FIS-Regeln sind auf Skipisten rechtlich verbindlich

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Die sogenannten "FIS-Regeln", also Verhaltensregeln des Internationalen Skiverbandes, sind auf Skipisten rechtlich bindend. Danach wird das Verschulden bei einem Skiunfall bemessen.

Eine Skifahrerin war am Neujahrstag 2007 in Obertauern (Österreich) mit einem 17-Jährigen zusammengestoßen. Die Frau fuhr in großen Bögen die Piste hinunter. Der junge Mann versuchte, sie in kurzen, schnellen Schwüngen zu überholen. Dabei prallten die beiden Sportler zusammen. Die Frau trug eine schwere Knieverletzung davon. Vor Gericht ging es unter anderem um Schmerzensgeld.

Das Oberlandesgericht Hamm entschied zugunsten der Skifahrerin und sprach ihr Schmerzensgeld zu. Das Gericht stellte fest, die FIS-Regeln sind "maßgebliches Verkehrsrecht" auf Skipisten. Diese Regeln hat der jugendliche Fahrer fahrlässig missachtet. Der 17-Jährige hat als der von hinten kommende, schnellere Skifahrer nicht ausreichend auf die vor ihm fahrende, langsamere Skifahrerin geachtet. Er hat außerdem nicht mit ausreichend Abstand überholt. Insbesondere hat er damit gegen die FIS-Regeln 1 bis 4 verstoßen. Diese lauten:
  1. Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.
  2. Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.
  3. Der von hinten kommende Skifahrer und Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet.
  4. Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder von links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.
(OLG Hamm, Urteil vom 5. 11. 2008, Az.  I-13 U 81/08).

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wie die Gerichte bei Sportunfällen entscheiden, lesen Sie die Gruppe 10 der "Rechtstipps".

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