Zur Höhe des Schadensersatzes wegen vertanem Urlaub als Folge eines falsch berechneten Reisepreises

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Einem Reisebüro unterlief ein Fehler. Es berechnet den Reisepreis falsch und setzt ihn zu niedrig an. Tritt der Reisende die Reise zum teureren Preis aber nicht an, orientiert sich sein Schadensersatzanspruch an dem ursprünglich zu niedrigen Reisepreis.

Eine Frau hatte für ihre minderjährige Tochter und drei Mitschülerinnen eine Reise nach Kroatien gebucht. Der Preis pro Teilnehmerin betrug 476,00 €. Die Buchung wurde zunächst auch so vom Reisebüro bestätigt. Nachträglich stellte sich aber heraus, das günstige Angebot galt nur für zwei Erwachsene mit zwei Kindern im Alter von zwei bis elf Jahren.

Das Reisebüro berechnete den Reisepreis neu und verlangte von der Mutter nun 1.397,00 € pro Person. Das wollte die nicht berappen und verlangte, dass die Mädchen die Reise zum günstigen Preis antreten können. Dies wiederum lehnte das Reisebüro ab.

So fand die Reise nicht statt. Stattdessen verlangte die Kundin den Reisepreis zurück und zusätzlich Schadensersatz für entgangene Urlaubsfreude – und zwar in Höhe von 5.588,00 €. Einer Summe, die dem eigentlichen Gesamtwert der Reise entsprach.

Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main bestätigte einen Fehler des Reisebüros. Als Folge des falsch kalkulierten Angebots steht den Kunden ein Schadensersatzanspruch zu. Auch jugendliche Schülerinnen, die über kein eigenes Einkommen verfügen, haben Anspruch auf Ersatz entgangener Urlaubsfreude.

Allerdings korrigierte das Gericht die Schadensersatzforderung nach unten. Der Schadensersatz kann nicht höher ausfallen als der ursprünglich falsch berechnete Reisepreis. Hier ist also der versehentlich zu niedrig angesetzte Reisepreis der Schadensersatzforderung zugrunde zu legen.

Um die entgangene Urlaubsfreude auszugleichen, hielt das Gericht die Hälfte des ursprünglich gebuchten Reisepreises für vier Personen, also in Summe 952,00 € für angemessen. Begründung: Den vollen Reisepreis gibt es, wenn eine Reise derart katastrophal verläuft, dass sie keinen Erholungswert hat; die Beschränkung auf die Hälfte ist hingegen gerechtfertigt, weil auch Urlaub zuhause Erholungswert hat (OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 14.4.2015, 16 U 12/14 ).

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