Reiseversicherungen

1. Reiseversicherungen schützen nicht uneingeschränkt

Wenn Sie eine Reise planen und buchen, gilt es vieles zu beachten. Angefangen vom »richtigen Verstehen« der Anpreisungen in den Hochglanzprospekten der Reiseveranstalter bis hin zu den gelegentlichen Fallstricken im Kleingedruckten (z.B. Preiserhöhungsklauseln).

Weiter interessiert in diesem Stadium die Frage, ob es sinnvoll ist, typische Reiserisiken durch eine Versicherung abzusichern, beispielsweise die krankheitsbedingte Absage einer Reise oder den Verlust von Reisegepäck. Das gilt übrigens nicht nur für den Fall, dass Sie eine Pauschalreise antreten. Auch wenn Sie auf eigene Faust reisen, können Sie Reiseversicherungsschutz abschließen.

Dabei sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass es nicht die eine Reiseversicherung gibt, die vor allen möglichen Risiken schützt. Vielmehr bieten die Versicherer in der Regel verschiedene Verträge an, die jeweils einzelne Schadensfälle abdecken. Daneben gibt es aber auch Kombinationsangebote. Erkundigen Sie sich danach bei den Versicherungsunternehmen.

Achten Sie ferner genau darauf, welche Risiken abgedeckt werden, welche Schadensfälle ausgeschlossen sind und wie sich die Höhe der Ersatzleistungen bestimmt, ob Sie zum Beispiel mit Selbstbehalten oder Leistungsbeschränkungen rechnen müssen. Vergleichen Sie dazu die folgende Übersicht.

2. Was Sie zur Reiserücktrittskostenversicherung wissen sollten

  • Welche Risiken können Sie vertraglich absichern?

    Haben Sie eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen, werden Ihnen die anfallenden Stornokosten ersetzt, wenn Sie die Reise beispielsweise krankheitsbedingt nicht antreten können. Bei teuren Reisen oder wenn Sie mit Kindern verreisen, sollten Sie deshalb stets erwägen, eine solche Versicherung abzuschließen.

    Der Reiseveranstalter oder in besonderen Fällen das vermittelnde Reisebüro muss Sie auf diese Versicherungsmöglichkeit hinweisen (BGH, Urteil vom 25.7.2006, X ZR 182/05, NJW 2006 S. 3137). Er muss Sie auch darüber informieren, ob die Reiserücktrittskostenversicherung bis zum Ende der Reise oder nur bis zum Antritt der Reise besteht (OLG Celle, Urteil v. 26.4.2001, 11 U 117/00, NJW-RR 2001 S. 1558). Der Veranstalter darf die Buchung jedoch nicht vom Abschluss einer Reise¬rücktrittskostenversicherung abhängig machen. Das gilt auch für den Abschluss einer Rücktransportkosten-Versicherung.

    Von der Reiserücktrittskostenversicherung zu unterscheiden ist die so genannte Reiseabbruchversicherung. Hier werden Ihnen im Versicherungsfall die Kosten eines vorzeitigen Reiseendes ersetzt (z.B. müssen Sie aufgrund eines Todesfalles in der Familie die Reise vorzeitig abbrechen). Über diese Möglichkeit müssen Sie jedoch nicht aufgeklärt werden.

    Häufig können Sie wählen, ob Sie nur den Reiserücktritt oder zusätzlich auch den Reiseabbruch versichern wollen, die meisten Versicherer bieten entsprechende Paketlösungen an.

    Für den richtigen Versicherungsschutz kommt es auf den Zeitpunkt des Reiseantritts an.

    Die Rücktrittskostenversicherung schützt Sie nur bis zu dem Zeitpunkt, in dem Sie die Reise angetreten haben. Bei einer Flugreise ist das der Fall, wenn mit dem Einchecken des Gepäcks begonnen wird. Das heißt konkret, wenn Sie Ihren Koffer auf das Gepäcklaufband am Check-in-Schalter stellen, haben Sie die Reise angetreten (OLG Dresden, Urteil v. 28.8.2001, 3 U 1338/01, NJW-RR 2001 S. 1610). Dagegen liegt die Fahrt zum Flughafen vor dem Reiseantritt (LG Koblenz, Urteil v. 1.7.2004, 14 S 362/03, NJW-RR 2004 S. 1333). Nach Reiseantritt ist nur noch der Schutz durch die Reiseabbruchversicherung gegeben.

  • Wann müssen Sie die Versicherung abschließen?

    In der Regel wird die Reiserücktrittskostenversicherung gleichzeitig mit dem Reisevertrag abgeschlossen. Spätestens 14 Tage nach der Buchung muss der Versicherungsvertrag geschlossen werden. Die Versicherung ist von der gebuchten Reise abhängig. Ist ein Reisevertrag unwirksam (z.B. bucht Ihr minderjähriger Sohn ohne Ihre Genehmigung online eine Reise), schlägt das auf den Versicherungsvertrag durch. Im Ergebnis ist auch dieser dann unwirksam. Die Versicherungsprämie müssen Sie folglich nicht bezahlen. Eine bereits bezahlte Prämie können Sie zurückfordern.

  • Wer ist versichert?

    Achten Sie unbedingt darauf, dass Mitreisende, mit denen Sie nicht verwandt sind, namentlich im Versicherungsschein genannt werden (z.B. verreisen Sie mit den Mitgliedern Ihres Fußballclubs). Andernfalls umfasst der Versicherungsschutz nur den Versicherten selbst. Mitreisende Familienangehörige müssen grundsätzlich nicht separat aufgeführt werden (z.B. Ehegatten, Kinder, Großeltern). Hinsichtlich der Angabe eines Lebenspartners kommt es auf die jeweiligen Versicherungsbedingungen an. Das regeln die Versicherungen unterschiedlich. Prüfen Sie deshalb die Regelungen im Kleingedruckten.

  • Welche Ereignisse sind versichert?

    • Der Tod des Versicherten bzw. Mitreisenden oder einer ihnen nahe stehenden Person (d.h. direkte Angehörige oder Lebenspartner). Zum Nachweis ist eine Kopie der Todesbescheinigung bei der Versicherung einzureichen.

    • Ein schwerer Unfall mit Personenschaden des Versicherten bzw. Mitreisenden oder einer ihnen nahe stehenden Person, wenn dadurch der Antritt oder die planmäßige Beendigung der Reise nicht mehr zumutbar ist (z.B. Knochenbruch, schwere Gehirnerschütterung, innere Verletzungen, Bettlägerigkeit). Reichen Sie zum Nachweis ein ärztliches Attest bei der Versicherung ein, aus dem auch die Dauer einer notwendigen stationären Behandlung und die Ursachen der Verletzung hervorgehen.

    • Die unerwartete schwere Erkrankung des Versicherten bzw. Mitreisenden oder einer ihnen nahe stehenden Person, wenn dadurch der Antritt oder die planmäßige Beendigung der Reise nicht mehr zumutbar ist - etwa bei einer Lungenentzündung, einem Herzinfarkt oder einem Hörsturz. Auch hier benötigen Sie ein möglichst ausführliches ärztliches Attest zum Nachweis gegenüber der Versicherung. Aber: War die Erkrankung vorhersehbar (z.B. akuter Rheumaschub bei langjähriger Vorerkrankung, seit Jahren bekannte Rückenbeschwerden), besteht kein Versicherungsschutz.

    • Impfunverträglichkeit gegen eine vorgeschriebene oder sonst notwendige Impfung, ebenfalls nachzuweisen durch ein ärztliches Attest.

    • Schwangerschaft, wenn dadurch die Reise aus ärztlicher Sicht unzumutbar wird. Legen Sie der Versicherung aus Beweisgründen ein ärztliches Attest sowie eine Kopie des Mutterschutzausweises vor. Aus diesen Unterlagen sollten sich der voraussichtliche Entbindungstermin und etwaige Risikofaktoren der Schwangerschaft ergeben.

    • Erhebliche Schäden am Eigentum des Versicherten durch Feuer, Elementarereignisse (z.B. Überschwemmung) oder vorsätzliche Straftaten (z.B. wird Ihr Haus von Dieben ausgeräumt). Der Nachweis erfolgt am besten über die Mitteilung der polizeilichen Registriernummer, die Sie bei Anzeige der Straftat erhalten. Aber: Es liegt kein Versicherungsfall vor, wenn beim Einbruch nur die Reiseunterlagen oder lediglich Bargeld gestohlen wird.

    • Verlust des Arbeitsplatzes Der durch unerwartete Kündigung oder unerwartete Arbeitsaufnahme nach Arbeitslosigkeit. Reichen Sie dazu eine Kopie des Kündigungsschreibens bezie¬hungsweise des neu unterzeichneten Arbeitsvertrages bei der Versicherung ein.

  • Wann zahlt die Versicherung nicht?

    Können oder wollen Sie die Reise aus einem anderen als den oben genannten Gründen nicht antreten, zahlt die Versicherung nicht. Zudem enthalten die Versicherungsbedingungen bestimmte Ausschlussgründe (z.B. tritt die Versicherung nicht ein für politische Risiken im Urlaubsland). Ausgeschlossen ist die Haftung auch, wenn das versicherte Ereignis für Sie vorhersehbar war oder Sie es selbst herbeigeführt haben.

    Beispiel:
    • Sie buchen trotz bekannter Schwangerschaft eine Fernreise und müssen diese stornieren, weil vom Tropeninstitut empfohlene Impfungen nicht durchgeführt werden können.

    • Sie verletzen sich bei einem Verkehrsunfall, den Sie alkoholisiert verursacht haben

  • Welche Kosten werden ersetzt?

    Die Reiserücktrittskostenversicherung ersetzt Ihnen die anfallenden Stornokosten, wenn Sie die Reise nicht antreten können. Einige Versicherer ersetzen auch Nachreisekosten, wenn Sie die Reise erst verspätet antreten können. Erstattet werden aber höchstens die Stornokosten, die bei Nichtantritt der Reise entstanden wären. Allerdings unterliegen die Versicherungsleistungen Einschränkungen. So gilt in der Regel ein Selbstbehalt von 25,00 €- pro Person. Wird der Versicherungsfall durch Krankheit ausgelöst, beträgt der Selbstbehalt meistens 20 % des erstattungsfähigen Schadens.

    Die Reiseabbruchversicherung ersetzt ihnen nachweislich entstandene zusätzliche Rückreisekosten und hierdurch verursachte sonstige Mehrkosten (z.B. notwendige Hotelkosten auf der Rückreise, Umbuchungskosten, Kosten eines gesonderten Gepäckrücktransports). Kosten für gebuchte, aber nicht beanspruchte Leistungen bekommen Sie aber nur erstattet, wenn Sie dies besonders vereinbart haben. Hierfür müssen Sie tiefer in die Tasche greifen und eine Zusatzprämie zahlen.

3. Was Sie zur Reisegepäckversicherung wissen sollten

  • Welche Risiken können Sie vertraglich absichern?

    Die Reisegepäckversicherung ersetzt Schäden, die Ihnen durch Diebstahl oder Beschädigung Ihres Reisegepäcks entstehen. Sie ist insbesondere sinnvoll, wenn Sie besonders wertvolles Reisegepäck haben (z.B. eine teure Tauchausrüstung). Beachten Sie: Der Reiseveranstalter muss Sie nicht auf den Abschluss einer Reisegepäckversicherung hinweisen. Etwas anderes gilt für den Abschluss der Reiserücktrittskostenversicherung.

  • Wessen Gepäck wird versichert?

    Schließen Sie die Versicherung ab, ist Ihr Gepäck und das Ihrer Familienangehörigen, mit denen Sie in einem Haushalt leben, versichert.

    Achten Sie daher unbedingt darauf, dass Mitreisende, mit denen Sie nicht verwandt sind, oder Angehörige, mit denen Sie nicht zusammenwohnen, namentlich im Versicherungsschein genannt werden, damit auch deren Gepäck vom Versicherungsschutz umfasst ist.

  • Welches Gepäck ist versichert?

    Zum Reisegepäck gehören alle Dinge Ihres persönlichen Reisebedarfs beispielsweise Wäsche, Kleidung, Hygieneartikel, Kosmetik, Fotoausrüstung, Campingzubehör, Foto- und Videoausrüstung. Sportgeräte sind nur versichert, solange sie nicht gerade benutzt werden, das heißt während des Transports oder Abstellens. Auch Geschenke und Reiseandenken, die Sie auf der Reise gekauft haben, sind versichert.

    Nicht versichert sind Geld, Wertpapiere, Fahrkarten, Urkunden und Dokumente aller Art, Gegenstände mit überwiegendem Kunst- oder Liebhaberwert, Kontaktlinsen und Prothesen. Ausnahmen: Krücken, Rollstuhl oder Brille. Auch Gegenstände des beruflichen Bedarfs gehören nicht zum versicherten Reisegepäck (z.B. Laptop, Fachbücher).

  • Wann tritt die Versicherung ein?

    Versicherungsschutz besteht, wenn Ihr Reisegepäck während des Transports durch ein Beförderungsunternehmen (z.B. eine Fluggesellschaft) abhanden kommt, zerstört oder beschädigt wird. Das Gepäck muss sich bereits im Gewahrsam des Beförderers befinden, damit es versichert ist.

    Für die Dauer des Urlaubs sind Schäden durch Diebstahl, Raub oder Sachbeschädigung versichert. Die Versicherung zahlt auch bei Schäden durch Sturm, Brand, Blitzschlag, Explosion oder im Fall höherer Gewalt (z.B. Lawine, Überschwemmung).

  • Was gilt für Wertsachen?

    Foto-, Film- und Videokameras nebst Zubehör, Uhren, optische Geräte (z.B. ein Fernglas), Jagdwaffen, Radio- und Fernsehgeräte sowie Tonbandgeräte nebst Zubehör (z.B. ein MP3-Player) sind nur versichert, wenn Sie sie sicher bei sich tragen. Das bedeutet, der Versicherungsschutz entfällt, wenn Sie solche Gegenstände unbeaufsichtigt am Pool liegen lassen. Selbst wenn Sie die Wertsachen bei sich tragen, ist der Versicherungsschutz je Versicherungsfall auf die Hälfte der Versicherungssumme begrenzt. Das Gleiche gilt für Pelze, Schmuck und Gegenstände aus Edelmetall.

  • Was gilt für Reisegepäck in einem Kfz?

    Versicherungsschutz besteht nur, wenn sich das Reisegepäck in einem fest verschlossenen Innen- oder Kofferraum befindet. Der Diebstahl aus einem offenen Cabrio ist also nicht versichert. Weiterhin muss

    • der Schaden tagsüber zwischen 6:00 Uhr und 22:00 Uhr eingetreten sein oder

    • das Kfz in einer abgeschlossenen Garage abgestellt sein. Öffentliche Parkhäuser oder Tiefgaragen reichen nicht aus. Ausnahme: Beladen Sie Ihr Kfz bereits mehrere Stunden oder sogar am Abend vor der Abreise und lassen es voll gepackt unbeaufsichtigt stehen, besteht kein Schutz aus der Reisegepäckversicherung. Oder

    • der Schaden während einer Fahrtunterbrechung von nicht mehr als zwei Stunden eingetreten sein (z.B. auf einem Rastplatz an der Autobahn).

    In allen anderen Fällen ist die Haftung je Versicherungsfall begrenzt. Beachten Sie: Wertgegenstände wie zum Beispiel Pelze, Schmuck, Foto- und Filmapparate sowie tragbare Videosysteme sind in unbeaufsichtigten Kfz nicht versichert.

4. Welche Reiseversicherungen es sonst noch gibt

Ob Sie eine weitere Versicherung benötigen, hängt vom Umfang Ihrer vorhandenen Kranken-, Unfall- bzw. Haftpflichtversicherung ab. Informieren Sie sich dazu bei Ihrer Versicherungsgesellschaft.

Beispiel:
  • Die Reiseunfallversicherung übernimmt die Kosten für den Rücktransport und die Behandlung im Falle eines Unfalls (z.B. Auto- oder Sportunfall).

  • Die Reisekrankenversicherung zahlt die Behandlung bei Krankheit am Urlaubsort.

  • Die Reisehaftpflichtversicherung übernimmt weltweit die Haftung für Schäden, die sie während der Reise einem anderen zufügen. Prüfen Sie vor Abschluss dieser Versicherung unbedingt, ob Ihre Privathaftpflichtversicherung bereits weltweit Deckung gewährt, denn dann ist eine Reisehaftpflichtversicherung überflüssig

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