Schwere Verbrennungen durch heißen Tee - Pflegeheim haftet

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Verbrüht sich eine pflegebedürftige Heimbewohnerin mit heißem Tee, den das Pflegepersonal unbeaufsichtigt in einem Aufenthaltsraum zurückgelassen hat, so haftet der Heimbetreiber.

Eine 73-jährige Frau, die an den Rollstuhl gefesselt und beim Essen und Trinken auf Hilfe angewiesen ist, wurde mit anderen Pflegebedürftigen ohne Aufsicht im Aufenthaltsraum zurückgelassen. Zuvor hatte das Pflegepersonal Thermoskannen mit heißem Tee gefüllt und auf der Fensterbank abgestellt. Durch diesen Tee erlitt die Frau schwere Verbrennungen an den Oberschenkeln. Wie sie sich die Verbrennungen im Einzelnen zuzog, konnte nicht mehr geklärt werden. Die 73-Jährige musste für über einen Monat ins Krankenhaus und sich unter anderem auch Hauttransplantationen unterziehen, was Kosten in Höhe von mehr als 85.000 € verursachte. Diese Kosten verlangt die Krankenkasse der Frau vom Heimbetreiber zurück.

Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht gab der Krankenkasse Recht. Der Heimbetreiber haftet für das Fehlverhalten seines Pflegepersonals. Das Heimpersonal hat hier seine Obhutspflicht verletzt, als es die im Rollstuhl sitzende Frau unbeaufsichtigt in dem Raum mit heißen Getränken zurückließ, zumal sich auch Demenzkranke in dem Raum befanden. Die Pfleger hätten davon ausgehen müssen, dass ein anderer Heimbewohner der im Rollstuhl sitzenden Frau Tee einschenken würde. Genauso mussten sie damit rechnen, dass dabei Tee verschüttet würde und es zu Verbrühungen kommen könnte. Immerhin handelt es sich um gebrechliche pflegebedürftige Personen, die teilweise auch demenzkrank seien.

Die Heimleitung hätte sein Pflegepersonal anweisen müssen, Kannen mit heißen Getränken die ganze Zeit über zu beaufsichtigen oder dafür zu sorgen, dass sie für die Heimbewohner nicht zugänglich sind. Beispielsweise hätten die Pfleger die Kannen einfach mit aus dem Raum nehmen können. Denn eine ständige Beaufsichtigung der Heimbewohner selbst kann vom Pflegepersonal nicht verlangt werden (OLG Schleswig, Urteil vom 6.5.2013, 4 U 85/12 ).

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