Wohnungseigentümer kann Verlegung einer Wand verlangen

 - 

Wurde bei Errichtung des Kellers von den Bauplänen abgewichen, kann ein Eigentümer von der Eigentümergemeinschaft die Versetzung einer Wand verlangen, sofern sich der Aufteilungsplan an den ursprünglichen Bauplänen orientiert und die für eine Versetzung erforderlichen Maßnahmen nicht außer Verhältnis zur Planabweichung stehen.

Beim Bau des Kellers wurde von den der Baugenehmigung zugrundeliegenden Bauplänen abgewichen, um dem innen liegenden Kellerraum Zugang zu einem Fenster zu gewährleisten. Dabei verkleinerte sich einer der Kellerräume deutlich um 3,94 m2 auf nunmehr 4,49 m2. Dem Aufteilungsplan aus dem Jahre 1984 liegen die ursprünglichen Baupläne zugrunde, nicht die tatsächlichen Gegebenheiten. Im Jahre 2011 wurde die zugehörige Wohnung mitsamt Kellerraum veräußert, nachdem der Erwerber das Sondereigentum besichtigt hatte. Als der neue Wohnungseigentümer später von dem Inhalt des Aufteilungsplans Kenntnis genommen hatte, verlangte er die Herstellung der dort festgehaltenen Aufteilung - und damit die Versetzung der entsprechenden Kellerwand.

Nachdem das Amtsgericht Soest die Wohnungseigentümergemeinschaft zur Herstellung der Kellerräume gemäß dem Aufteilungsplan verpflichtet, das Landgericht Dortmund dagegen dieselbe verwehrt hatte, hat der Erwerber nach Ansicht der Richter des Bundesgerichtshofs das Recht, die plangerechte Herstellung seines Kellerraums zu verlangen.

Denn ein Wohnungseigentümer kann von der Eigentümergemeinschaft nicht bloß die Instandhaltung des Gemeinschaftseigentums verlangen. Hierunter fällt vielmehr auch das Recht, zu verlangen, dass das Gemeinschaftseigentum überhaupt erst plangerecht erstellt wird. Denn das Sondereigentum ist entsprechend dem Aufteilungsplan entstanden, auf den in der Teilungserklärung Bezug genommen wurde (BGH, Urteil vom 20.11.2015, V ZR 284/14 ).

Für Wohnungseigentümer kann es sich lohnen, zu überprüfen, ob die tatsächliche Bauausführung mit dem Aufteilungsplan übereinstimmt. Liegt eine wesentliche Abweichung vor, die Sie korrigiert haben möchten, müssen Sie in der Eigentümerversammlung zunächst die Anpassung beantragen.

Weitere News zum Thema

  • Eigentümergemeinschaft kann Grundstück kaufen

    [] Wohnungseigentümer dürfen per Mehrheitsbeschluss darüber entscheiden, ob die Wohnungseigentümergemeinschaft ein Grundstück kauft oder nicht. Allerdings muss der Erwerb des Grundstücks ordnungsgemäßer Verwaltung entsprechen. mehr

  • WEG: Kein Recht auf einen Pool

    [] Der Bau eines Privatpools ist nicht vom Sondernutzungsrecht an einer Terrasse und Gartenoberfläche gedeckt. Vielmehr erfordert ein Pool auf der Terrasse die Zustimmung der übrigen Wohnungseigentümer. mehr

  • Innenhof als Sondereigentum?

    [] Auch ein Innenhof kann im Sondereigentum eines Wohnungseigentümers stehen, selbst wenn er nicht überdacht ist. Entscheidend sind die konkreten Gegebenheiten. mehr

  • Eigenmächtige Sanierung: Wer zahlt?

    [] Lässt ein Wohnungseigentümer Gemeinschaftseigentum eigenmächtig sanieren, kann er nur dann Erstattung der Sanierungskosten verlangen, wenn die Sanierung ohnehin hätte vorgenommen werden müssen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.