Online-Buchung: Reisevermittler darf keine Versicherungen aufdrängen

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Der Internet-Reisevermittler Opodo darf seine Kunden bei der Online-Buchung nicht durch irreführende Buchungsgestaltung und unseriöse Warnhinweise zum Abschluss einer Reiseversicherung drängen. Zudem ist es unzulässig, dass am Ende das Bezahlen extra kosten kann.

Verbraucherschützern war der Buchungsverlauf und die Bezahlpraxis des Internet-Reisevermittlers Opodo ein Dorn im Auge:

  • Wer über das Portal buchen wollte, musste im ersten Fenster zunächst bestätigen, auf den angebotenen Reiseschutz ausdrücklich zu verzichten und für alle Kosten selbst aufzukommen.

  • Als zweites Fenster öffnete sich ein Hinweis auf die Statistik von Flugverspätungen und eine Übersicht über mögliche Stornokosten. Zugleich wurde ein Reiseversicherungsschutz angeboten.

  • Wer an diesem Punkt Weiter anklickte, um die Buchung fortzusetzen, schloss nun automatisch eine Reiseversicherung ab – obwohl er zuvor erklärt hatte, einen solchen Schutz nicht zu wollen. Möglich machte das die Gestaltung der Buttons. Die Beschriftung Ich möchte abgesichert werden war so klein geschrieben, dass sie leicht zu überlesen war; ebenso die gut versteckte Alternative Weiter ohne Versicherung.

Folge: Viele Kunden schlossen somit gegen ihren Willen eine Reiseversicherung ab.

Schließlich kostete das Bezahlen extra. Wer nicht mit der Kreditkarte einer bestimmten Firma (hier: American Express) bezahlte, musste am Ende eine saftige sogenannte Servicepauschale drauflegen. Diese wurde aber erst nach Eingabe der persönlichen Daten im dritten Buchungsschritt auf dem Bildschirm sichtbar.

Das Landgericht Berlin schiebt dieser Praxis für Online-Buchungen nun einen Riegel vor: Der Reisevermittler Opodo muss seinen Buchungsablauf ändern. Die bisherige Praxis ist irreführend.

Die Warnungen vor möglichen Kosten während des Buchungsvorgangs sind teilweise unzutreffend. Denn beispielsweise bei Flugausfällen haben Passagiere Ersatzansprüche auch ohne Versicherungsschutz.

Zudem ist auch die Preisgestaltung irreführend. Der Gesamtpreis wird zunächst als zu niedrig ausgewiesen. Doch er gilt nur für die Bezahlung mit einer bestimmten Kreditkartet. Die anfallenden Extrakosten fürs Bezahlen mit anderen Zahlungsmitteln werden hingegen erst im letzten Buchungsschritt angegeben (LG Berlin, Urteil vom 16.4.2014, 16 U 170/13 ).

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