Schwimmbadrutschenunfall bleibt für Kinder ohne Rechtsfolgen

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Unfälle zwischen Kindern sind Ausdruck ihres Spieltriebs sowie ihres Forschungs- und Erprobungsdrangs. Eine Neunjährige muss deshalb einem Elfjährigem weder Schadensersatz noch Schmerzensgeld zahlen.

Die beiden Kinder benutzten bei einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch eine ca. 70 Meter lange Rutsche. Der Elfjährige rutschte dem Mädchen voraus. Dabei hielten die Kinder in der Rutsche an, um so einen Stau zu verursachen.

Leider ging diese Art der Rutschpartie nicht auf Dauer gut. Der Junge rutschte nach Auflösung des Staus mit dem Kopf voraus weiter. Am Ende der Partie schlug er mit dem Gesicht auf den Beckenboden auf. Dabei brach er sich zwei Schneidezähne ab, die anschließend überkront werden mussten. Schuld an allem war angeblich das Mädchen. Sie soll den Jungen beim Weiterrutschen an den Beinen festgehalten, erst am Ausgang der Rutsche losgelassen und ihm zusätzlich noch einen Schub von hinten gegeben haben. Der Elfjährige forderte vor dem Landgericht Hannover Schadensersatz für den Eigenanteils zur zahnmedizinischen Behandlung in Höhe von 520,00 € sowie 5.000,00 € Schmerzensgeld – ohne Erfolg.

Die Richter urteilten, dass das Mädchen unabhängig vom tatsächlichen Geschehensablauf kein Verschulden treffe. Selbst ein fahrlässiges Verhalten könne dem Kind nicht vorgeworfen werden.

Das Ganze sei letztlich Ausdruck des kindlichen Spieltriebs sowie eines Forschungs- und Erprobungsdrangs. Zudem ließen sich gerade Kinder und Jugendliche in ihrem Verhalten von der Dynamik einer Gruppe besonders mitreißen und anstacheln. Sie würden deshalb die Folgen ihres Handelns nicht überblicken. Das Verantwortungsbewusstsein müsse sich mit dem fortschreitenden Alter erst noch weiter entwickeln (LG Hannover, Urteil vom 11.2.2016, 8 O 80/15 ).

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