Flugreise: Türen zu heißt, draußen bleiben

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Eine Airline darf einen verspäteten Fluggast von der Beförderung ausschließen. Das gilt beispielsweise für den Fall, dass ein Passagier erst nach Schließung der Flugzeugtüren am Gate erscheint. Der Fluggast hat keinen Anspruch auf Schadensersatz.

Eine 4-köpfige Familie hatte eine Flugreise nach Südafrika gebucht. Doch die Reise gestaltete sich mit Hindernissen. Der Zubringerflug hatte 50 Minuten Verspätung. So bleiben der Familie nur noch 30 Minuten zum Einchecken in den Anschlussflug. Das war zu knapp: Die Reisenden erreichten das Gate erst, als die Flugzeugtüren bereits geschlossen waren.

Grund der Verzögerung war eine Passkontrolle, anlässlich derer der Kinderausweis der Tochter beanstandet wurde. Es fehlte eine freie Seite für Sichtvermerke, was südafrikanischen Einreisebestimungen widerspricht. Deshalb musste ein Ersatzausweis ausgestellt werden.

Die Familie flog deshalb mit einem fünf Stunden später startenden Flug weiter. Sie verlangte von der Fluggesellschaft Schadensersatz wegen Nichtbeförderung. Die Fluggäste waren der Meinung, das Personal hätte die Flugzeugtür noch einmal öffnen müssen, schließlich sei das Flugzeug noch in Parkposition gestanden.

Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main beurteilte dies anders. Die Familie hat keinen Schadensersatzanspruch. Die Fluggesellschaft durfte die Beförderung der Fluggäste ablehnen.

Die durch die Passkontrolle entstandene Verzögerung geht zulasten der Reisenden, denn die Ausweispapiere des Kindes waren unzureichend.

Sind die Flugzeugtüren erst einmal zu, besteht keine Rechtspflicht für die Airlines, bis zum Wegrollen des Flugzeuges verspätete Fluggäste aufzunehmen - auch wenn dies in Ausnahmefällen aus Kulanz gelegentlich gemacht wird. Der Flugreisende hat keinen Anspruch, dass bereits geschlossene Flugzeugtüren nochmals geöffnet werden. Der Flugverkehr soll dadurch nicht beeinträchtigt werden (OLG Frankfurt/Main, Urteil vom 1. 10. 2009, Az. 16 U 18/08).

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