Reise: Urlaub auf dem Bauernhof erfordert Schutz der "Stadtmenschen"

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Wer Ferien auf einem Bauernhof macht, darf davon ausgehen, dass er vor den typischen Gefahren des Landlebens geschützt wird. Eine nur angelehnte Leiter, die auf den Heuboden führt, genügt der Verkehrssicherungspflicht nicht. Allerdings schützt Unerfahrenheit auch nicht vor Schaden.

Eine Familie machte "Ferien auf dem Bauernhof" in der Oberpfalz. Am ersten Urlaubstag erzählte die Bäuerin, auf dem Heuboden gebe es Katzenjunge, die die Gäste daraufhin sehen wollten. Der Heuboden war über eine lose, ungesicherte Aluminiumleiter frei zugänglich. Beim Rückweg kletterte die Mutter zuerst auf die Leiter. Diese verrutschte, die Frau verlor den Halt und stürzte aus drei Metern Höhe auf den Betonboden der Scheune. Dabei zog sie sich einen komplizierten Fersenbeinbruch zu. Dem Bauern warf sie vor, seine Verkehrssicherungspflicht verletzt zu haben und verlangte von ihm Schadensersatz sowie ein Schmerzensgeld in Höhe von insgesamt rund 20.400 Euro.

Das Oberlandesgericht Nürnberg entschied, der Bauer hat seine Pflichten aus dem Beherbergungsvertrag verletzt. Wer "Ferien auf dem Bauernhof" anbietet, muss seine Gäste gegen typische Gefahren des Landlebens sichern. Er hat dabei mit der Unerfahrenheit seiner Gäste zu rechnen, die mehrheitlich aus der Stadt kommen, um Ferien auf dem Land zu machen. So ist etwa davon auszugehen, dass die Gäste auf einen frei zugänglichen Heuboden klettern. Eine nur lose angelehnte Leiter für den Zugang zum Heuboden bietet nicht die nötige Sicherheit.

Allerdings muss sich die geschädigte Urlauberin ein erhebliches Mitverschulden anrechnen lassen. Vorwurf der Richter: Unerfahrenheit schützt vor Schaden nicht. Wer im Benutzen von Leitern völlig ungeübt ist, muss um Hilfe bitten. Unterlässt ein Gast dies, wiegt sein Unterlassen schwerer als die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen des Bauern. Im Ergebnis blieb die Urlauberin hier auf 2/3 ihres Schadens sitzen (OLG Nürnberg, Urteil vom 29. 8. 2008, Az. 3 U 1274/08).

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