Spinne in Tiefgarage zählt zum allgemeinen Lebensrisiko

 - 

Dass Spinnen von vielen Menschen als abstoßend empfunden werden, ist noch nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar fanden die Richter des Oberlandesgerichts Karlsruhe allerdings, dass Spinnenphobiker, Schadensersatz und Schmerzensgeld einklagen, wenn sie angesichts einer Spinne in einer Tiefgagrage vor Schreck stürzen und sich dabei verletzen.

Eine Frau wollte mit ihrem Mann aus einer Tiefgarage mit dem Auto wegfahren. Beim Einsteigen machte der Mann sie durch Zuruf darauf aufmerksam, dass sich in ihrer Kopfhöhe eine "fette Spinne" gerade "abseilen"  wollte.

Das hatte fatale Folgen: Als die Frau die Spinne sah, erschrak sie, trat reflexartig einen Schritt zurück, verlor das Gleichgewicht und stürzte. Dabei zog sie sich eine Beckenprellung, eine Prellung der rechten Gesichtshälfte und einen komplizierten Bruch am rechten Handgelenk zu.

Die Frau verklagte den zuständigen Hausmeisterservice, der für die Reinigung und Entfernung von Spinnweben einmal im Monat verantwortlich war, wegen Verletzung der Reinigungspflicht auf Schadensersatz und ein Schmerzensgeld in Höhe von mindestens € 6000,-.

Die Klage blieb erfolglos. Das OLG Karlsruhe begründete die Klagabweisung wie folgt: Selbst wenn der Hausmeisterservice auftragsgemäß einmal im Monat alle Spinnweben entfernt hat, kann dadurch nicht sichergestellt werden, dass sich nicht doch zwischenzeitlich  durch die seitliche Fensteröffnung der Garage immer wieder Spinnen einfinden. 

Darüber hinaus diene die Entfernung von Spinnweben nicht in erster Linie dazu, Stürze zu verhindern. Es habe sich hier vielmehr ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht, für das der Hausmeisterservice nicht einzustehen habe (OLG Karlsruhe, Urteil vom 24.6.2009, 7 U 58/09).

Weitere News zum Thema

  • Eigentümergemeinschaft kann Grundstück kaufen

    [] Wohnungseigentümer dürfen per Mehrheitsbeschluss darüber entscheiden, ob die Wohnungseigentümergemeinschaft ein Grundstück kauft oder nicht. Allerdings muss der Erwerb des Grundstücks ordnungsgemäßer Verwaltung entsprechen. mehr

  • Wer haftet für Müllgebühren?

    [] Zahlt der Mieter die fälligen Abfallgebühren nicht, kann die zuständige Behörde die ausstehenden Gebühren vom Grundstückseigentümer auch nachträglich verlangen. mehr

  • WEG: Kein Recht auf einen Pool

    [] Der Bau eines Privatpools ist nicht vom Sondernutzungsrecht an einer Terrasse und Gartenoberfläche gedeckt. Vielmehr erfordert ein Pool auf der Terrasse die Zustimmung der übrigen Wohnungseigentümer. mehr

  • Wann ist ein Grundstückskaufvertrag sittenwidrig?

    [] Ob ein Immobilienkaufvertrag wegen eines besonders groben Missverhältnisses zwischen Kaufpreis und Verkehrswert sittenwidrig ist, ist eine Frage des Einzelfalls und der wirtschaftlichen Betrachtung. Trägt der Verkäufer die Erwerbsnebenkosten, die normalerweise vom Käufer zu tragen sind, fließt dies in die Prüfung der Sittenwidrigkeit mit ein. Diese Kosten sind von der Leistung des Käufers abzuziehen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Rechtstipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.