Fahrkartenkontrolle: Was gilt, wenn Sie Ihre BahnCard nicht vorlegen können?

 - 

Wer zwar einen gültigen Fahrausweis hat, diesen anlässlich einer Kontrolle aber nicht vorlegen kann, muss einen erhöhten Fahrpreis bezahlen. Dieser ermäßigt sich auf 7,00 €, wenn der Reisende innerhalb einer Woche den Fahrausweis vorlegt. Das gilt auch, wenn der Fahrgast eine BahnCard erworben hat, die ihm seitens der Bahn aber noch nicht übersandt wurde.

Eine Bahn-Kundin hatte sich eine BahnCard 50 gekauft. Sie erhielt zunächst nur die vorläufige BahnCard ausgehändigt. Diese war bis zum 19.3.2012 gültig. Die eigentliche BahnCard ließ auf sich warten. Die Frau erhielt sie schlussendlich erst im Juli 2012.

So fuhr die Frau Ende April mit dem Zug nach Düsseldorf. Anlässlich der Fahrkartenkontrolle konnte Sie dem Schaffner aber nur die (abgelaufene) vorläufige BahnCard vorlegen. Der Kontrolleur sah darin einen Fall der Reise ohne gültigen Fahrschein. Er verlangte daraufhin von der Frau einen erhöhten Fahrpreis (hier: 109,00 €), also etwa das Doppelte des BahnCard-Tarifs.

Die Frau zahlte jedoch nicht. Sie legte im Juli ihre BahnCard 50 an einem Schalter vor. Die Deutsche Bahn verlangte nach wie vor den erhöhten Fahrpreis in Höhe von 109,00 € von ihr.

Das Amtsgericht München stellte sich auf die Seite der Kundin. Ein Reisender muss einen erhöhten Fahrpreis bezahlen, wenn er sich einen gültigen Fahrausweis beschafft hat, ihn jedoch bei einer Prüfung der Fahrausweise nicht vorzeigen kann (§ 12 Eisenbahnverkehrsordnung).

Der erhöhte Fahrpreis ermäßigt sich aber auf 7,00 €, wenn der Reisende innerhalb einer Woche an einem Bahnhof belegt, dass er am Reisetag einen gültigen Fahrausweis hatte.

Gleich behandelt wird der Fall, dass eine erworbene BahnCard lediglich noch nicht an den Kunden übersandt wurde. Allerdings gilt hier die 1-Wochen-Frist nicht, da die Einhaltung der Frist nicht im Einflussbereich des Kunden liegt.

Außerdem ist es treuwidrig, wenn die Bahn durch das späte Versenden einer BahnCard erreichen kann, dass der Inhaber für eine Fahrt den vollen Fahrpreis zahlen muss.

Folge: Die Frau muss daher nur 7,00 € bezahlen. Dieser Betrag ist als Verwaltungsgebühr anzusehen (AG München, Urteil vom 27.12.2012, 173 C 21023/12 ).

Wer als Bahnkunde seine BahnCard vergisst, sollte sie innerhalb einer Woche am Schalter vorlegen und sich auf die Ermäßigung des erhöhten Fahrpreises berufen.

Weitere News zum Thema

  • Virusinfektion während einer Pauschalreise ein Reisemangel?

    [] Erkrankt ein Pauschalreisender im Hotel, ist nur dann von einem Reisemangel auszugehen, wenn die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Für eine Virusepidemie unter den Gästen ist das Hotel verantwortlich ist, wenn nachgewiesen ist, dass mindestens 10 % der Gäste daran erkrankt sind. Das muss im Streit der erkrankte Reisende nachweisen. mehr

  • Flugreise: Entschädigung gibt es nur direkt von der Airline

    [] Nationale Beschwerdestellen wie beispielsweise das deutsche Luftfahrtbundesamt sind nicht dafür zuständig, den Anspruch einzelner Flugpassagiere auf eine Fluggastentschädigung durchzusetzen (z.B. im Fall einer Flugverspätung). Betroffene Passagiere müssen sich deshalb mit ihren Forderungen direkt an die jeweilige Fluggesellschaft wenden. mehr

  • Bei Verspätung nach Todesfall muss Airline nicht zahlen

    [] Stirbt ein Passagier an einem Herzinfarkt im Flugzeug und kommt es dadurch zu einer erheblichen Verspätung, steht den anderen Fluggästen keine Ausgleichszahlung zu. Ein Todesfall ist ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand , der die Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht entbindet. mehr

  • AGB zur Änderung von Reisedaten im Flugschein muss eindeutig sein

    [] Einige Klauseln in den AGB der Lufthansa sind unwirksam, weil sie nicht transparent sind und Passagiere somit unangemessen benachteiligt werden. So darf die Airline beispielsweise keine Gebühren für die Korrektur eigener Fehler in den Reisedaten des Flugscheins verlangen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.