Pauschalreise: Wann gibt es Schadensersatz bei vorverlegtem Rückflug?

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Ein zehn Stunden früherer Rückflug kann einen Reisemangel darstellen. Der Reiseveranstalter schuldet hier Schadensersatz. In diesem Fall dürfen Pauschalreisende einen passenden Flug selbst buchen, sofern der Veranstalter innerhalb einer Abhilfefrist nicht handelt.

Zwei Pauschalurlauber hatten eine 1-wöchige Flugreise in die Türkei gebucht. Der Rückflug war ursprünglich für den Nachmittag des letzten Reisetages geplant. Einen Tag vor Urlaubsende wurde ihnen unter Hinweis auf die AGB des Veranstalters mitgeteilt, der Flug sei um zehn Stunden auf 5:15 Uhr vorverlegt. Der Flughafentransfer ab Hotel begann um 1:25 Uhr nachts.

Die Urlauber fanden das unzumutbar. Sie buchten daraufhin selbst einen anderen Rückflug und flogen am vorgesehenen Rückflugtag um 14:00 Uhr zurück. Sie bezahlten den Flug zunächst aus eigener Tasche und verlangten vom Veranstalter das Geld für den Flug zurück. Zusätzlich verlangten sie Entschädigung wegen vertanem Urlaub.

Der Bundesgerichtshof entschied, verlegt ein Reiseveranstalter den Rückflug um zehn Stunden nach vorne in den frühen Morgen, liegt ein Reisemangel vor. Dies gilt auch dann, wenn der Reiseveranstalter in den AGB die Flugzeiten als unverbindlich bezeichnet hat.

Folge: Der Veranstalter muss unter Umständen Schadensersatz leisten. Denn die Reisenden dürfen in diesem Fall selbst einen termingerechten Rückflug organisieren und können die Kosten dafür vom Veranstalter erstattet verlangen.

Vorausgesetzt allerdings, dass die Urlauber dem Veranstalter vor der eigenen Buchung eine sogenannte Abhilfefrist gesetzt haben oder eine solche entbehrlich war. Das ist dann der Fall, wenn der Reiseveranstalter die Vorverlegung des Flugs bewusst verursacht hat und als unvermeidlich darstellt. Ob dies im Ausgangsfall so war, muss die Vorinstanz prüfen.

Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit gibt es jedoch nicht, stellten die Richter am BGH klar. Schließlich haben die Urlauber dem Reisemangel selbst abgeholfen und den Rückflug wie ursprünglich geplant angetreten. So lag keine erhebliche Beeinträchtigung der Reise mehr vor (BGH, Urteil vom 17.4.2012, X ZR 76/11 ).

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