Bargeld im Kachelofen gefunden - darf man es behalten?

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Findet der Eigentümer einer Immobilie Geld in seinem Kachelofen, steht es ihm nur dann zu, wenn kein Eigentümer des Geldes ermittelt werden kann.

Ein Mann erwarb im Jahre 2008 ein Haus. Bei Renovierungsarbeiten fand er in einem eingemauerten Kachelofen zwei verschlossene Stahlkassetten, in denen Bargeld in Höhe von 303.700,00 DM lag. Diese waren mit Banderolen verschiedener Banken aus den Jahren 1971 bis 1977 versehen. Ein älteres Ehepaar hatte in diesem Haus bis 1993 gewohnt. 1971 hatte dieses Ehepaar ein von ihm betriebenes Teppichhaus verkauft. Zuerst verstarb der Ehemann, danach die Ehefrau. Der Immobilienerwerber übergab das Geld der Polizei, später wurde es beim Amtsgericht hinterlegt. Die Erbin der letztverstorbenen Ehefrau verlangte nun die Zustimmung zur Freigabe des Geldes. Der Immobilienerwerber jedoch verweigerte die Zustimmung. Er war der Ansicht, dass ihm das Geld aufgrund Schatzfunds gemäß § 984 BGB zustehe.

Das Landgericht Düsseldorf gab der Erbin Recht. Einen Schatzfund gibt es nur dann, wenn kein Eigentümer der Fundsache ermittelt werden kann. Hier ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass die Erblasserin Eigentümerin des Geldes war.

Ursprünglich war das Ehepaar Eigentümer des Geldes. Aufgrund der Banderolen auf den Geldkassetten ist davon auszugehen, dass das Geld aus dem Verkauf des Teppichhauses stammt. Nach dem Tod des Ehemanns ist das Eigentum an dem Geld auf die Ehefrau übergegangen. Diese hat kurz vor ihrem Tod geäußert, dass manche Leute ihr Geld im Kamin verstecken würden. Das ist ein Indiz für ihre Eigentümerstellung. Darüber hinaus widerspricht es jeder Lebenserfahrung, dass ein unbekannter Dritter das Geld in einem fremden Haus versteckt und nicht wieder abholt. Nach dem Tod der Ehefrau ist das Eigentum am Geld auf die Erbin übergegangen. Diese hat nun einen Anspruch gegen den Immobilienerwerber auf Zustimmung zur Auszahlung des Geldes. Dieser bekommt lediglich einen Finderlohn (LG Düsseldorf, Urteil vom 27.7.2012, 15 O 103/11).

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