Kreuzfahrten müssen nach Plan stattfinden

 - 

Auf Kreuzfahrten werden häufig Ausflüge abgesagt oder die Route kurzfristig geändert. Solche Änderungen gelten als erheblicher Reisemangel, der nicht nur zur Minderung des Reisepreises berechtigt, sondern den Reisenden ein Kündigungsrecht und einen Entschädigungsanspruch einräumt. Der Bundesgerichtshof stärkt damit die Rechte der Passagiere.

Ein Reiseveranstalter bot eine 14-tägige Kreuzfahrt Sommer in Grönland an. Während der Reise kam es zu Abweichungen von der ursprünglichen Route, zudem wurden geplante Landgäng verkürzt oder fielen ganz aus. Da das Schiff verschmutztes Öl getankt hatte, wurde die Maschinenleistung gedrosselt und der Besuch der Färöer sowie der Orkney Inseln entfiel.

Einige Reisende brachen daraufhin die Kreuzfahrt vorzeitig ab und flogen nach Hause, andere gingen erst in Kiel von Bord. Der Veranstalter erstattete den Passagieren 40 % des Reisepreises. Das war den Betroffenen nicht genug - und der Zug durch die Instanzen begann.

Der Bundesgerichtshof sah anders als die Vorinstanzen in den ausgefallenen und/oder verkürzten Ausflügen und Landgängen sowie der geänderten Route einen erheblichen Reisemangel der Kreuzfahrt begründet. Denn eine Kreuzfahrt muss die versprochenen Routen und Landgänge beinhalten. Andernfalls dürfen die Reisenden den Reisepreis nicht nur mindern, sondern sind mitunter auch berechtigt, die Reise zu kündigen (§ 651 e Abs. 2 BGB) und sie können auch Schadensersatzanspruch wegen vertanen Urlaubs geltend machen (§ 651 f Abs. 2 BGB).

Ob eine Reise erheblich beeinträchtigt ist, wird aufgrund einer Gesamtbewertung der Mängel der Reiseleistung beurteilt. Die Minderungsquote bietet dafür nur einen Anhaltspunkt. Das Oberlandesgericht hat die ausgefallenen Landgänge nicht ausreichend berücksichtigt und muss die Quote deshalb erneut prüfen, um die der Reisepreis in diesem Fall zu mindern ist. Deshalb verwies der BGH die Sache zurück an das OLG (BGH, Urteil vom 14.5.2013, X ZR 15/11 ).

Weitere News zum Thema

  • Virusinfektion während einer Pauschalreise ein Reisemangel?

    [] Erkrankt ein Pauschalreisender im Hotel, ist nur dann von einem Reisemangel auszugehen, wenn die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Für eine Virusepidemie unter den Gästen ist das Hotel verantwortlich ist, wenn nachgewiesen ist, dass mindestens 10 % der Gäste daran erkrankt sind. Das muss im Streit der erkrankte Reisende nachweisen. mehr

  • Flugreise: Entschädigung gibt es nur direkt von der Airline

    [] Nationale Beschwerdestellen wie beispielsweise das deutsche Luftfahrtbundesamt sind nicht dafür zuständig, den Anspruch einzelner Flugpassagiere auf eine Fluggastentschädigung durchzusetzen (z.B. im Fall einer Flugverspätung). Betroffene Passagiere müssen sich deshalb mit ihren Forderungen direkt an die jeweilige Fluggesellschaft wenden. mehr

  • Bei Verspätung nach Todesfall muss Airline nicht zahlen

    [] Stirbt ein Passagier an einem Herzinfarkt im Flugzeug und kommt es dadurch zu einer erheblichen Verspätung, steht den anderen Fluggästen keine Ausgleichszahlung zu. Ein Todesfall ist ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand , der die Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht entbindet. mehr

  • AGB zur Änderung von Reisedaten im Flugschein muss eindeutig sein

    [] Einige Klauseln in den AGB der Lufthansa sind unwirksam, weil sie nicht transparent sind und Passagiere somit unangemessen benachteiligt werden. So darf die Airline beispielsweise keine Gebühren für die Korrektur eigener Fehler in den Reisedaten des Flugscheins verlangen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.