Flugpreise müssen bei Onlinebuchung alle Gebühren enthalten

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Verbraucherschützer klagten erfolgreich gegen Air Berlin und Ryanair: Der Endpreis für ein über Internet angebotenes Flugticket muss sämtliche Gebühren (z.B. für Steuern, Flughafengebühren, Kerosinzuschläge) und Zusatzkosten (z.B. Bearbeitungebühren) enthalten.

Eine EU-Verordnung dient dem Schutz von Passagieren vor irreführenden Lockvogelangeboten. Danach sind Flugpreise gegenüber Verbrauchern stets einschließlich aller obligatorischen Steuern, Gebühren, Zuschläge und sonstigen Entgelte anzugeben. Aber nicht alle Fluggesellschaften halten sich daran. Verbraucherschützern waren folgende Praktiken bei der Onlinebuchung von Flugtickets ein Dorn im Auge.

Beispiel:
  • Kunden von Air Berlin mussten für einen Flug von Berlin nach Frankfurt statt 41,00 € tatsächlich 74,00 € zahlen. Der angezeigte, vermeintlich günstige Tarif war deutlich zu niedrig. Denn er enthielt weder Steuern, Flughafengebühr noch Kerosinzuschläge. Auch die sogenannte Service Charge von 10,00 € oder 15,00 € für die Zahlung per Lastschrift oder Kreditkarte fehlte. Der Gesamtpreis wurde für den jeweils voreingestellten oder angeklickten Flug und nur unterhalb der Preistabelle aufgeführt.

  • Die Fluggesellschaft Ryanair gab die Flugpreise bei der Onlinebuchung ohne die Bearbeitungsgebühr von 5,00 € für die Bezahlung des Tickets an. Kostenfrei waren lediglich Zahlungen mit einer in Deutschland nahezu unbekannten Prepaidkarte. Von der Extra-Gebühr erfuhren Kunden erst im dritten Buchungsschritt.

Die Richter am Kammergericht Berlin schlossen sich der Auffassung der Verbraucherschützer an, die Preisdarstellung ist während des Buchungsvorgangs unvollständig und irreführend. Der Kunde soll die Preise verschiedener Fluggesellschaften effektiv vergleichen können.

Deshalb reicht es nicht aus, den Endpreis an irgendeiner Stelle im Buchungsvorgang zu nennen. Eine Fluggesellschaft muss stets den korrekten Endpreis angeben - einschließlich aller Gebühren und Zusatzkosten, soweit sie für den Kunden unvermeidbar anfallen.

Folge: Die betroffenen Fluggesellschaften dürfen im Internet nicht mehr mit irreführenden Flugpreisen werben. Air Berlin muss künftig die Preise immer inklusive Steuern, Gebühren und Kerosinzuschlägen ausweisen. Ryanair wurde dazu verurteilt, auch die Bearbeitungsgebühr für die Ticketzahlung in den Flugpreis einzurechnen (KG Berlin, Urteil vom 4.1.2012, 24 U 90/10 ; KG Berlin, Urteil vom 9.12.2011, 5 U 147/10 ).

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