler verletzt, so steht diesem aus dem Gesichtspunkt des erlaubten Risikos kein Schadensersatzanspruch zu.
    LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 28.7.1989, VersR 1990 S. 96

  • Ähnlich hat das OLG München entschieden und für das Training einer Stammtisch-Fußballmannschaft wie beim Verbandsfußball den Grundsatz gelten lassen, dass nur ein grober Regelverstoß eine Schadensersatzpflicht begründet.
    OLG München, Urteil vom 18.10.1989, NJW-RR 1990 S. 732

Handball
  • Im Hallenhandballsport haftet derjenige Spieler, der die Sportverletzung eines Gegenspielers verursacht hat, nur dann, wenn ihm dabei ein schuldhafter Regelverstoß zur Last fällt, der über eine geringfügige und häufige Regelwidrigkeit deutlich hinausgeht und den Grenzbereich zwischen gebotener kampfbedingter Härte und unzulässiger Unfairness klar überschreitet.

    Bei der Beurteilung des Verschuldens wird die außerordentliche Schnelligkeit des Hallenhandballsports berücksichtigt. Ferner spielt eine Rolle, dass körperliche Angriffsformen, insbesondere die Körpersperre des Gegners, zugelassen sind und dass die Grenze zwischen verbotener Gefährdung und zulässiger Körpersperre für den Spieler im Kampfgeschehen nur sehr schwer zu ziehen ist.

    Der Haftungsmaßstab kann deshalb je nach Spielklasse verschieden sein, in unteren Spielklassen eher milder, in oberen Spielklassen strenger.
    LG Marburg, Urteil vom 19.5.1988, VersR 1989 S. 94

  • Aus der Tatsache der Schwere einer beim Hallenhandball erlittenen Verletzung kann nicht auf das Vorliegen einer groben Regelverletzung geschlossen werden. Der Verletzte hat deshalb in einem solchen Fall einen groben Regelverstoß des Gegners zu beweisen.
    OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 22.3.1990, NJW-RR 1991 S. 418

Judo
  • Verletzt ein erfahrener Judolehrer einen Schüler, der einen Schnupperkurs für diese Sportart gebucht hat, durch die Anwendung von Techniken, auf die der Schüler (noch) nicht angemessen reagieren kann, so kommt ein Haftungsausschluss nach den zu lediglich geringfügigen, nach der Natur der Sportart nicht auszuschließenden Regelverstößen entwickelten Grundsätzen nicht in Betracht.

    Im Rahmen eines solchen Kursus führte der Judolehrer die Technik der sogenannten großen Außensichel durch. Der Schüler, der die dabei erforderliche Falltechnik nicht beherrschte, erlitt einen Riss des vorderen Kreuzbandes und eine Außenmeniskusläsion am rechten Kniegelenk.
    OLG Celle, Beschluss vom 22.9.1999, 9 W 109/99, NJW-RR 2000 S. 559

  • Bei regelwidriger Sportausübung haftet der Regelverletzer dem dadurch Geschädigten nach § 823 I BGB. Eine falsche Ausübungstechnik allein stellt noch keinen zum Ersatz verpflichtenden Regelverstoß dar.

    Das Fairnessgebot ist oberster Grundsatz der Sportausübung. Dieses Gebot verbietet es u.a., bei Judokämpfen Techniken ohne Abstimmung einzusetzen, die ein Gegner mit geringerem Ausbildungsstand nicht kennen und beherrschen muss.

    Im vorliegenden Fall führte ein Judoka mit erstem Meistergrad (Dan) mit der Inhaberin eines zwei Stufen niedrigeren Schülergurtes einen freien Übungskampf aus. Dabei setzte er dreimal den Wurf Kani Basami an, die sog. Beinschere. Der Wurf, der erst zum Prüfungsstoff der zweiten Meisterstufe, also des sog. 2. Dan gehört, war damals erlaubt, ist inzwischen aber wegen der Verletzungsgefahr verboten. Er hatte seine Gegnerin zuvor nicht gefragt, ob sie diese Technik kenne. Beim dritten Versuch brach sie sich den rechten Unterschenkel.

    Das Gericht nahm hier aber ein hälftiges Mitverschulden der Verletzten an, da diese nach den ersten Wurfversuchen hätte protestieren müssen.
    OLG Köln, Urteil vom 30.12.1993, 1 U 66/93, NJW-RR 1994 S. 1372

Squash
  • Auch bei einer schweren Sportverletzung (hier: Augenverletzung beim Squash) setzt ein Schadensersatzanspruch die Verletzung einer Spielregel voraus, die dem Schutz des Mitspielers dient. Die Beweislast für einen Regelverstoß liegt beim Geschädigten.
    OLG Hamm, Urteil vom 31.1.1990, 13 U 28/89, NJW-RR 1991 S. 149

  • Squash ist als gefährliches Kampfspiel einzuordnen, bei dem bestimmte Verletzungen jederzeit vorkommen können. Dabei bewegen sich zwei Spieler in einem abgegrenzten Raum von 9,75 × 6,40 m und versuchen, durch ein geschicktes, kraftvolles und schnelles Schlagen eines kleinen Balles, der hohe Geschwindigkeiten erzielt, zu erreichen, dass der Gegner den Ball nicht mehr zurückschlagen kann.

    Aufgrund dessen ist nicht nur jederzeit damit zu rechnen, dass der Körper eines Spielers von dem Ball getroffen wird, sondern dass es auch zu Kollisionen zwischen Spielern und Schlägern kommt.

    Führt ein Spieler eine regelwidrige Ausholbewegung durch und verletzt er hierdurch mit dem Schläger seinen Gegner am Auge, so handelt er gleichwohl nicht schuldhaft, wenn es sich bei der Regelwidrigkeit um ein für die Spielstärke der Spieler typisches und normales Verhalten gehandelt hat.

    Im vorliegenden Fall verneinte das OLG Hamm einen Schadensersatzanspruch des Verletzten, der durch den Schlag seines Gegners sein rechtes Auge verlor.
    OLG Hamm, Urteil vom 2.4.1984, VersR 1985 S. 296

  • Rutscht einem Squashspieler während des Spiels der Schläger aus der Hand und wird dadurch der Mitspieler am Auge verletzt, besteht keine Haftung. Denn erfahrungsgemäß kann es immer wieder vorkommen, dass der Schläger aus der schweißnassen Hand rutscht und aufgrund der kräftig geführten Bewegung auch über die halbe Courtbreite fliegt und den anderen Spieler trifft.

    Passiert dies, kann darin weder eine grobe Fahrlässigkeit noch ein schwerer Regelverstoß gesehen werden.
    OLG Nürnberg, Urteil vom 15.3.1990, ZfS 1990 S. 182

  • Selbst bei einer schweren Sportverletzung (hier: Augenverletzung beim Squash) setzt ein Schadensersatzanspruch die Verletzung einer Spielregel voraus, die dem Schutz des Mitspielers dient.

    Die Beweislast für den Regelverstoß liegt beim Geschädigten. Kann bereits dieser notwendige Beweis nicht erbracht werden, so kommt es auf die Frage nicht mehr an, ob bei einem geringfügigen Regelverstoß eine Haftung entfällt, etwa aus Spieleifer, Unüberlegtheit, Übermüdung, technischem Versagen.
    OLG Hamm, Urteil vom 31.1.1990, NJW-RR 1991 S. 149

Tennis
  • Sportliche Regel beim Tennisspiel ist es, den Gegner erst dann direkt anzuspielen, wenn er annahmebereit ist und sich auf den gezielten Aufschlag einstellen kann. Das gilt nicht nur für das eigentliche Spiel, sondern auch für das Warmspielen vor Spielbeginn.

    Während es im Spiel einen Punktgewinn bringen kann, wenn der Gegner vom Ball am Körper getroffen wird, ist solches beim Warmspielen weder bezweckt noch zu erwarten. Dementsprechend ist es beim Warmspielen sogar erhöhte Pflicht des Spielers, wenn er direkt auf den Gegner abschlägt, sich von dessen Annahmebereitschaft zu vergewissern. Denn hier besteht kein sinnvoller Anlass, eine Unachtsamkeit des Gegners auszunutzen. Missachtet ein Spieler diese erhöhte Pflicht und verletzt er hierdurch seinen Gegner, so haftet er für den Schaden.

    Im vorliegenden Fall hatte der beim Warmspielen aufschlagende Tennisspieler seinen Gegner, der sich nach einem auf dem Boden liegenden Ball gebückt hatte, durch einen flach über das Netz gezogenen Ball am Auge verletzt.
    OLG München, Urteil vom 23.4.1970, VersR 1970 S. 958

  • Einen ähnlichen Unfall beim Warmspielen hatte das LG Wuppertal zu beurteilen. Dabei war ein Tennisspieler ebenfalls am Auge getroffen worden, als er ans Netz ging, um Bälle aufzusammeln. Sein Gegner schätzte dieses Verhalten jedoch falsch ein und glaubte, er wollte lediglich den Aufschlag möglichst früh in Netznähe annehmen.

    Das Gericht war der Auffassung, dass auch derjenige, der das Spiel unterbrechen will, sich durch einen Blick auf den Gegner überzeugen muss, ob dieser seine Absicht erkannt hat. Schätzen beide Spieler das jeweilige Verhalten des anderen falsch ein, entfällt eine Haftung mangels Verschuldens.
    LG Wuppertal, Urteil vom 12.6.1968, VersR 1969 S. 337

  • Begibt sich ein Tennisspieler nach seinem Tennistraining wieder auf das Spielfeld, obwohl dort andere bereits weiter trainieren, und wird er durch einen Tennisball verletzt, so liegt kein haftungsbegründendes Verschulden der Spieler vor. Denn diese durften sich voll auf das Training konzentrieren.
    OLG Hamm, Urteil vom 20.9.1990, NJW-RR 1991 S. 418

Achten Sie auch auf Ihren Doppel-Partner!

  • Während eines Tennisdoppels muss ein Tennisspieler damit rechnen, auch von seinem Doppelpartner durch mehr oder weniger kontrollierte Schläge verletzt zu werden.

    Dies gilt aber nicht für den Fall, dass der Partner nach dem letzten Ballwechsel den von der Hallenwand zurückprallenden Ball wegschlägt und dabei das Auge des anderen Partners trifft. In einem solchen Fall hat das OLG Braunschweig einen Schadensersatzanspruch bejaht.
    OLG Braunschweig, Urteil vom 7.2.1990, NJW-RR 1990 S. 987

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