Zur Reisepreisminderung nach Katastrophenflug mit Notlandung

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Erweist sich ein Rückflug am Ende einer Pauschalreise als Katastrophenflug, der mit einem Triebwerksausfall und einer Notlandung endet, kann der Reisende eine Reisepreisminderung von 40 % verlangen. Dabei wird der Minderungsanspruch nicht auf Ausgleichszahlungen nach der FluggastVO angerechnet.

Der Rückflug zum Ende einer 13-tägigen Thailand-Pauschalreise gestaltete sich für ein deutsches Ehepaar dramatisch und endet mit Verspätung - aber auch glücklich. Der Flug von Phuket zurück nach Deutschland startete zunächst pünktlich. Nach rund 50-minütiger Flugdauer kam es aber zu einem Triebwerksausfall, zu zeitweiligem Stromausfall und zu Panik an Bord. Das Flugzeug musste schließlich nach Phuket umkehren und dort notlanden.

Die Reisenden konnten zwei Tage später wohlbehalten nach Hause fliegen. Von der Airline erhielten sie eine Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung für die Flugverspätung. Darüber hinaus verlangten sie vom Reiseveranstalter eine Reisepreisminderung.

Das Amtsgericht Frankfurt/Main gab den Urlaubern Recht. Denn dieses Horrorflugerlebnis lässt die Erholung und Urlaubsfreude nachträglich teilweise entfallen. Folglich gilt die gesamte Reise rückwirkend als mangelhaft. Der katastrophale Rückflug und die damit einhergehende Todesangst begründen einen besonders schwerwiegenden Mangel. Daher ist eine Reisepreisminderung von 40 % angemessen.

Grundsätzlich beschränkt sich eine Reisepreisminderung zwar nur auf die Dauer des Mangels; das gilt jedoch nicht bei Vorliegen eines besonders schwerwiegenden Mangels.

Auf diesen Minderungsanspruch wird die Ausgleichszahlung der Fluggesellschaft für die Flugverspätung nicht angerechnet. Art. 12 der FluggastVO verfolgt ausschließlich den Zweck, Verspätungsfolgen zu entschädigen. Auf Minderungsansprüche, die gerade nicht auf einer Verspätung beruhen, ist sie hingegen nicht anzuwenden (AG Frankfurt / Main, Urteil vom 6.6.2014, 30 C 1590/13 (75), RRa 2014 S. 283).

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