Verbraucher: Verkäufer trägt Kosten für Aus- und Einbau mangelhafter Sache

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Klassischer Fall: Ein Bauherr kaufte Fliesen im Baumarkt. Ein Handwerker verlegte sie. Später stellte sich heraus, dass die Fliesen mangelhaft waren. Kann der Käufer defekter Ware vom Verkäufer Schadenersatz für den späteren Aus- und Einbau der defekten Fliesen verlangen?

Ein Häuslebauer erwarb von einem Baustoffhändler Bodenfliesen zum Preis von rund 1.400,- Euro. Ein Fliesenleger verlegte die Ware in dem Haus. Später zeigten sich Mängel. Eine Ausbesserung war nicht möglich. Der Bodenbelag musste komplett ausgetauscht werden. Deswegen verlangte der Bauherr vom Baustoffhändler die Lieferung neuer Fliesen sowie die Zahlung der Handwerkerkosten für den Aus- und Einbau der neuen Fliesen in Höhe von ca. 5.800,- Euro. Der wollte nicht zahlen.

Hinter diesem Streit steckte eine Grundsatzfrage. Strittig war stets, wer  in solch einem Fall für den Schaden einzustehen hat, der Verkäufer, der die mangelhafte Ware geliefert hat, oder der Käufer? Nun hat der Bundesgerichtshof die Frage dem Europäischen Gerichtshof zur Klärung vorgelegt.

Der EuGH entschied verbraucherfreundlich. Der Verkäufer muss die Aus- und Einbaukosten tragen. Andernfalls könnte die Angst auf hohen Aus- und Einbaukosten sitzen zu bleiben, einen Kunden davon abhalten, seine Rechte geltend zu machen.

Außerdem sind kaufrechtliche Nacherfüllungsansprüche des Käufers unentgeltlich zu erfüllen. Dies ist nicht gegeben, wenn dem Kunden durch den Austausch der mangelhaften Ware Kosten entstehen, die ihm nicht entstanden wären, hätte der Verkäufer von Anfang an eine mangelfreie Sache geliefert.

Ausnahme: Sind die Aus- und Einbaukosten im Verhältnis zum Wert der Sache unverhältnismäßig, so dürfen die Kosten auf einen angemessenen Betrag begrenzt werden.

Fazit: Käufer müssen jetzt den Handwerker nicht mehr doppelt für den Einbau der mangelhaften Ware bezahlen (EuGH, Urteil vom 16. 6. 2011, Az. C-65/09 und C-87/09).

 

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