Mieter darf im Stehen pinkeln

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Wird der Mieter von seinem Vermieter nicht darauf hingewiesen, dass Urinspritzer den in der Toilette verlegten Marmorfußboden beschädigen können, haftet der Mieter nicht, wenn ein entsprechender Schaden auftritt.

Die Vermieterin verlangte von ihrem Mieter die Erstattung der Kosten (1.935,90 €) für die Erneuerung der Marmorböden im Bad und im Gäste-WC mit der Begründung: Urinspritzer hätten die Marmorböden rings um den eigentlichen Toilettenbereich abgestumpft. Der Mieter weigerte sich zu zahlen und berief sich darauf, dass er von der Vermieterin nicht auf die besondere Empfindlichkeit des verlegten Materials gegenüber Urin hingewiesen worden war.

Das Amtsgericht Düsseldorf wies die Klage der Vermieterin ab mit der augenzwinkernden Begründung: Es bedarf vorliegend keiner näheren Erörterung, ob in der heutigen Zeit das Urinieren im Stehen als solches eines vertragsgemäße Nutzung der Mietsache darstellt. Selbst wenn man dies zugunsten der Vermieterin verneinen würde, würde es jedenfalls an einem Verschulden des Mieters fehlen.

Trotz der in diesem Zusammenhang zunehmenden Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen durchaus noch weit verbreitet. Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit bisweilen erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen.

Dass das Urinieren im Stehen derartige Auswirkungen haben kann, dürfte im Allgemeinen unbekannt sein. Insoweit wäre es Sache der Vermieterin gewesen, den Mieter auf die besondere Empfindlichkeit des Fußbodens hinzuweisen. Da dies aber nicht geschehen war, ist der Mieter mangels Verschuldens nicht zum Schadensersatz verpflichtet (AG Düsseldorf, Urteil vom 20.1.2015, Az. 42 C 10583/14).

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