Kirschkern im Gebäck - damit muss der Verbraucher rechnen

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Wer sich in Gefahr begibt, .... .Und eine solche Gefahr kann sich auch in einem appetitlich aussehenden Kirschgebäck verstecken. Darüber sollten Sie sich als Kirschkuchenliebhaber in Klaren sein und entsprechend vorsichtig zubeißen. Schadensersatz gibt es laut Bundesgerichtshof jedenfalls nicht, wenn dabei etwas schief geht.

Ein Bäckereikunde hatte einen Kirschtaler gekauft und verzehrt. Dabei biss er auf einen eingebackenen Kirschkern, der ihn einen Teil seines oberen linken Eckzahns kostete. Für die anschließende Zahnbehandlung musste er einen Eigenanteil von 235 Euro berappen. Diese Kosten und ein angemessenes Schmerzensgeld verlangte er vom Hersteller des Gebäcks.

Tatsächlich verlor der verklagte Bäcker den Prozess vor dem Amts- und dem Landgericht. Beide Gerichte machten den Mann nach dem Produkthaftungsgesetz für den Schaden verantwortlich.

Der Bäcker zeigte juristisches Durchhaltevermögen und wurde dafür vom Bundesgerichtshof belohnt. Der kam nämlich zu dem Ergebnis, dass eine Haftung hier ausscheidet. Begründung: Der Kirschtaler war nicht fehlerhaft.

Ein Fehler im Sinne des Produkthaftungsgesetzes liegt nur dann vor, wenn das Produkt  "nicht die Sicherheit bietet, die unter Berücksichtigung aller Umstände berechtigterweise erwartet werden kann". Zwar sind bei Produkten für Endverbraucher die Sicherheitsanforderungen erhöht. Aber die Maßnahmen sind von der Größe der Gefahr abhängig. Je größer diese sind, desto höher sind auch die Anforderungen an die Produktsicherheit. Das heißt, der Verbraucher kann keine völlige Sicherheit erwarten.

Folge: Bei einem Gebäckstück, das unter Bezeichnung "Kirschtaler" angeboten wird, muss man davon ausgehen, dass tatsächlich Kirschen verwendet werden. Und da Kirschen bekanntermaßen zu den Steinfrüchten zählen, muss sich der Verbraucher darüber im Klaren sein, dass das Fruchtfleisch einen Stein enthält. Seine Sicherheitserwartung darf also nicht so weit gehen, zu erwarten, im Taler seien zwar Kirschen, aber keinerlei Kirschkerne enthalten. Das ist nur denkbar, wenn zuvor der Eindruck erweckt worden ist, das es seien nur ausschließlich vollkommen entsteinte Kirschen verwendet worden.

Das wiederum führt dazu, dass der Hersteller die Kirschen entweder durch ein engmaschiges Sieb drückt, wodurch nur Saft hervorgebracht würde, oder dass er jede einzelne Kirsche auf eventuell vorhandene Steine untersuchen müsste.

Ein solcher Aufwand ist keinem Bäcker zumutbar. Das Ganze ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofes auch nicht erforderlich, da beim Beißen auf einen Kirschkern keine schwerwiegende Gesundheitsgefahr droht, die um jeden Preis und mit jedem erdenklichen Aufwand vermieden oder beseitigt werden muss (BGH, Urteil vom 7.4.2009, VI ZR 176/08)

 

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