Wie oft muss berufstätiger Mieter bei Schimmelbildung lüften?

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Vom berufstätigen Mieter einer Altbauwohnung, deren Dämmung nicht mehr heutigen Ansprüchen entspricht, kann 3–4 mal tägliches Stoßlüften verlangt werden, um einer Schimmelbildung vorzubeugen.

Etwa zweieinhalb Jahre nach Einzug des Mieters traten in seiner Wohnung Schimmel an den Wänden auf. Außerdem waren die Fenster regelmäßig beschlagen. Er zeigte dies seinem Vermieter an und minderte die Miete. Der Vermieter hielt die Minderung für unzulässig, weil die Schimmelbildung nach seiner Meinung auf einem fehlerhaften Lüftungsverhalten des Mieters beruhte. Dabei wies er darauf hin, dass ähnliche Erscheinungen weder bei dem Vormieter, noch in anderen Wohnungen des Hauses aufgetreten seien.

Ein im Gerichtsverfahren eingeschalteter Gutachter stellte fest: Der Schimmel beruht nicht auf von außen eindringender Feuchtigkeit, sondern auf sogenannter Dampfdiffusion. Zwar entspricht der bauliche Zustand des Hauses zum Beispiel wegen vorhandener Kältebrücken nicht mehr den heutigen Anforderungen, jedoch kann die Schimmelbildung durch tägliches Stoßlüften vermieden werden.

Entsprechend entschied das Landgericht Frankfurt: Die Minderung war unzulässig, weil der Mieter den Schimmel durch mangelndes Lüften selbst verursacht hatte. Auch einem berufstätigen Mieter ist zuzumuten, 3–4 mal täglich stoßweise zu lüften. So kann er zum Beispiel morgens vor Verlassen des Hauses 1–2 mal, dann am Nachmittag nach Rückkehr von der Arbeit und nochmals abends lüften.

Dass durch eine Wärmedämmung im Bereich der Kältebrücken ein solches Lüftungsverhalten überflüssig würde, ändert an der Verantwortlichkeit des Mieters nichts. Denn die Bausubstanz des Hauses entspricht den zur Zeit der Errichtung des Hauses geltenden DIN-Normen und dem damaligen Stand der Technik. Insofern ist der Vermieter auch nicht verpflichtet, das Haus auf den aktuellen Standard nachzurüsten (LG Frankfurt/M., Urteil vom 7.2.2012, Az. 2–17 S 89/11).

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