Virusinfektion während einer Pauschalreise ein Reisemangel?

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Erkrankt ein Pauschalreisender im Hotel, ist nur dann von einem Reisemangel auszugehen, wenn die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Für eine Virusepidemie unter den Gästen ist das Hotel verantwortlich ist, wenn nachgewiesen ist, dass mindestens 10 % der Gäste daran erkrankt sind. Das muss im Streit der erkrankte Reisende nachweisen.

Ein junges Paar hatte eine 10-tägige Pauschalreise nach Rhodos gebucht. Schon in der ersten Nacht im Hotel erkrankten beide an einem schweren Magen-Darm-Infekt mit Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber. Sie mussten während des gesamten Aufenthalts Bettruhe halten und reisten vorzeitig ab.

Sie waren aber nicht die einzigen Patienten. Im fraglichen Zeitpunkt war das Hotel mit 1600 Gästen belegt, 140 Gäste litten ebenfalls unter dem Noro-Roto-Virus.

Die Reisenden machten für die Erkrankung den Reiseveranstalter verantwortlich und verlangten nach dem Ende der Reise den Reisepreis zurück sowie eine Entschädigung und Schmerzensgeld. Der Veranstalter zahlte jedoch nicht. Das Hotel sei nach Analyse von Nahrungsmittel- und Wasserproben durch zertifizierte Institute nicht für die Erkrankung verantwortlich.

Das Amtsgericht München lehnte die Ansprüche der Reisenden ab. In der Virusinfektion verwirklichte sich das allgemeine Lebensrisiko. Dafür haftet der Veranstalter nicht. Die Ansteckungsmöglichkeiten sind vielfältig und die Inkubationszeit lässt nicht zwingend auf eine Infektion im Hotel schließen.

Von einem Reisemangel ist nicht auszugehen. Ein solcher Mangel liegt nur vor, wenn die Ursache im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Dies konnten die Pauschalreisenden hier nicht nachweisen.

Ein Anscheinsbeweis scheidet aus. Danach müssen während des Aufenthalts mindestens 10 % der Hotelgäste an denselben Krankheitssymptomen leiden. Hier waren es höchstens 140 Personen. Das entspricht bei 1600 Gästen einem Anteil von 8,75 % (AG München, Urteil vom 12.5.2015, 283 C 9/15 ).

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