Verwalterbestellung unwirksam, wenn ein um 45 Prozent günstigeres Angebot vorliegt

 - 

Sucht eine Eigentümergemeinschaft einen neuen Verwalter, heißt das Preisvergleich. Andernfalls ist die Bestellung eines überteuerten Verwalters unwirksam. So das Landgericht Berlin.

Im entschiedenen Fall stritten sich zwei Eigentümerinnen. Der klagende Eigentümer besitzt 108 Wohneinheiten, die beklagte Eigentümerin 167 Wohneinheiten einer Wohnungsanlage. Weitere Miteigentümer gibt es nicht.

Als es darum ging, einen neuen Verwalter zu bestellen, schlug die Beklagte einen Verwalter vor, der eine monatliche Vergütung von brutto 27,76 EUR pro Einheit verlangte. Das Alternativangebot anderen Eigentümerin sah eine Vergütung von brutto 19,04 EUR pro Einheit und Monat vor. Immerhin ein um 45 Prozent günstigeres Angebot. Die Beklagte setzte dennoch mit der Mehrheit ihrer Stimmen den teureren Verwalter im Beschlussverfahren durch. Die andere Eigentümerin zog vor Gericht und focht den Beschluss an – mit Erfolg.

Das Landgericht Berlin erklärte den Beschluss für unwirksam. Der Mehrheitsbeschluss verstoße gegen die Pflicht zur Rücksichtnahme auf die Interessen der Gemeinschaft. Ein solcher Verstoß liege nicht nur bei einer überhöhten oder unangemessenen Vergütung vor, sondern auch dann, wenn eine erhebliche Preisdifferenz zu einem Konkurrenzangebot vorliege. Hier hätte man zunächst prüfen müssen, ob es für die Preisdifferenz einen sachlichen Grund gebe (LG Berlin, Urteil vom 23.9.2014, 55 S 302/WEG ).

Weitere News zum Thema

  • Eigentümergemeinschaft kann Grundstück kaufen

    [] Wohnungseigentümer dürfen per Mehrheitsbeschluss darüber entscheiden, ob die Wohnungseigentümergemeinschaft ein Grundstück kauft oder nicht. Allerdings muss der Erwerb des Grundstücks ordnungsgemäßer Verwaltung entsprechen. mehr

  • WEG: Kein Recht auf einen Pool

    [] Der Bau eines Privatpools ist nicht vom Sondernutzungsrecht an einer Terrasse und Gartenoberfläche gedeckt. Vielmehr erfordert ein Pool auf der Terrasse die Zustimmung der übrigen Wohnungseigentümer. mehr

  • Innenhof als Sondereigentum?

    [] Auch ein Innenhof kann im Sondereigentum eines Wohnungseigentümers stehen, selbst wenn er nicht überdacht ist. Entscheidend sind die konkreten Gegebenheiten. mehr

  • Eigenmächtige Sanierung: Wer zahlt?

    [] Lässt ein Wohnungseigentümer Gemeinschaftseigentum eigenmächtig sanieren, kann er nur dann Erstattung der Sanierungskosten verlangen, wenn die Sanierung ohnehin hätte vorgenommen werden müssen. mehr

  • Wohnungseigentümer kann Verlegung einer Wand verlangen

    [] Wurde bei Errichtung des Kellers von den Bauplänen abgewichen, kann ein Eigentümer von der Eigentümergemeinschaft die Versetzung einer Wand verlangen, sofern sich der Aufteilungsplan an den ursprünglichen Bauplänen orientiert und die für eine Versetzung erforderlichen Maßnahmen nicht außer Verhältnis zur Planabweichung stehen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.