Reise: Nur verbindliche Reisezeiten garantieren Nachtruhe

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Wer bei einer Pauschalreise keine verbindlichen Reisezeiten vereinbart, muss sich darauf einstellen, am An- bzw. Abreisetag mit wenig Schlaf auszukommen. Unkomfortable Reisezeiten stellen keinen erheblichen Reisemangel dar.

Ein Ehepaar buchte eine Pauschalreise in die Türkei zum Preis von € 2.568,-. Auf dem Programm stand zunächst eine 3-tägige Busreise, dann eine 10-tägige Kreuzfahrt im östlichen Mittelmeer und zum Ende nochmals eine 3-tägige Busreise. Verbindliche Flugzeiten waren nicht vereinbart.

Als die Urlauber den Flugschein erhielten, sahen sie, dass der Flieger für den Hinflug erst um 22.25 Uhr starten würde. Um 2.25 Uhr Ortszeit sollte das Flugzeug in der Türkei landen. Auf den mehrstündigen Transfer zum Hotel mit geplanter Ankunft um 6.00 Uhr folgte bereits um 7.00 Uhr der Start der Busreise. Dieser Zeitplan ohne Nachruhe erschien den Reisenden unzumutbar.

Die gewünschte Umbuchung des Fluges wurde jedoch abgelehnt. Daraufhin stornierten die Urlauber Reise. Sie forderten ihre Anzahlung zurück und Ersatz für nutzlose aufgewandte Urlaubszeit in Höhe des vollen Reisepreises. Der Veranstalter verweigerte die Zahlung, schließlich habe kein gravierender Mangel der Reise vorgelegen.

Das sah auch das Amtsgericht München so. Eine verkürzte Nachtruhe auf wenige Stunden stellt keine erhebliche Beeinträchtigung der Reise dar, sofern keine verbindliche Reisezeiten vereinbart wurden. Ein Pauschalreisender muss in diesem Fall damit rechnen, dass unkomfortable Abflugzeiten am An- bzw. Abreisetag auf ihn zukommen und er wenig schlafen wird.

Dabei kommt es nicht auf die Konstitution der einzelnen Reisenden an, sondern es ist ein objektiver Maßstab anzusetzen, was zumutbar ist. Hier hätten die Reisenden vor dem späten Abendflug ein ausgedehntes Mittagsschläfchen halten können. Auch während des Fluges, des mehrstündigen Transfers vom Flughafen sowie während der Busreise hätten sie Schlaf finden bzw. sich ausruhen können.

Die Kreuzfahrt stellt hier ohnehin den zentralen Erholungsteil der Reise dar. Dass die 3-tägige Busreise davor anfänglich durch Müdigkeit beeinträchtigt ist, schlägt weder auf diesen Teil der Reise noch auf die Reise als ganzes durch (AG München, Urteil vom 30. 12. 2010, Az. 173 C 23180/10).

 

 

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