Anspruch auf Ausgleichszahlung für vorverlegte Flüge möglich

 - 

Als Flugreisender können Sie unter Umständen eine Ausgleichszahlung verlangen, wenn Ihr Flug um mehrere Stunden vorverlegt wurde. Zwar hat TUI durch das Anerkenntnis der Forderung zweier betroffener Fluggäste ein Grundsatzurteil des BGH für die Flugbranche verhindert, dennoch ist das Anerkenntnisurteil richtungsweisend.

Ein Ehepaar hatte Flüge von Düsseldorf nach Fuerteventura und zurück gebucht. Der Rückflug, so gab die Airline kurzfristig bekannt, wurde um mehrere Stunden vorverlegt. Den Passagieren wurde drei Tage vor Abflug mitgeteilt, sie müssten statt um 17:25 Uhr bereits morgens um 8:30 Uhr abfliegen.

Die Fluggäste argumentierten, diese Vorverlegung des Fluges käme einer Annullierung gleich, und verlangten eine Ausgleichszahlung in Höhe von je 400,00 €.

Der Bundesgerichtshof kam zu dem Schluss, eine mehr als nur geringfügige Vorverlegung eines Fluges ist rechtlich als Annullierung des ursprünglichen Fluges im Sinne der Fluggastrechte-Verordnung zu bewerten.

Eine Annullierung wird dadurch gekennzeichnet, dass die Airline die ursprüngliche Flugplanung endgültig aufgibt – auch wenn die Passagiere auf einen anderen Flug verlegt werden. Die Vorverlegung der ursprünglichen Flugplanung um mehrere Stunden (im Streitfall um etwa neun Stunden) – verbunden mit dem Angebot einer anderweitigen Beförderung – stellt eine Aufgabe des Flugs dar, die Ausgleichsansprüche auslöst (BGH, Urteil vom 9.6.2015, X ZR 59/14 ).

Hinweis der Redaktion:

Da im vorliegenden Fall das Luftfahrtunternehmen TUI die Forderung der klagenden Fluggäste überraschend anerkannte, kam es prozessual zu einem sogenannten Anerkenntnisurteil. Das heißt, die Flugreisenden erhielten die Ausgleichszahlung zugesprochen, ohne dass die eigentliche Rechtsfrage geklärt werden konnte. Berufen Sie sich gleichwohl auf die Bewertung des Sachverhaltes durch den BGH, um in vergleichbaren Fällen einem finanziellen Ausgleich zu erhalten.

Weitere News zum Thema

  • Virusinfektion während einer Pauschalreise ein Reisemangel?

    [] Erkrankt ein Pauschalreisender im Hotel, ist nur dann von einem Reisemangel auszugehen, wenn die Ursache für die Erkrankung im Verantwortungsbereich des Reiseunternehmens liegt. Für eine Virusepidemie unter den Gästen ist das Hotel verantwortlich ist, wenn nachgewiesen ist, dass mindestens 10 % der Gäste daran erkrankt sind. Das muss im Streit der erkrankte Reisende nachweisen. mehr

  • Flugreise: Entschädigung gibt es nur direkt von der Airline

    [] Nationale Beschwerdestellen wie beispielsweise das deutsche Luftfahrtbundesamt sind nicht dafür zuständig, den Anspruch einzelner Flugpassagiere auf eine Fluggastentschädigung durchzusetzen (z.B. im Fall einer Flugverspätung). Betroffene Passagiere müssen sich deshalb mit ihren Forderungen direkt an die jeweilige Fluggesellschaft wenden. mehr

  • Bei Verspätung nach Todesfall muss Airline nicht zahlen

    [] Stirbt ein Passagier an einem Herzinfarkt im Flugzeug und kommt es dadurch zu einer erheblichen Verspätung, steht den anderen Fluggästen keine Ausgleichszahlung zu. Ein Todesfall ist ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand , der die Fluggesellschaft von der Zahlungspflicht entbindet. mehr

  • AGB zur Änderung von Reisedaten im Flugschein muss eindeutig sein

    [] Einige Klauseln in den AGB der Lufthansa sind unwirksam, weil sie nicht transparent sind und Passagiere somit unangemessen benachteiligt werden. So darf die Airline beispielsweise keine Gebühren für die Korrektur eigener Fehler in den Reisedaten des Flugscheins verlangen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.