Keine Entschädigung für verpassten Flug wegen Warteschlange

 - 

Flugreisende, die ihren Flug aufgrund einer langen Warteschlange beim Einchecken verpassen, haben keinen Anspruch auf Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung.

Ein Flugpassagier verpasste seinen Flug aufgrund einer langer Wartezeit beim Check-in. Er gab an, bereits um 8:00 Uhr am Flughafen gewesen zu sein. Trotzdem habe er erst um 14:00 Uhr sein Gepäck aufgeben können. Da war sein Flieger, der pünktlich um 11:15 Uhr abhob, längst ohne ihn gestartet. Der Flugreisende reklamierte daraufhin auf der Grundlage der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Entschädigung in Höhe von 400,00 € für sich.

Vor dem Bundesgerichtshof hatte die Klage keinen Erfolg. Die Voraussetzungen der Fluggastrechte-Verordnung sind nicht erfüllt, weder handelte es sich hier um eine mehrstündige Verspätung noch um eine Flugannullierung.

Auch liegt kein Fall einer Nichtbeförderung vor. Diese setzt voraus, dass die Fluggesellschaft sich ausdrücklich weigert, einen Passagier mitzunehmen, der am Gate zum Abflug bereit steht. Hier war der Fluggast noch nicht einmal bis zum Flugsteig gekommen, sondern stand noch am Check-in-Schalter im Zeitpunkt des Abfluges.

Die Richter am Bundesgerichtshof wiesen ergänzend jedoch darauf hin, die EU-Verordnung sichere nur Mindestrechte. Einem Fluggast können also durchaus weitere Ansprüche zustehen (z.B. aus dem Beförderungsvertrag mit der Fluggesellschaft). Diese sind dann aber auch ausdrücklich geltend zu machen, was hier nicht der Fall war (BGH, Urteil vom 16.4.2013, X ZR 83/12 ).

Weitere News zum Thema

  • Virusinfektion während einer Pauschalreise ein Reisemangel?

    [] Erkrankt ein Pauschalreisender im Hotel, ist nur dann von einem Reisemangel auszugehen, wenn die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Für eine Virusepidemie unter den Gästen ist das Hotel verantwortlich ist, wenn nachgewiesen ist, dass mindestens 10 % der Gäste daran erkrankt sind. Das muss im Streit der erkrankte Reisende nachweisen. mehr

  • Flugreise: Entschädigung gibt es nur direkt von der Airline

    [] Nationale Beschwerdestellen wie beispielsweise das deutsche Luftfahrtbundesamt sind nicht dafür zuständig, den Anspruch einzelner Flugpassagiere auf eine Fluggastentschädigung durchzusetzen (z.B. im Fall einer Flugverspätung). Betroffene Passagiere müssen sich deshalb mit ihren Forderungen direkt an die jeweilige Fluggesellschaft wenden. mehr

  • Bei Verspätung nach Todesfall muss Airline nicht zahlen

    [] Stirbt ein Passagier an einem Herzinfarkt im Flugzeug und kommt es dadurch zu einer erheblichen Verspätung, steht den anderen Fluggästen keine Ausgleichszahlung zu. Ein Todesfall ist ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand , der die Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht entbindet. mehr

  • AGB zur Änderung von Reisedaten im Flugschein muss eindeutig sein

    [] Einige Klauseln in den AGB der Lufthansa sind unwirksam, weil sie nicht transparent sind und Passagiere somit unangemessen benachteiligt werden. So darf die Airline beispielsweise keine Gebühren für die Korrektur eigener Fehler in den Reisedaten des Flugscheins verlangen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.