Reise: Was gilt, wenn Sie mehrfach das Hotel wechseln müssen?

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Wer in der ersten und in der letzten Urlaubsnacht das Hotel wechseln muss, darf den Reisepreis mindern. Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude kann der betroffene Reisende jedoch nicht verlangen.

Eine Mutter unternahm mit ihren beiden Kindern eine 8-tägige Marokko-Reise. Sie buchte ein Doppelzimmer mit Frühstück zum Preis von 2.301,- Euro. Vor Ort stellte sich heraus, dass das gebuchte Hotel überbucht war. So mussten die Urlauber die erste Nacht in einem Ersatzhotel der gleichen Kategorie verbringen, die letzte Nacht in einem Hotel, das eine halbe Kategorie höher eingestuft war. Der Hoteltransfer wurde organisiert, die Hotels lagen nur wenige Autominuten voneinander entfernt. Die restlichen Tage verbrachten die Urlauber im gebuchten Hotel.

Wieder zuhause verlangte die Frau für sich und ihre Kinder 1.314,84 Euro vom Reiseveranstalter erstattet. Für die beiden Umzugstage setzte sie eine Minderungsquote von 100 Prozent an. Zusätzlich verlangte sie Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit für beide Tage in Höhe von ebenfalls 100 Prozent des Tagesreisepreises. Dieser betrage (2.301,- Euro : 7 Nächte =) 328,71 Euro. Der Reiserveranstalter war nicht bereit, die geforderte Summe zu bezahlen. Er bot insgesamt nur 298,61 Euro als Entschädigung an.

Das Amtsgericht München hatte also neu zu rechnen. Es stellte für die erste und letzte Nacht einen Reisemangel fest. Für die Unterbringung in Ersatzunterkünften kann der Tagespreis um 80 Prozent gemindert werden. Die Ersatzhotels hatten dieselbe Kategorie oder höher wie das gebuchte. Der Umzug war im Übrigen gut organisiert. Selbst wenn man die Zeit für das Kofferpacken zieht und für den Ärger abzieht, konnten beide Urlaubstage aber noch hälftig genutzt werden.

Der Tagesreisepreis beträgt jedoch nur 287,63 Euro. Denn er berechnet sich nach Tagen, nicht nach den Nächten (also: 2.301,- Euro : 8 Tage). Die Urlauberhin kann also 460,20 Euro verlangen.

Ein Anspruch auf Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit besteht darüber hinaus jedoch nicht. Denn es liegt keine erhebliche Beeinträchtigung der Reise vor. Bei einer 8-tägigen Reise fallen zwei Umzugstage nicht derart gravierend ins Gewicht, dass der Erholungswert schwindet (AG München, Urteil vom 26. 1. 2011, Az. 171 C 25962/10).

 

 

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