Verwandte haben Vorrang bei Vormundschaft

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Muss ein Vormund bestellt werden, weil den Eltern das Sorgerecht für ihr Kind entzogen wurde, sind in erster Linie Angehörige zu berücksichtigen, sofern es jemanden gibt, der als Vormund geeignet ist.

Bei einem noch nicht ganz einjährigen Kind wurde eine Schädelfraktur festgestellt, die von massiver Gewalteinwirkung zeugte. Das Kind wurde von staatlicher Seite in Obhut genommen. Beide Eltern sind drogenabhängig. Sie bemühten sich weder um einen Therapieplatz, noch erschienen sie zum anberaumten Termin vor Gericht. Daher wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen und das Jugendamt als Vormund eingesetzt. Hiergegend verwahrte sich die Mutter des Kindes.

Das Oberlandesgericht Saarbrücken revidierte die Entscheidung und setzte die Großmutter des Kindes als Vormund ein. Nicht nur beim Tod der Eltern, sondern auch im Falle des Sorgerechtsentzugs, können diese einen Vormund vorschlagen. Vor Anordnung der Amtsvormundschaft durch das Jugendamt, muss ein solcher Vorschlag geprüft werden.

Dabei sind die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der vorgeschlagenen Person sowie ihre Eignung, das Kind zu erziehen und nicht zuletzt der Wille des Kindes selbst zu berücksichtigen. Hierbei spielen vor allem auch die Verwandtschaft und die Bindungen des Kindes eine wichtige Rolle.

Die erst 50-jährige Großmutter geht seit Jahren einer geregelten und zurzeit halbschichtigen Tätigkeit in verantwortlicher Position bei der Post nach. Während sie arbeitet, kann ihr Ehemann die Betreuung des Kindes übernehmen. Sie hat das Kind bereits während seines Krankenhausaufenthalts zuverlässig betreut. Außerdem ist nach dem Eindruck der Richter davon auszugehen, dass sie im Falle von Streitigkeiten mit der Mutter des Kindes, die Position des Kindes einnehmen wird. Daher war sie als Vormund des Kindes zu bestellen (OLG Saarbrücken, Beschluss vom 7.7.2014, 6 UF 48/14 ).

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