Oktoberfest: des einen Freud, des anderen Leid

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Das Oktoberfest und ähnliche Veranstaltungen verlangen ihre Opfer. Nicht jeder verträgt es, wenn das Bier in Strömen fließt. Da wundert es nicht, dass Taxifahrer nur ungern die Heimfahrt in solchen Fällen übernehmen. Denn auch sie bzw. ihr Fahrzeug können so Opfer der Trinkfreudigkeit anderer werden und bleiben am Ende noch auf ihrem Schaden sitzen.

Nach einem Besuch auf dem Oktoberfest 2009 fuhr ein Münchner mit seiner Freundin nach Hause - per Taxi. Im Taxi wurde dem Mann nach kurzer Zeit übel und er musste sich übergeben. Der Fahrer ließ das verschmutzte Fahrzeug reinigen. Zusammen mit dem Verdienstausfall verursachte dies bei ihm einen Schaden von 241,- Euro.  Diese Kosten verlangte er von seinem Fahrgast zurück. Schließlich sei dieser betrunken gewesen und habe sich übergeben.

Das sei so nicht richtig, entgegnete der Fahrgast. Zu Fahrbeginn habe er sich noch fit gefühlt. Er habe nur zwei Maß Bier in vier Stunden getrunken und sei deshalb nicht stark alkoholisiert gewesen. Außerdem habe er dem Fahrer sofort gesagt, dass ihm schlecht sei. Dieser habe aber, obwohl es ihm möglich gewesen sei, nicht angehalten, sondern ihn nur beschimpft.

Das Amtsgericht München sprach dem Taxifahrer die Hälfte seiner Schadenersatzforderung zu: Unstreitig hat sich der Fahrgast während der Fahrt übergeben und das Taxi beschmutzt. Dies stellt eine Pflichtverletzung des Beförderungsvertrages dar. Da er zumindest angetrunken gewesen war, hat er mit dem Eintritt des Schadens rechnen müssen.

Allerdings ist der Schadenersatzanspruch wegen des Mitverschuldens des Taxifahrers auf die Hälfte zu reduzieren. Es konnte bewiesen werden, dass der Fahrgast und seine Freundin den Taxler vor dem Vorfall gebeten hatten, wegen der Übelkeit anzuhalten. Der Taxler war dieser Bitte zunächst nicht nachgekommen.

Da sich jedoch nicht feststellen ließ, wie eindringlich und drängend diese Bitten waren und ob es tatsächlich so eilig war, ist der Schadensersatz nicht auf Null zu reduzieren, sondern wegen Mitverschuldens des Fahrgastes zu halbieren (AG München, Urteil  vom 2.9.10, Az. 271 C 11329/10).

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