Richter erlauben Exhumierung für Vaterschaftstest

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Der Bundesgerichtshof entschied, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung schwerer wiegt als das über den Tod hinausreichende Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen.

Eine Frau möchte per DNA-Test klären lassen, ob ein 2011 verstorbener Mann ihr Vater sei. Ihre Mutter habe ihr an ihrem 18. Geburtstag eröffnet, dass der Mann ihr Vater sei. Weder sie selbst noch der mutmaßliche Vater hätten jemals Anlass dafür gehabt, an seiner Vaterschaft zu zweifeln.

Der eheliche Sohn des Verstorbenen weigert sich indessen, einer Exhumierung zur Entnahme einer Gewebeprobe für den Vaterschaftstest zuzustimmen. Genauso wenig ist er bereit, stattdessen eigenes DNA-Material zum Abgleich zur Verfügung zu stellen.

Der Bundesgerichtshof spricht der mutmaßlichen Tochter das Recht auf einen DNA-Test zu. Zum einen gibt es viele Anhaltspunkte für eine Vaterschaft. Sie verlangt die Exhumierung des Toten nicht einfach so aufs Geratewohl. Die Frau hat als Kind engen Kontakt zu der Familie des Verstorbenen gehabt. Weder sie selbst noch der Verstorbene hätten bei einem späteren Treffen je Zweifel an seiner Vaterschaft gehegt.

Selbst wenn erbrechtliche Fragen im Vordergrund stünden, ändert das nichts daran, dass das Wissen um die eigene Herkunft äußerst wichtig für die Entfaltung der Persönlichkeit ist. So hat das von der Verfassung geschützte Recht des Kindes, über seine Abstammung Bescheid zu wissen, grundsätzlich Vorrang vor der Totenruhe des Verstorbenen. Außerdem hat jedes leibliche Kind per Gesetz ein Recht darauf, am Erbe des Vaters teilzuhaben - auch das uneheliche (BGH, Beschluss vom 29.10.2014, XII ZB 20/14c ).

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