Hundehalter haftet für nicht angeleinten Hund

Kollidiert ein Radfahrer mit einem frei laufenden Hund, spricht der erste Anschein dafür, dass die sogenannte "Tiergefahr" für den Sturz ursächlich war. In diesem Fall haftet der Tierhalter. Dies gilt insbesondere, wenn aufgrund einer städtischen Verordnung Leinenzwang besteht und dieser missachtet wird.

Ein Ehepaar radelte auf einem Wirtschaftsweg. Dort lief ihnen ein französischer Hirtenhund entgegen. Der Hund war nicht angeleint. Er streifte dabei nach Aussage der Frau das rechte Vorderrad ihres Fahrrads, sodass sie stürzte und sich den Brustwirbelkörper brach. Der Hundehalter lehnte die Verantwortung ab. Es sei zu keinen Kontakt zwischen Rad und Hund gekomen. Außerdem habe die Radfahrerin den ihr bekannten Hund angesprochen und sei deshalb zu langsam gefahren.

Das Oberlandesgericht Hamm hatte in diesem Hundestreit das letzte Wort. Es entschied zugunsten der Verletzten. Diese muss nicht konkret nachweisen, dass der Hund den Unfall verursachte. Vielmehr spricht der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass die Begegnung mit dem Hund und der Sturz in unmittelbarem örtlichen und zeitlichen Zusammenhang standen. Somit gilt das Verhalten des Hundes für den Unfall als ursächlich. Daher haftet der Tierhalter nach § 833 BGB.

Diese Beweissituation wird zusätzlich durch die Tatsache gestützt, dass das Tier entgegen der städtischen Hundeanleinverordnung frei herumlief.

Der Anscheinsbeweis konnte durch das Vorbringen des Hundehalters nicht erschüttert werden. Es ist wenig plausibel, dass eine geübte Radfahrerin ohne besonderen Anlass aufgrund einer langsamen Fahrweise stürzt (OLG Hamm, Urteil vom 21. 7. 2008, Az. 6 U 60/08, r+s 2009 S. 527).

Rechtstipp
Als Tierhalter sollten Sie unbedingt eine spezielle Tierhalter-Haftpflichtversicherung abschließen, um im Fall des Falles versichert zu sein. Eine private Haftpflichtversicherung hilft Ihnen hier nicht.


Mehr zur rechtlichen Seite der Tierhaltung erfahren Sie in den "Rechtstipps", Gruppe 10.

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