Zur Wärmedämmung einer gemeinsamen Giebelwand

 - 

Bauliche Maßnahmen zur Wärmedämmung an einer gemeinsamen Giebelwand sind zulässig. Der benachbarte Grundstückseigentümer muss die Fassadenverkleidung dulden. Die Kosten der Dämmungsmaßnahme trägt allerdings derjenige, der hieraus den Nutzen zieht.

Zwei Nachbargrundstücke sind jeweils mit einem Wohnhaus bebaut. Eine Giebelwand der Häuser steht auf der Grundstücksgrenze und ragt einige Zentimeter in das andere Grundstück hinein. Ein Teil dieser Wand dient ausschließlich dem einen Haus als Außenwand. Auf diese freie Fassade wollte der Hauseigentümer eine 14 cm starke Dämmschicht inklusive Verschieferung anbringen. Der Nachbar verweigerte seine Zustimmung zur Dämmung der Giebelwand.

Der Bundesgerichtshof hatte das letzte Wort in diesem Rechtsstreit und entschied, bei der  beabsichtigten Fassadenverkleidung handelt es sich um eine Verwaltungsmaßnahme im Sinne von § 745 BGB. Nach Absatz 2 dieser Vorschrift muss der Nachbar die Maßnahmen zur Wärmedämmung dulden, die dazu führen, dass der freie Bereich der Wand einem den heutigen (Energiespar-)Erfordernissen entsprechendem Standard entspricht. Anders als bei der Errichtung der Häuser vor ca. 100 Jahren ist es heute unüblich, ein Wohnhaus mit einer ungedämmten Außenwand zu errichten.

Zwar gibt es keine öffentlich-rechtliche Verpflichtung zur nachträglichen Dämmung einer solchen Außenwand. Doch liegt es im Interesse jedes Teilhabers, die Nachbarwand so nachzurüsten, dass sie in Funktion und Aussehen dem allgemein üblichen Standard entspricht (BGH, Urteil vom 11. 4. 2008, Az. V ZR 158/07, NJW 2008 S. 2032).

Beachten Sie darüber hinaus folgende Hinweise des BGH in seinem Urteil:
  • Abweichend von der gesetzlichen Regelung trägt der renovierungswillige Nachbar die Kosten der Dämmung insgesamt alleine, weil er hieraus einen weitaus höheren Nutzen zieht.
  • Falls der Nachbar sich später dazu entschließt, an die freie Giebelwand anzubauen, muss der andere Nachbar die Dämmung auf seine Kosten wieder beseitigen, wenn dies den Anbau beeinträchtigt.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.