Ist der ursprüngliche Erbe vorverstorben muss ein Ersatzerbe gesucht werden

 - 

Wenn der testamentarisch eingesetzte Erbe vorverstirbt, ist das Testament zunächst dahingehend auszulegen, ob ein Ersatzerbe ermittelt werden kann. Nur wenn kein Ersatzerbe ermittelt werden kann, wird der Erbe im Wege der gesetzlichen Erbfolge bestimmt.

Eine verwitwete ältere Dame verstarb. Sie hinterließ eine Adoptivtochter. Die Erblasserin hatte im Jahre 2009 ein privatschriftliches Testament aufgesetzt, in dem sie eine ihrer Schwestern zur Alleinerbin einsetzte. Diese verstarb jedoch vor der jetzigen Erblasserin. Ersatzerben waren nicht bestimmt. Nach dem Tod beantragte nun die Adoptivtochter einen Alleinerbschein. Sie sei nun Erbin aufgrund gesetzlicher Erbfolge geworden. Die andere Schwester der Erblasserin trat dem jedoch entgegen und beantragte einen Erbschein für sich. Sie begründete ihre Auffassung damit, dass das Testament dahingehend auszulegen sei, das sie Ersatzerbin geworden ist.

Die Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe gaben der Schwester Recht. Sie ist Alleinerbin im Wege der Ersatzerbeneinsetzung geworden. Die Tochter erbt nicht, da die gesetzliche Erbfolge hier nicht anzuwenden ist.

Die Richter sind zu dem Schluss gekommen, dass die Erblasserin ihrer Adoptivtochter auf keinen Fall etwas hinterlassen wollte. Dass die als Erbin eingesetzte Schwester vorverstorben ist, änderte nichts an dem Wunsch ihre Adoptivtochter zu enterben. Es ist davon auszugehen, dass die Erblasserin ihre andere Schwester als Erbin eingesetzt hätte, wenn sie vorgesehen hätte, dass die eingesetzte Schwester vorverstirbt. Somit ist das Testament dahingehend ergänzend auszulegen, dass die andere Schwester Ersatzerbin ist.

An diesem Ergebnis ändert auch die Tatsache nichts, dass die Erblasserin kein neues Testament errichtet hat. Nach Auskunft eines Bankberaters wollte sie neu testieren. Sie starb jedoch kurz darauf (OLG Karlsruhe, Beschluss vom 11.6.2012, 14 WX 76/11).

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.