Volljährigenunterhalt: Eltern bestimmen, ob sie Auszug des Kindes finanzieren wollen

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Volljährige Kinder, die sich noch in der Ausbildung befinden und auf das finanzielle Wohlwollen ihrer Eltern angewiesen sind, können zwar ausziehen. Die Eltern müssen da aber nicht mitmachen. Sie können sich darauf beschränken, dem Kind Kost und Logis und ein angemessenes Taschengeld anzubieten.

Eine 18-Jährige absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin in der Nähe der elterlichen Wohnung. Eine Ausbildungsvergütung erhielt sie nicht. Wegen Auseinandersetzungen mit der Mutter über die üblichen Probleme wie Mithilfe und gegenseitige Rücksichtnahme im elterlichen Haushalt war die Tochter zu ihrem Freund gezogen. Sie forderte deshalb statt des bisherigen kostenlosen Wohnens, Verpflegung, Übernahme von Handy- und Fahrtkosten, Überlassung von Kindergeld Bares von den Eltern. Der Familiensenat am Oberlandesgericht Karlsruhe machte ihr einen dicken Strich durch die Rechnung.

Das Gericht entschied, dass die Eltern auch nach Eintritt der Volljährigkeit weiterhin berechtigt sind, den Unterhalt in Form von Naturalunterhalt statt reinen Barunterhalt zu leisten. Dieses Recht entfällt nur dann, wenn schwerwiegende Gründe dagegen sprechen. Und das heißt, es muss eine tiefgreifende, voraussichtlich nicht behebbare Entfremdung oder die Unzumutbarkeit der Rückkehr in den elterlichen Haushalt aus gesundheitlichen Gründen vorliegen. Das sah das Gericht hier nicht als gegeben an. Es handele sich hier vielmehr um typische Konflikte im Rahmen des familiären Zusammenlebens, die eine Unwirksamkeit der Unterhaltsbestimmung nicht rechtfertigten.

Äußerungen der Mutter, dass die Antragstellerin doch ausziehen könne, wenn es ihr nicht passe, sah das Gericht jedenfalls noch nicht als so unüblich und unzumutbar an, dass es für eine Rückkehr in die elterliche Wohnung zu spät sei. Selbst die Äußerung der Mutter gegenüber Dritten, die Tochter wäre der größte Fehler ihres Lebens gewesen, reichte nach Ansicht der Richter nicht aus, um eine tiefgreifende, nicht mehr zu behebende Entfremdung anzunehmen (OLG Karlsruhe, Beschluss vom 23.1.2015, 2 UF 276/14 ).

Anders sieht es aus, wenn sich das Kind für eine Ausbildung weit entfernt vom Elternhaus entscheidet. Hier müssen Eltern in der Regel Barunterhalt leisten.

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