Reise: Höchstgrenze für den Verlust von Reisegepäck bestätigt

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Der Europäische Gerichtshof entschied: Fluggäste erhalten einen Höchstbetrag, der sämtliche Schäden abdeckt, wenn eingechecktes Gepäck verloren geht.

Ein spanischer Fluggast war im Jahre 2008 von Barcelona nach Porto geflogen. Am Ziel angekommen, blieb er ohne Gepäck, denn der aufgegebene Koffer war verloren gegangen. Von der Airline verlangte er deshalb 2.700 Euro für den Koffer samt Inhalt erstattet und zusätzlich 500 Euro für immaterielle Schäden, die mit dem Verlust des Koffers verbunden sind.

Die Fluggesellschaft beschränkte die Haftung jedoch auf den Höchstbetrag von (damals) 1000 sogenannten Sonderziehungsrechte. Sonderziehungsrechte sind eine Kunstwährung des Internationalen Währungsfonds. Sie entsprachen im Zeitpunkt der Entscheidung einem Wert von 1.134 Euro. Das Flugunternehmen berief sich dabei auf die Vorschriften des Montrealer Übereinkommen. Dies gelte für Gepäckschaden, sofern keine Zusatzversicherung abgeschlossen worden sei.

Es kam zum Rechtsstreit über die Höhe der Entschädigung. Unklar war, ob die Begrenzung insgesamt oder jeweils einzeln für materielle und immaterielle Schäden gilt. Ein spanisches Gericht hatte dem Europäischen Gerichtshof die Frage zur Klärung vorgelegt.

Der EuGH entschied, es handelt sich um eine Gesamtobergrenze für sämtliche Gepäckschäden, die am nicht gesondert versicherten, aufgegebenen Fluggepäck entstehen. Da das Abkommen den Fluggesellschaften auf der einen Seite strenge Haftungspflichten auferlegt, darf auf der anderen Seite die Höhe eindeutig beschränkt sein, so die Richter. Das dient auch einer schnellen Abwicklung und Auszahlung des Schadensersatzanspruches (EuGH, Urteil vom 6. 5. 2010, Az. C-63/09).

Rechtstipp
Sofern Sie als Passagier beim Aufgeben ihres Gepäcks einen höheren Wert angeben und einen entsprechenden Versicherungszuschlag bezahlen, können Sie die Haftung erhöhen.

Beachten Sie: Der Höchstbetrag wurde Ende 2009 erhöht! Bis dahin war er je Fluggast begrenzt auf 1000 Sonderziehungsrechte, derzeit werden 1131 Sonderziehungsrechte ersetzt. Das entspricht - je nach Tageswert - einem Betrag von rund 1.300 Euro.

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