Reisemängel sind genau zu dokumentieren

 - 

Wer als Pauschalreisender den Reisepreis wegen Reisemängel erfolgreich mindern will, muss die Mängel detailliert vortragen und genau dokumentieren. Pauschale Behauptungen wie riesige Baustelle oder katastrophale hygienische Zustände reichen dafür nicht aus.

Ein Ehepaar mit Baby hatte eine 8-tägige Pauschalreise in Ägypten gebucht. Wieder zuhause, verlangten die Pauschalreisenden vom Veranstalter die Zahlung von 1.306,00 € für Reisemängel und Entschädigung für entgangene Urlaubsfreude.

Die Reisenden behaupteten, folgende Mängel seien mehrfach reklamiert worden: Das Hotel sei eine riesige Baustelle, die hygienischen Verhältnisse eine Katastrophe, das Essen wenig appetitlich, der Service nicht zufriedenstellend und das Unterhaltungsprogramm dürftig gewesen. Der Rückflug glich einem Desaster und das Reisegepäck sei mit wochenlanger Verspätung eingetroffen.

Der Reiseveranstalter widersprach der Schilderung. Die Urlauber hätten gleich zu Beginn ein Zimmer mit Meerblick bekommen, sodass der geringe Baulärm gar nicht mehr hörbar gewesen sei. Ansonsten sei alles in Ordnung gewesen.

Das Amtsgericht München führte die Streitenden in einen Vergleich. Das Ehepaar nahm einen Betrag von 150,00 € an und musste die Kosten des Rechtsstreits zu knapp 90 % bezahlen.

Hintergrund: Die Klage hatte kaum Aussicht auf Erfolg, denn die Mängel der Reise und des Rückflugs waren nicht genau vorgetragen. Pauschale Angaben wie riesige Baustelle oder katastrophale hygienische Zustände genügen nicht, um eine Reisepreisminderung zu begründen.

Den Reisenden war zudem ein anderes Zimmer zugewiesen worden. Inwieweit auch dort der Baulärm zu hören war, wurde nicht dargelegt. Ebenso fehlt der Nachweis, dass die Mängel mehrfach gerügt worden waren (AG München, Vergleich vom 9.12.2011, 271 C 13043/11).

Sofern Sie am Urlaubsort auf Mängel stoßen, sollten Sie diese umgehend und detailliert reklamieren. Aus Beweisgründen am besten schriftlich. Notieren Sie deshalb Datum und Uhrzeit, wann der Mangel aufgetreten ist. Machen Sie Fotos und nennen Sie Namen und Adressen von Zeugen, die den Reisemangel bestätigen können.

Weitere News zum Thema

  • Virusinfektion während einer Pauschalreise ein Reisemangel?

    [] Erkrankt ein Pauschalreisender im Hotel, ist nur dann von einem Reisemangel auszugehen, wenn die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Für eine Virusepidemie unter den Gästen ist das Hotel verantwortlich ist, wenn nachgewiesen ist, dass mindestens 10 % der Gäste daran erkrankt sind. Das muss im Streit der erkrankte Reisende nachweisen. mehr

  • Flugreise: Entschädigung gibt es nur direkt von der Airline

    [] Nationale Beschwerdestellen wie beispielsweise das deutsche Luftfahrtbundesamt sind nicht dafür zuständig, den Anspruch einzelner Flugpassagiere auf eine Fluggastentschädigung durchzusetzen (z.B. im Fall einer Flugverspätung). Betroffene Passagiere müssen sich deshalb mit ihren Forderungen direkt an die jeweilige Fluggesellschaft wenden. mehr

  • Bei Verspätung nach Todesfall muss Airline nicht zahlen

    [] Stirbt ein Passagier an einem Herzinfarkt im Flugzeug und kommt es dadurch zu einer erheblichen Verspätung, steht den anderen Fluggästen keine Ausgleichszahlung zu. Ein Todesfall ist ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand , der die Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht entbindet. mehr

  • AGB zur Änderung von Reisedaten im Flugschein muss eindeutig sein

    [] Einige Klauseln in den AGB der Lufthansa sind unwirksam, weil sie nicht transparent sind und Passagiere somit unangemessen benachteiligt werden. So darf die Airline beispielsweise keine Gebühren für die Korrektur eigener Fehler in den Reisedaten des Flugscheins verlangen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.