Haustierhaltung: Unangeleinter Hund - Hundehalter haftet

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Rennt ein unangeleinter Hund einen Menschen um, sodass dieser sich erheblich verletzt, kann der Geschädigte neben den Heilungskosten auch Schmerzensgeld und Ersatz des Haushaltsführungsschaden vom Tierhalter verlangen.

Zwei Hundehalter waren mit ihren Hunden spazieren. Beide Hunde waren nicht angeleint. Der Hund des einen rannte plötzlich los und horchte nicht auf sein Herrchen, der ihn zum Stehenbleiben bewegen wollte. Der Hund prallte mit Schwung gegen den anderen Hundehalter, der dadurch zu Fall kam. Er erlitt eine schmerzhafte Prellung sowie eine Gesichtsverletzung. Er verlangte vom Hundehalter 2.000,- Euro Schmerzensgeld sowie den Ersatz eines Haushaltsführungsschaden.

Letzteren begründete er damit, dass er aufgrund des Unfalls über mehrere Wochen nicht bzw. nur eingeschränkt in der Lage gewesen sei, seiner Frau bei der Arbeit im Haushalt sowie bei der Führung ihrer Pension zu helfen. Er bezifferte seinen Zeitaufwand für die Haushaltstätigkeit mit 15 Stunden und gab an, 70,5 Stunden im Gewerbebetrieb seiner Ehefrau mitzuarbeiten.

Der verklagte Hundehalter hielt der Forderung entgegen, den Geschädigten treffe eine Mitschuld am Unfall, weil auch sein Hund nicht angeleint war

Das Landgericht Coburg bejahte die Haftung des Tierhalters für die Unfallfolgen, für die das Verhalten seines Hundes ursächlich war (§ 833 BGB). Es sprach dem Geschädigten einen Schmerzensgeldanspruch in Höhe von 2.000,- Euro zu. Eine Kürzung erwog das Gericht nicht. Der Unfall wäre auch passiert, wenn der Hund des Verletzten angeleint gewesen wäre.

Zusätzlich erhielt der Geschädigte einen Haushaltsführungsschaden von rund 1.300,- Euro. Der Berechnung legte das Gericht eine Arbeitszeit von 42 Wochenstunden im Haushalt und im Pensionsbetrieb zugrunde. Es staffelte die Berechnung wie folgt: Für die ersten beiden Wochen nach dem Unfall wurde die Minderung der Erwerbsfähigkeit mit 100 Prozent angesetzt, für die Wochen drei und vier mit 60 Prozent, für zwei weitere Wochen noch mit 30 Prozent.

Sofern über diesen Zeitraum hinaus noch eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von rund 10 Prozent vorlag, bleibt sie unberücksichtigt. Hierfür muss der Tierhalter nicht aufkommen. Denn in solch geringem Umfang kann der Ausfall durch eine geänderte Haushaltsorganisation kompensiert werden (LG Coburg, Urteil vom 27. 7. 2010, Az. 13 O 37/09).

 

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