Reise: Flexible Preisangaben in Reisekatalogen zulässig

 - 

Ein "tagesaktuelles Preissystem" verstößt nicht gegen geltendes Preisrecht. Ein Reiseveranstalter darf sich deshalb beispielsweise im Prospekt für die Zeit bis zur Buchung Flughafenzu- und -abschläge in Höhe von bis zu 50 Euro für jede Flugstrecke vorbehalten.

Der Prospekt eines Pauschalreiseveranstalters enthielt für die Hotel- und Flugkosten einen Anhang. Aus dieser Übersicht ergab sich für ein bestimmtes Reiseziel ein Grundpreis - abhängig vom ausgewähltem Hotel, Zimmerkategorie und Reisezeit.

Hinsichtlich der Zu- oder Abschläge für den jeweiligen Abflughafen verwies der Prospekt darauf, dass der Reisepreis je nach Buchungszeitpunkt und Abflughafen um plus/minus 50 Euro pro Flugstrecke schwanken könne. Die Zu- oder Abschläge konnten jeweils tagesaktuell beim Reisebüro erfragt werden.

Nach Ansicht der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs verstößt der Reiseveranstalter damit gegen das geltende Preisrecht. Begründung: Der Verbraucher kann dem Prospekt den verbindlichen Reisepreis nicht entnehmen.

Der Bundesgerichtshof entschied, die Katalogangaben sind für den Reiseveranstalter grundsätzlich verbindlich. Aber: Er darf sich vor Vertragsschluss eine Preisanpassung vorbehalten. Die Klausel ist beispielsweise zulässig bei Erhöhung der Beförderungskosten, für Abgaben für bestimmte Leistungen wie Hafen- und Flughafengebühren oder zur Abfederung des Wechselkursrisikos.

Ein Preisanpassungsvorbehalt ist zulässig, wenn der Veranstalter deutlich auf den Umstand hinweist, dass sich die endgültigen Preise in bestimmten Grenzen noch vor der Buchung ändern können. Hier wurde im Prospekt lediglich eine Preisänderung in beschränktem Ausmaß vorbehalten (hier: Flughafenzu- und -abschläge ± 50 Euro pro Flugstrecke; BGH, Urteil vom 29. 4. 2010, Az. I ZR 23/08).

Hinweis der Redaktion:

Die Entscheidung bezieht sich auf nur Printkataloge! Im Internet ist eine derartige Preisangabe nicht gestattet, da dort eine ständige Aktualisierung möglich ist und der Veranstalter flexibel aus sich ändernde Preise reagieren kann.

Weitere News zum Thema

  • Virusinfektion während einer Pauschalreise ein Reisemangel?

    [] Erkrankt ein Pauschalreisender im Hotel, ist nur dann von einem Reisemangel auszugehen, wenn die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Für eine Virusepidemie unter den Gästen ist das Hotel verantwortlich ist, wenn nachgewiesen ist, dass mindestens 10 % der Gäste daran erkrankt sind. Das muss im Streit der erkrankte Reisende nachweisen. mehr

  • Flugreise: Entschädigung gibt es nur direkt von der Airline

    [] Nationale Beschwerdestellen wie beispielsweise das deutsche Luftfahrtbundesamt sind nicht dafür zuständig, den Anspruch einzelner Flugpassagiere auf eine Fluggastentschädigung durchzusetzen (z.B. im Fall einer Flugverspätung). Betroffene Passagiere müssen sich deshalb mit ihren Forderungen direkt an die jeweilige Fluggesellschaft wenden. mehr

  • Bei Verspätung nach Todesfall muss Airline nicht zahlen

    [] Stirbt ein Passagier an einem Herzinfarkt im Flugzeug und kommt es dadurch zu einer erheblichen Verspätung, steht den anderen Fluggästen keine Ausgleichszahlung zu. Ein Todesfall ist ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand , der die Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht entbindet. mehr

  • AGB zur Änderung von Reisedaten im Flugschein muss eindeutig sein

    [] Einige Klauseln in den AGB der Lufthansa sind unwirksam, weil sie nicht transparent sind und Passagiere somit unangemessen benachteiligt werden. So darf die Airline beispielsweise keine Gebühren für die Korrektur eigener Fehler in den Reisedaten des Flugscheins verlangen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.