Reiseversicherung: Stornierung der Reise bei Nasenbeinbruch?

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Ein Nasenbeinbruch ist normalerweise keine schwere Erkrankung, die zum sofortigen Reiserücktritt zwingt. Der Versicherungsnehmer darf die Reise auch später stornieren, ohne seinen Versicherungsschutz zu verlieren, wenn sich nachträglich herausstellt, dass eine Operation notwendig ist.

Ein Familienvater buchte für sich und seine Familie eine Reise nach Tunesien und schloss zugleich eine Reiserücktrittsversicherung ab. Fünf Tage vor dem geplanten Abflug zog sich sein 11-jähriger Sohn im Sport eine Nasenbeinfraktur zu, die zunächst ambulant versorgt werden konnte. Auch die behandelnde Ärztin ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass weitere Maßnahmen nicht notwendig seien und der Sohn die Reise antreten könne. Bei der Abschlussuntersuchung am Tag der Abreise wurde dann aber festgestellt, dass der Nasenbeinbruch begradigt werden musste. Wegen der anstehenden Operation stornierte der Vater die Reise.

Der Veranstalter schickte ihm eine Rechnung über 2.894,- Euro Stornokosten, die er bei seiner Reiseversicherung einreichte. Die zahlte jedoch nur 1.670,24 Euro und begründete dies damit, der Versicherungsnehmer habe die Reise verspätet storniert. Er habe gleich am Tag des Unfalls den Rücktritt erklären müssen. Dann wären auch nur 65 Prozent Stornokosten angefallen. Außerdem behielt die Versicherung einen Selbstbehalt von 20 Prozent ein. Gegen beide Argumente setzte sich der Mann zur Wehr: Er habe erst am Abreisetag erfahren, dass der Reiseantritt nicht möglich ist. Außerdem sei die Selbstbehaltsklausel unwirksam.

Das Amtsgericht München gab dem Vater größtenteils Recht: Der Mann hat nicht gegen die Schadensminderungspflicht verstoßen. Ein Nasenbeinbruch ist normalerweise keine schwere Erkrankung, die eine operative Behandlung erforderlich macht. Deshalb ist es bei einer solchen Verletzung nicht notwendig, die Reise sofort zu stornieren.

Erst wenn weitere (medizinische) Umstände hinzutreten (z. B. Notwendigkeit einer Operation), wird aus einem Nasenbeinbruch eine schwere Erkrankung. Dies stellt dann einen Stornierungsgrund dar. Und bestimmt auch den Zeitpunkt, zudem der Reiserücktritt erklärt werden muss. Die Versicherung muss deshalb weitere 644,96 Euro an den Vater bezahlen.

Auf dem Selbstbehalt bleibt er jedoch sitzen. Solche Klauseln sind bei nahezu allen Versicherungen üblich und deshalb nicht überraschend (AG München, Urteil vom 11. 9. 2008, Az. 275 C 9001/08).

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