Vermögende Studenten müssen Ausbildung selbst finanzieren

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Volljährige Kinder, die noch in der Ausbildung stecken, haben grundsätzlich einen Unterhaltsanspruch gegen ihre Eltern. Anders sieht es aus, wenn ein Volljähriger über eigenes Vermögen verfügt, das mehr als ein Notgroschen ist.

Eine Psychologiestudentin forderte von ihrem Vater Unterhalt. Als die junge Frau volljährig wurde, besaß sie ein Vermögen von mindestens 56.000 €. Der Vater hatte selbst 25.000,00 € dazugegeben. Auch von der Mutter hatte sie regelmäßig Geld geschenkt bekommen. Das Amtsgericht wies die Unterhaltsklage ab. Die Tochter müsse zunächst ihr Vermögen aufbrauchen. Daraufhin forderte die Mutter von der Tochter das von ihr geschenkte Geld zurück, weshalb die Tochter 40.800,00 € an die Mutter zahlte und sich nun für unterhaltsbedürftig erklärte.

Das Oberlandesgericht Zweibrücken machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Ein volljähriges Kind müsse im Gegensatz zu einem minderjährigen Kind seinen Vermögensstamm für den Lebensbedarf einsetzen, bevor es Unterhalt von den Eltern verlangen könne. Lediglich ein Notgroschen dürfe zurückbehalten werden.

Auch dürfe das Kind das Vermögen nicht einfach anderweitig verbrauchen. Es sei vielmehr verpflichtet, das vorhandene Vermögen nach und nach einzusetzen, um seinen eigenen Lebensbedarf abzudecken. Verstoße das Kind dagegen, müsse es sich so behandeln lassen, als ob das Vermögen noch vorhanden wäre.

Das Gericht errechnete, dass bei einer sukzessiven Vermögensverwertung zum Zeitpunkt der Unterhaltsklage gegen den Vater noch mindestens 30.000 € übrig gewesen wären. Natürlich müssten der Tochter mindestens 5.000,00 € für Sonderbedarf und als Notgroschen verbleiben. Ziehe man diesen Betrag ab, würden der Tochter noch 25.000,00 € verbleiben, von denen sie drei Jahre lang als Studentin leben könne. Ein Unterhaltsanspruch gegen den Vater bestehe daher zurzeit nicht (OLG Zweibrücken, Beschluss vom 16.10.2015, 2 UF 107/15 ).

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