Nachehelicher Unterhalt: Wie viele Stunden muss der betreuende Elternteil arbeiten gehen?

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Eine wöchentliche Erwerbstätigkeit von 25 Stunden ist ausreichend, wenn Sie ein fünfjähriges Kind betreuen und dessen Betreuung ansonsten nicht sichergestellt ist. Von Ihnen wird nicht verlangt, die gesamte Zeit der Fremdbetreuung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Eine geschiedene Frau wohnt mit ihrem 5-jährigen Sohn in Wien, wo sie zunächst eine Vollzeitstelle innehatte. Seit Mai 2012 hat sie die Wochenarbeitszeit auf 25 Stunden reduziert, da sie anderweitig die Betreuung ihres Sohnes nicht sicherstellen kann. Als Ausgleich verlangt sie Betreuungsunterhalt. Dagegen wendet sich ihr Ex-Mann.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf gesteht der Frau als Betreuungsunterhalt die Differenz zwischen ihrem tatsächlichen Einkommen und ihrem möglichen Einkommen bei Ganztagstätigkeit zu.

Zum einen wäre die Betreuung des Kindes bei einer Vollzeitstelle nicht sichergestellt. Ihr Sohn besucht einen Kindergarten, der eine Betreuung bis maximal 17 Uhr bietet. Sie selbst arbeitet als Store Managerin mit einem regelmäßigen Arbeitsbeginn um 10 Uhr. Würde Sie Vollzeit arbeiten, käme sie unter Berücksichtigung der Fahrzeiten erst zwischen 19 und 19:30 Uhr nach Hause. Somit entsteht eine Betreuungslücke von gut zwei Stunden. Hierin liegt ein sogenannter kindbezogener Verlängerungsgrund hinsichtlich des nachehelichen Unterhalts.

Daneben ist aber auch ein elternbezogener Verlängerungsgrund gegeben. Denn unter dem Gesichtspunkt der gerechten Lastenverteilung ist der Frau zuzugestehen, nicht während der gesamten Zeit arbeiten gehen zu müssen, die das Kind im Kindergarten ist. Ihr ist ein gewisser Spielraum für Arztbesuche, Behördengänge, Einkäufe sowie auch die Hausarbeit zu belassen. Nur so hat sie wirklich die Möglichkeit, sich nach der Arbeit auch noch richtig um ihr Kind zu kümmern (OLG Düsseldorf, Urteil vom 17.12.2013, II-1 UF 180/13, FamRZ 2014 S. 772).

Der Betreuungsunterhalt wurde der Frau aber nur für fünf Jahre gewährt. Nach drei Jahren Trennungs- und fünf Jahren Betreuungsunterhalt ist ihr zuzumuten, ihren Bedarf selbst zu decken. Das Kind ist dann 10 Jahre alt und ihr eine Ganztagstätigkeit zuzumuten.

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