Reise: Ersatz für entgangene Urlaubsfreude auch für 5-Jährige

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Wer kann Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude verlangen, wenn eine Reise wegen gravierender Mängel vereitelt oder erheblich beeinträchtigt wird? Erwachsene auf alle Fälle. Doch auch 5-Jährige sind anspruchsberechtigt; nicht jedoch Kleinkinder im Alter von zwei oder drei Jahren.

Eine Familie mit einem 5-jährigen Sohn machte Urlaub in einer Clubanlage in Ägypten. Diese glich einer Großbaustelle. Es fehlten unter anderem der Wellness- und Fitnessbereich und die Tauchbasis. Ebenso war die Poollandschaft noch nicht fertiggestellt, insbesondere gab es kein Kinderbecken. Bereits freigegebene Pools waren schadhaft, sodass sich der Sohn beim Schwimmen verletzte. Zudem beeinträchtige Bauläum und umfangreiche Bauarbeiten innerhalb der Anlage die Urlaubsfreude der Reisenden erheblich.

Die Mängel addierten sich auf ein Minderungsquote von über 50 %, sodass die Urlaubsreise erheblich beeinträchtigt war. Die Reisenden verlangten deshalb nach Ihrer Rückkehr vom Veranstalter eine Entschädigung wegen vertanem Urlaub. Sie machten diesen Anspruch auch für den Sohn geltend.

Das Landgericht Frankfurt/Main stellte klar: Leidet eine Reise an gravierenden Mängeln, kann der Reisende neben der Minderung des Reisepreises auch eine angemessene Entschädigung wegen vertanem Urlaub verlangen.

Die Höhe des Ersatzes für entgangene Urlaubsfreude bestimmt sich individuell je nach dem einzelnen Reiseteilnehmer (z. B. seinem Alter, der beruflichen Stellung) und dem Einzelfall. Bei den Eltern wurde hier insbesondere auch berücksichtigt, dass durch das Fehlen des Kinderbeckens der Betreuungs- und Überwachungsaufwand erheblich größer war. Denn der Erholungswert der Reise ist bei Erwachsenen hervorgehoben.

Auch Schülern und Kindern steht grundsätzlich die Entschädigung zu. So ist auch der 5-jährige Sohn grundsätzlich anspruchberechtigt. Kinder in diesem Alter nehmen eine Urlaubsreise bereits bewusst als etwas "Besonderes" wahr. Denn in den Ferien gibt es keinen Alltagsstress, besondere Sachen zu essen und die Möglichkeit, ausgedehnt zu spielen, insbesondere am Strand oder Pool. Anders als bei Erwachsenen ist bei Kindern deshalb bei der Entschädigungshöhe der Erlebniswert höher zu bewerten. Dies trifft aber nicht auf Kleinkinder im Alter von zwei oder drei Jahren zu, die deshalb auch keinen Anspruch auf Entschädigung haben (LG Frankfurt/Main, Urteil vom 6. 1. 2011, Az. 2-24 S 61/10, RRa 2011 S. 63).

 

 

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