Zugverspätung und Zugausfall - Mehr Rechte für Bahnreisende

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Das Fahrgastrechtegesetz verbessert die Rechte von Bahnreisenden, insbesondere bei Verspätungen und Zugausfällen. Seit dem 29.7.2009 gibt es künftig auf gesetzlicher Grundlage Ersatz. Die bisherigen Kulanzregelungen wurden damit abgelöst.

Das Gesetz beruft auf einer europäischen Verordnung, die am 3.9.2009 in Kraft tritt. Die deutschen Regelungen erweitern diese Vorgaben für den Nahverkehr (vgl. unten). Zugleich wird damit eine bundesweit einheitliche Regelung für Eisenbahnverkehrsunternehmen im Nah- und Fernverkehr getroffen. Das heißt, nicht nur wenn Sie mit der Deutschen Bahn reisen, stehen Ihnen diese Rechte zu. Auch private Eisenbahngesellschaften, die eine Strecke bedienen (z. B. regionale Bahngesellschaften), müssen sich daran halten.

Bei Verspätung und Zugausfall im Nah- und Fernverkehr

Hat ein Zug Verspätung oder fällt er aus, muss das ausführende Bahnunternehmen dem betroffenen Fahrgast eine Entschädigung zahlen. Die Verspätung wird über die komplette Reisekette berechnet.

Beispiel:

Verspätet sich der Zubringerzug um zehn Minuten und ist deshalb der Anschlusszug weg, stehen dem Reisenden die Entschädigungsansprüche zu, wenn er mit einer Stunde Verspätung am Zielort ankommt.

Die Entschädigung erhalten Sie wahlweise als Gutschein oder in bar. Sie ist wie folgt gestaffelt:
  • Kommen Sie 60 Minuten verspätet am Zielort an, sind 25 Prozent des Fahrpreises zu erstatten;
  • bei einer Verspätung von 120 Minuten, gibt es 50 Prozent des Fahrpreises zurück;
  • zudem muss die Bahn Ihnen bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten eine kostenlose Hotelunterkunft anbieten, wenn Sie wegen der Unpünktlichkeit oder des Zugausfalls übernachten müssen. Maßgeblich ist die verspätete Ankunft am Zielort.
  • Ist absehbar, dass sich der gewählte Zug um mehr als 60 Minuten verspätet, darf der Fahrgast von der Reise zurücktreten und sich den Fahrpreis komplett erstatten lassen.

Aber keine Regeln ohne Ausnahmen. Diese lauten hier:
  • Die Pauschalen gelten nicht für Reisende, die Zeitfahrkarten haben (z. B. eine BahnCard 100). Sind solche Fahrgäste von der Unpünktlichkeit oder dem Ausfall eines Zuges betroffen, müssen aber auch sie angemessen entschädigt werden. Die Bahn hat dazu in ihren Beförderungsbedingungen entsprechende Regelungen zu treffen.
  • Die Bahn haftet nicht, wenn die Verspätung durch außerhalb des Eisenbahnbetriebs liegende Umstände verursacht wird (z. B. bleibt nach einem Unfall ein Fahrzeug auf den Gleisen stehen und kann der Zug deshalb nicht weiterfahren).
  • Liegt der zu erstattende Betrag unter der sogenannten "Bagatellgrenze" von 4 Euro, kann die Bahn von der Erstattung absehen.
Besonderheiten im Nahverkehr und Kulanz der Deutschen Bahn

Gestärkt werden sollen auch die Rechte der Passagiere im Nahverkehr. Hier gelten weitere Bestimmungen. Um Nahverkehr handelt es sich, wenn in der Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Zuges die Reiseweite nicht mehr als 50 Kilometer oder die Reisezeit nicht mehr als eine Stunde beträgt.
  • Bei einer absehbaren Verspätung am Zielort von mindestens 20 Minuten kann der Fahrgast seine Reise mit einem anderen Zug antreten bzw. fortsetzen. Dazu darf er grundsätzlich auch mit Fernverkehrszügen reisen. Davon ausgenommen sind Züge mit besonderer Reservierungspflicht (z. B. ICE Sprinter, City Night Line-Verbindungen). Für den Fernverkehrszug muss der Reisende zunächst eine gültige Fahrkarte erwerben. Den Fahrpreis bekommt er anschließend von dem Eisenbahnunternehmen erstattet, das für die Verspätung verantwortlich ist.
  • Verspätet sich ein Nahverkehrszug, dessen planmäßige Ankunftszeit zwischen 24.00 Uhr und 5.00 Uhr liegt, um mindestens 60 Minuten, darf der Reisende darüber hinaus andere Verkehrsmittel zu seinem Zielort benutzen. Sofern hierfür keine preisgünstigen öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, darf er auch mit dem Taxi weiterfahren. Erstattet werden Kosten bis zu einem Betrag von 80 Euro. Gleiches gilt, wenn die letzte fahrplanmäßige Verbindung des Tages ausfällt und der Fahrgast sein Ziel bis 24.00 Uhr ohne die Nutzung eines anderen Verkehrsmittels nicht mehr erreichen kann.
Ähnliche Regelungen gelten weiterhin auf Kulanzbasis auch im Fernverkehr der Deutschen Bahn, die damit über die gesetzlichen Anforderungen des Fahrgastrechtegesetzes hinausgehen:
  • Bei einer absehbaren Verspätung am Zielort von mindestens 20 Minuten ist die Nutzung eines höherwertigen oder von der Zugbindung abweichenden Zuges möglich.
  • Auch die Taxiregelung für Nahverkehrsreisende wird im DB-Fernverkehr übernommen: Wenn die fahrplanmäßige Ankunftszeit in die Zeit zwischen 24.00 Uhr und 5.00 Uhr fällt, kann der Fahrgast bei einer Verspätung von mindestens 60 Minuten auf ein Taxi umsteigen, wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zur Verfügung stehen.
Information ist Pflicht

Die Bahnunternehmen müssen ihre Fahrgäste beim Fahrkartenverkauf bzw. während der Fahrt umfassend informieren, beispielsweise:
  • Welches ist die kürzeste und preisgünstigste Zugverbindung?
  • Hat der Zug Verspätung?
  • Welche Anschlüsse werden erreicht?
  • Welche Rechte hat ein Bahnreisender? Beachten Sie: Über Ihre Fahrgastrechte dürfen beispielsweise auch durch Aushang oder Auslage eines Merkblattes informiert werden.
Im Nahverkehr sind dabei die Informationspflichten geringer (z. B. muss während der Fahrt nicht über Anschlussverbindungen informiert werden).

Reklamationsprozess wird vereinfacht

Ein einheitliches Fahrgastrechte-Formular erleichtert es Ihnen, Ihre Fahrgastrechte anzumelden und durchzusetzen. Dies gilt unabhängig davon, ob Sie mit der Deutschen Bahn oder einer anderen Bahngesellschaft reisen.

Gesetzlich vorgeschrieben ist auch die außergerichtliche Schlichtung im Falle von Streitigkeiten zwischen Fahrgästen und Bahnunternehmen. Sie können sich derzeit beispielsweise an die Schlichtungsstelle Moblilität wenden (www.schlichtungsstelle-mobilitaet.org). Die Deutsche Bahn richtet zudem ein Servicecenter "Fahrgastrechte" ein.

Bei einem Eisenbahnunfall mit Personenschäden

Wird bei einem Eisenbahnunfall ein Fahrgast getötet oder verletzt, müssen die Bahnunternehmen künftig einen Vorschuss in Höhe von 21.000 Euro an den Geschädigten oder seine Angehörigen zahlen. Damit sollen die unmittelbaren wirtschaftlichen Bedürfnisse gedeckt werden (z. B. für Beerdigungskosten).

Mit dem Inkrafttreten der EU-Verordnung werden europaweit außerdem einheitliche Haftungsregeln und Mindestentschädigungssummen bei Personenschäden festgelegt. Dann darf kein Mitgliedstaat mehr geringere Haftungshöchstgrenzen festschreiben als umgerechnet ca. 200.000,- Euro.

Mehr Rechte für behinderte Menschen

Eisenbahnunternehmen und Bahnhofsbetreiber müssen Zugangsregelungen für die Beförderung aufstellen und dafür sorgen, dass der Bahnhof, die Bahnsteige, die Fahrzeuge und andere Einrichtungen für Personen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich sind.

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